Object: Währung und Handel

217 
neues Anlehen contrahirt wird, der zufällige Stand des Geld 
wertlies sofort von ausschlaggebendem Einflüsse auf die vom 
Staate zu übernehmenden Opfer ist. Abgesehen davon, dass 
bei hohem Agiostande der Zinsfuss, den der Staat auf oftenera 
Geldmärkte zu bezahlen hat, auch absolut höher zu sein 
pflegt, ist für alle Fälle auch bei gleichem Zinsfusse der Er 
trag eines Papiergeldanlehens geringer liei hohem, und höher 
bei massigem Disagio. Es muss eben zur Deckung des näm 
lichen Bedürfnisses der nominelle Stand des Anlehens höher 
bei hohem als bei niedrigem Disagio bemessen werden. 
Dass die Zinsen der Silberanlehen einen grösseren Theil 
der Staatseinnahmen vorweg absorbiren bei hohem als bei 
niedrigem Agiostande, ist selbstverständlich. Ganz das näm 
liche aber gilt von den Einkäufen des Staates auf offenem 
Markte, gleichviel ob dieselben iin Auslande oder im Inlande 
vorgenommen werden. Denn in beiden Fällen richten sich die 
Preise in der Hauptsache nach dem in ^Metallgeld umgerech 
neten Weltpreise ; es muss also ein höherer Preis in Papier 
geld gezahlt werden, wenn der Werth des letzteren sinkt, ein 
niässigerer, wenn dieser Geldwerth sich gehoben hat. 
Dass aber auch die Gehalte schliesslich durch die Schwan 
kungen des Geldwerthes beeinflusst werden müssen, folgt mit 
Noth Wendigkeit daraus, dass in Folge dieser Schwankungen 
der Kaufweidh der ursprünglich in ^Metallgeld flxirten Gehalte 
sich stetig verringert, die Staatsbeamten demgemäss stets 
schlechter bezahlt erscheinen und nunmehr der Staat vor der 
Alternative steht, die Gehalte entweder auf den früheren 
oflectiven Stand zu erhöhen, oder aber in Folge der luigenü- 
gendeii Gehalte die Tüchtigkeit und Arbeitslust seiner Diener 
andauernd zu verringern. Da in den Ländern mit gestörtem 
Geldwesen die Finanzlage aus den oben angegebenen Ursachen 
beinahe immer schlecht ist, so werden sich diese nur sehr 
»ehwer entschliessen, ihren Staatsdienern jene Gehaltzulagen 
zu bewilligen, die nothwendig wären , um den effectiven Werth 
der Gehalte auch nur annähernd auf der gleichen Höhe zu 
erhalten. Erspart wird aber dadurch nichts ; denn nunmehr 
muss an die Stelle der Gehaltaufbesserung eine continuirlich 
fortschreitende Vermehrung der Beamtenzahl treten, da der 
Natur der Sache nach die tüchtigeren arbeitsfähigen Individuen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.