Full text : Sozialismus und Regierung

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von  Jugend  an  gelehrt  wird,  daß  er  einst  die  Vertretung  eines  Wahlkreises ­
  zu  erwarten  habe,  einen  passenderen  Ausdruck  als  „Berufspolitiker“ ­
  zu  finden.  Zutreffender  können  die  Mitglieder  einer  Familie
wie  die  Cecils  oder  eine  Reihe  anderer  Häuser  nicht  bezeichnet  werden,
deren  Söhnen  die  Parlamentstätigkeit  eine  natürliche  Beschäftigung
ist,  die  sie  oft  in  den  Stand  setzt,  ihren  Lebensunterhalt  zu  gewinnen. ­
  Ganz  und  gar  unmöglich  ist  es  aber,  Männer  wie  Burke,  Pitt,
Peel,  Gladstone  überhaupt  mit  einem  anderen  Namen  anzusprechen.
Wenn  nun  ein  Mann,  der  zu  den  wohlhabenden  oder  adeligen  Klassen
zählt  und  aus  seiner  Zugehörigkeit  zum  Parlamente  indirekten  Vorteil
zieht,  sich  fast  nur  mit  der  Politik  beschäftigt,  so  wird  seine  staatsbürgerliche ­
  Gesinnung  gelobt.  Ist  er  jedoch  ein  Sohn  des  Volkes,
wird  sein  Wert  vom  Staate  direkt  anerkannt  und  werden  seine  Leistungen ­
  bezahlt,  so  ist  er  dann  nur  der  verdächtige  Streber,  der  „Berufspolitiker“. ­
  Wird  derselbe  Mann  wiederum  Minister,  erhält  er  ein  schönes
Gehalt  und  beansprucht  er  nachher  eine  verhältnismäßig  noch  schönere ­
  Pension,  so  bleibt  ihm  das  Odium  der  Berufsmäßigkeit  fern;  er
erfreut  sich  allgemeiner  Hochschätzung.  Diese  verschiedenen  Schattierungen ­
  des  öffentlichen  Urteils  entbehren  der  Folgerichtigkeit  und
des  gesunden  Menschenverstandes.  Sie  beweisen  höchstens,  wie  die
Macht  der  Gewohnheit,  trotz  unserer  demokratischen  Neigungen,  die
Sanktion  für  ein  Verhalten  aufrechterhält,  das  bei  dem  armen  Manne
verurteilt  und  bei  dem  Reichen  gepriesen  wird.
Tatsache  ist,  daß  ein  so  hoch  entwickeltes  politisches  Organ  wie
unser  Parlament,  das  sich  mit  den  reichhaltigsten  und  kompliziertesten ­
  Sachen  befaßt,  seine  Aufgaben  nicht  erfüllen  kann,  wenn  es
mit  einer  Menge  müßiger,  reicher  Leute  ausgestattet  ist,  deren  Mehrheit ­
  den  Zenith  des  Lebens  überschritten  hatten,  als  sie  sich  lebhaft
und  eingehend  für  die  Gesetzgebung  zu  interessieren  begannen,  von
denen  nur  wenige  den  Problemen,  die  sie  als  Gesetzgeber  lösen  wollen,
ein  sorgfältiges  Studium  widmen.  Der  „Berufspolitiker“  bedürfen  wir
genau  so  sehr,  wie  der  gelernten  Ingenieure,  Mediziner  oder  Schornsteinfeger. ­
  Regierungskunst  und  Regierungswissenschaft  gehören  zu
den  schwierigsten  Künsten  und  Wissenschaften,  und  es  sollte  dafür ­
  Sorge  getragen  werden,  den  Beruf  so  auszubilden,  daß  er  über
die  geübtesten  Talente  verfügen  kann  Für  die  Verwaltungsaufgaben
wird  der  ständige  Beamte  nach  vielen  Prüfungen,  nach  wiederholtem
            
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