Unsere paxlamentarischen Gepflogenheiten ermutigen außerdem die
gegenwärtigen Methoden der parlamentarischen Opposition. Während
der Nachmittags- und Abendsitzungen des Unterhauses erfüllen eine
Atmosphäre und ein Geist der Arbeitsunlust den Saal. Nachmittags
sitzungen können nie von Dingen wie Scherz und eitlen Demonstrationen
getrennt werden, ihr praktischer Wert ist gering. Käme das Haus ab
wechselnd um io Uhr morgens und um 2 Uhr nachmittags am nächsten
Tage zur Beratung zusammen und vertagte sich regelmäßig um 7 Uhr
abends, so würde das Parlament viel mehr und bessere Arbeit als heute
leisten. Ebenso könnten Qualität und Quantität der Gesetzgebung er
höht werden, wenn im Sommer Ferien wären und die Session im Herbst
wieder begänne.
Solche Umwandlungen könnten den „Berufspolitiker“ über uns
bringen. Dieser Beiname ist so häßlich geworden, daß nur wenige über
seinen Sinn nachdenken oder sich fragen, wodurch er sich von unserem
jetzigen Zustand unterscheidet. Der Name erschreckt sie, das genügt.
Ein Berufspolitiker ist jemand, der seine ganze Zeit den öffentlichen
Angelegenheiten widmet, was aber nicht heißt, daß er ein Demagog
werden muß. Wenn dem so wäre, könnte die traurige Tatsache nicht
vergessen werden, daß der Demagog, der in allen Parteien heimisch
ist und der allen Gesellschaftskreisen entstammt, schon heute unter
uns weilt. Es besagt aber auch nicht, daß er ein minderwertiger Cha
rakter sein muß. Unter unserem heutigen aristokratischen und pluto-
kratischen System wird die Politik bewußt für Parteigängervorteile er
niedrigt. Leute, die über Muße und Geld verfügen, mögen sie zum Par
lamente zählen oder nach einem Mandate streben, haben es offenbar
noch niemals als eine ihrer Pflichten angesehen, sich oder ihrer Klasse
eine Überlegenheit des politischen Charakters zu sichern. Ebenfalls wird
unser „Berufspolitiker“ nicht notwendigerweise seine Stellung für
seinen eigenen Vorteil oder den seiner Kaste benutzen. Heute gibt
es im Haus der Gemeinen reiche Mitglieder, die aufrichtig und ehrlich
glauben, daß die Interessen des Handels und des Erwerbs oder die
Interessen der Klasse, zu der sie selbst gehören, alle anderen natio
nalen Rücksichten verdrängen müssen. Das Haus der Lords ist eine
Einrichtung, deren einziger Daseinsgrund darin besteht, die Inter
essen ihrer Mitglieder wahrzunehmen.
Außerdem ist es schwer, für des Reichen oder Adeligen Sohn, den
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