XIX
legenere demokratische Erkenntnis. Das Haus der Gemeinen zu re
formieren verdient Lob, es aber in der Vorstellung des Volkes zu degra
dieren, selbst wenn es sich um ein schlecht zusammengesetztes Haus
handelt, ist ein Verbrechen, für den Sozialisten ein äußerst abscheu
liches Verbrechen. Denn da der industrielle Staat des Sozialismus
sowohl durch den politischen Staat ins Leben gerufen als auch durch
ihn am Leben erhalten werden muß, so sollte der Sozialist mehr als
jeder andere Bürger den politischen Einrichtungen der Demokratie mit
jener Achtung begegnen, die dem Volke allein die Dekrete dieser In
stitutionen annehmbar macht. Wir ahnen kaum, wie zart das Ganze
unseres Regierungssystems angeordnet ist. Entfernten wir von ihm
das Vertrauen und die Ehrfurcht des Volkes, machten wir es gemein
und besudelten es, so zerfiele es in Staub, wie ein menschlicher Körper,
aus dem der Lebensodem entwichen ist. Und was kann an seine Stelle
gesetzt werden ? Nichts. Dann träten alle Bedingungen ins Dasein,
die eine Aristokratie und die Herrschaft der adeligen Klassen und der
gut organisierten Gruppen, die an der geistigen und politischen Unter
drückung des Volkes interessiert sind, begünstigen; Bedingungen, die
selbst einem Despotismus, besonders wenn der Despot ein Komödiant
ist, Vorschub leisten. Die wirtschaftlichen Wahrheiten des Sozialismus,
sein Industrialismus und seine Soziologie, müssen die vergeblichsten
der vergeblichen Träumereien bleiben, wenn wir beim Volke nicht die
Geistesverfassung bewahren, die die Freiheit und den Wert der Demo
kratie würdigen kann. Wenn „Ein Mann ist ein Mann trotz alledem“
rezitiert wird, ohne das Blut in Wallung zu bringen, so ist man über
haupt kein Mann mehr. Der Einwand, daß die Demokratie die Gesell
schaft desorganisieren müßte, wird heute kaum noch gehört. Oft möchte
ich gern wissen, ob der Grund hierfür ist, daß sich die Besiegung der
Demokratie durch ihre Feinde als möglich erwiesen hat und daß die
Schwäche der Demokratie inzwischen erkannt worden ist.
Hier ist vielleicht der geeignetste Ort, auf den einzigartigen Einfluß
zurückzukommen, den die Irische Partei auf die Arbeiterpartei ge
habt hat. Wäre keine Irische Partei vorhanden gewesen, so hätte
sich die Geschichte der Politik der Arbeiterpartei total von der tat
sächlichen unterschieden. Und doch ist es nötig, daß die Arbeiter
partei den Abgrund versteht, der ihre Taktik von der Kampfesart der
Irischen Partei trennt und sie nicht durch falsche Analogien, die man