Full text: Sozialismus und Regierung

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die die Parteieinigkeit nicht in Frage stellen. Erstünde ein Parteiführer, 
der mit ganzem Herzen an die Notwendigkeit einer Regierung durch 
Parteien glaubte, aber nichtsdestoweniger sich dessen bewußt wäre, 
daß es eine Partei zerstören hieße, ließe man sie so verknöchern, daß 
sie nur noch einem bloßen Mechanismus gliche; oder wenn sich eine 
Gruppe von Mitgliedern bildete, um die Auswüchse der Parteidisziplin zu 
beseitigen, bei alledem aber die Partei selbst als das bei weitem beste 
Werkzeug einer guten Regierung liebte und pflegte, so verschwänden 
die meisten dieser Klagen, Albernheiten und Gefahren. Unsere Auf 
merksamkeit könnte sich dann ungehindert der Betrachtung der wirk 
lichen Probleme zuwenden und wäre nicht mehr durch das Herumdok 
tern an Formen in Anspruch genommen. 
B. DIE MONARCHIE 
U nser Regierungssystem besteht nicht einfach aus dem Haus der Ge 
meinen, die Monarchie unddie Lordskammer gehören ebensogut da 
zu. Die Monarchie ist jedoch mehr eine soziale als eine politische Macht, 
obgleich die publizierteKorrespondenzder verstorbenen Königin gezeigt 
hat, daß die Krone ein aktiver Faktor in der Politik ist. Die persönliche 
Rolle, die der gegenwärtige König [Eduard VII.] in der internationalen 
Diplomatie spielt und der Versuch, den er im Sommer 1908 gemacht 
hat, über gewisse Parlamentsmitglieder wegen ihrer politischen Über 
zeugungen das Scherbengericht zu verhängen, deuten darauf hin, daß die 
Monarchie unter bestimmten Verhältnissen der Mittelpunkt einer po 
litischen Partei werden könnte. Der Kampf zwischen ihr und dem Vol 
ke müßte dann erneuert werden. Diese Möglichkeit rückt bedeutend 
näher, sobald das Volk einen regen Anteil an der äußeren Politik nimmt. 
Die Briefe der verstorbenen Königin, die ihre Sympathie mit der Tyran 
nei in Österreich enthüllt haben, die Betrügereien Leopolds, die Pläne 
Wilhelms I., und die vom Zaren über sein Volk verhängte Unterdrük- 
kungspolitik könnten sehr gut von einer republikanischen Gesellschaft 
veröffentlicht werden, sollte eine solche irgendwo existieren. Was der 
Monarchie besonders Stärke verleiht, ist ihre persönliche Seite. Das 
Interesse, das stets einer Person entgegengebracht wird, ist ein Re 
servefonds politischer Macht, auf den in jedem Augenblick zurückge 
griffen werden kann. Dies bedeutet aber auch, daß der ungeliebte 
Monarch dem Zorne des Volkes schutzlos preisgegeben ist.
	        
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