Full text : Sozialismus und Regierung

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nigen  Personen  übertragen  werden  muß.  Die  Vielen  haben  Wünsche,
die  Wenigen  wollen.  Das  „Kabinett“  mag  aus  Beamten  oder  einem
Komitee  von  Mitgliedern  zusammengesetzt  sein,  oder  ein  spezielles
Organ  bilden,  das  regelrecht  konstituiert  worden  ist.  Doch  kann
es  auch  gewohnheitsmäßige,  statutarisch  nicht  geforderte  Zusammenkünfte ­
  hervorragender  Mitglieder  einer  Vereinigung  bedeuten,  die  gemeinsam ­
  arbeiten  und  in  solchen  Sitzungen  ihre  Gedanken  auszutauschen ­
  pflegen.  Jedenfalls  existiert  das,,  Kabinett“,  irgendwie  müssen
seine  Funktionen  erfüllt  werden.  Es  ist  im  Londoner  Grafschaftsrat
vorhanden,  wenn  es  auch  dort  nicht  so  offen  zur  Erscheinung  kommt
wie  im  Parlamente.  In  rudimentärer  Form  ist  das  „Kabinett"  fast  in
jedem  bedeutenderen  Stadtrat  anzutreffen 1 ,  obgleich  der  Prozeß  der
,,  Kabinetts“  bildung  niemals  über  bescheidene  Ansätze  hinausgehen
kann,  wo  es  sich  um  reine  Verwaltungsfragen  handelt.  Er  kann  z.  B.
niemals  bis  zur  Stufe  kollektiver  Verantwortlichkeit  emporsteigen,
trotzdem  der  Wechsel  der  Ausschußobmänner,  der  sich  bei  einer  veränderten ­
  Majoritätsgruppierung  im  Stadtrate  vollzieht,  sehr  daran  erinnert. ­
  Das  parlamentarische  „Kabinett"  ist  deshalb  eine  besonders  differenzierte ­
  Form  dessen,  was  in  j  eder  aktiven  Assoziation  vorhanden  ist.
Wir  müssen  nun  die  Einwände  gegen  den  üblichen  Modus  der  Ministerberufung ­
  prüfen.  Es  ist  ganz  richtig,  daß  alte  Gewohnheiten  in  diesen ­
  inneren  Schlupfwinkeln  der  Parteiorganisation  ihr  Dasein  am  längsten ­
  fristen.  Der  Geist  der  Demokratie  durchsäuert  zuerst  die  Gemeinen
in  Reih  und  Glied,  bevor  er  die  Beratungen  des  Offizierkorps  revolutioniert. ­
  Von  Ministerpräsidenten  der  jüngsten  Zeit  weiß  man,  daß
sie  Ämter  an  Verwandte  und  an  „Familien“  gegeben  und  dadurch
ihr  Kabinett  geschwächt  haben.  Dies  nimmt  ab  neben  anderen  alten
schlechten  Gepflogenheiten,  und  die  Parteiführer  kommen  immer
mehr  zu  der  Überzeugung,  daß  sie  sich  mit  einem  Stab  ihrer  tüchtigsten ­
  Anhänger  umgeben  müssen.  Mit  der  öffentlichen  Meinung  muß
bei  der  Konstituierung  eines  Kabinetts  gerechnet  werden 2 .

1  Dr.  Dale  erzählt,  wie  das,,  Kabinett“  des  alten  Stadtrates  von  Birmingham  in  dem
Speisezimmer  einerWirtschaft  zusammenzukommen  pflegte.  Als  ich  einst  eineSpinnerei

  in  Lancashire  besichtigte,  führte  man  mich  in  die  Ecke  eines  der  Fabriksäle
und  benachrichtigte  mich:  „Hier  versammelt  sich  das  .Kabinett'  unseres  Stadtrats." ­
  2  Für  jemand,  der  über  solche  Sachen  theoretisiert,  wird  es  stets  eine  interessante ­
  Tatsache  bleiben,  daß  die  Mängel  des  von  Sir  Henry  Campell-Bannerman
im  Jahre  1905  gebildeten  Kabinetts  nicht  dadurch  verursacht  wurden,  daß  der
Ministerpräsident  seine  Wahl  auf  gewisse  Leute  zu  beschränken  hatte.  Der  Grund
            
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