Full text: Sozialismus und Regierung

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dieser wirtschaftlichen Ungerechtigkeit nachzudenken, die sich mit 
unserem Gesellschaftsleben so unentwirrbar verknüpft hat. Um diesen 
Zweck zu erreichen, befürwortet der Sozialist nicht die Abschaffung 
des Privateigentums, sondern die Beschränkung seiner Operations 
basis. Und die moderne Gesetzgebung bewegt sich denn auch in dieser 
Richtung: Gesetzesvorlagen, die die Munizipalisierung der Straßen 
bahnen begünstigen, wie auch das Budget von 1909 sind von diesem 
Geist beseelt. Wenn diese Neuordnung der Eigentumsverhältnisse 
die weitere Entwicklungslinie bleibt, so ist es vollkommen klar, 
daß die Beständigkeit, die eine nach dem Besitz abgestufte Wahl 
fähigkeit der Gesetzgebung verleihen soll, keine Dauerhaftigkeit des 
Lebens, sondern Todesstarre wäre. Zum Wesen des Fortschritts ge 
hört ein Wechsel in der Methode und dem Geiste des Eigentums, ver 
bunden mit einer veränderten Auffassung über das, was als Privat 
eigentum zu behalten ratsam ist und was nicht — z. B. Privatbesitz 
an Menschen, Sklaven. Wenn deshalb der Staat den Besitz als Prüf 
stein der Wahlberechtigung erklären wollte, so gliche er einem Manne, 
der durch sein ganzes Leben die Gepflogenheiten der Jugend zu be 
obachten sich entschlossen hätte, oder den amerikanischen Südstaaten 
vor dem Bürgerkrieg, hätten sie darauf bestanden, daß nur Sklaven 
besitzer wählen dürften. Wollte man die Gebräuche der Zukunft 
im voraus festlegen, so wären die vorübergehenden sozialen Gewohn 
heiten mit der höchsten Gewalt ausgestattet. 
Von derselben fundamentalen Bedeutung ist das Argument, daß 
jeder Bürger an der moralischen und politischen Leistungsfähigkeit 
seines Staates interessiert ist, was die Sonderinteressen der besitzenden 
Klassen an Wichtigkeit und Wert weit überschattet. Einem wohlge 
fügten Staatswesen sind die Erfahrungen der besitzlosen und der ver 
mögenden Klassen in gleichem Grade unentbehrlich. Die Lebenspraxis 
des Armen, dem niedriger Lohn, unregelmäßige Beschäftigung oder 
sonstiges Mißgeschick nie die Möglichkeit zur Eigentumserwerbung ge 
boten haben, ist politisch so hoch zu werten wie die Erfahrung des 
Millionärs, dessen einzige Beschwerden und Plackereien der Überfülle 
von Besitz entsprungen sind. Beim expropriierten und landlosen Kät 
ner ist viel eher eine sozial vernünftige Ansicht über Landbesitz vor 
auszusetzen, als beim Grundbesitzer, der dem Jagdvergnügen frönt, 
and der beschäftigungslose Lohnarbeiter, dem ein Unterstützungs
	        
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