Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

F ederpelzwerk 
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Feigen 
aus Südafrika werden von etwa i Million Strauße 
für mehr als 25 Millionen Mark Federn ausge 
führt. Die nach etwa 6 Monaten völlig ausge 
wachsenen Federn, die nicht mehr gerupft, son 
dern geschnitten werden, zerfallen in wertvollste 
weiße oder schwarzweiße Flügelfede^n oder 
Hauptfedern (arab. Anathi), von denen je 
vier in jedem Flügel sitzen, ferner in die kleinen 
(zehn) Schwanzfedern und die zarten Flü 
geldeckfedern. Von den getöteten Tieren 
wird auch der Flaum zur Herstellung von Filz 
hüten oder Geweben benutzt. Die einzelnen 
Sorten teilt man nach der Güte und Länge in 
mehrere Unterabteilungen, von denen die besten 
bis zu 50 und 60 cm lang werden. Die zunächst 
in Kisten nach London ausgeführten und dann 
sortierten und gebündelten Rohfedern werden 
vor dem Zurichten mit Seife gewaschen und in 
heißes Wasser, worin feine Kreide zerteilt ist, 
eingelegt, darauf zur Verbesserung der Farbe 
vielfach geschwefelt, mit Indigo schwach ge 
bläut oder mit Wasserstoffsuperoxyd gebleicht. 
Die grauen Federn des weiblichen Straußes 
werden meist schwarz gefärbt, während von 
Natur weiße F, diese Färbung nicht annehmen. 
Zum Schluß folgt das Frisieren, d. h. die Wie 
derherstellung der natürlichen Kräuselung durch 
Behandlung der Bärte mit stumpfen Messern, 
Kunstfedern sind aus mehreren Stücken zu 
sammengenäht, Pleureusen sind solche 
Straußenfedern, deren Bärte durch Handknüp 
fung künstlich verlängert sind. — Der süd- 
amerikanische Strauß (Rhea americana) lie 
fert nur einige graue und braune Schmuck 
federn, die in der Form von den echten ab 
weichen und mehr den Marabufedern ähneln. 
Die letzteren sind eigentlich die Schwanzdeck 
federn des mittelafrikanischen Riesenstörches 
(Leptotilos crumenifer), die äußerst leicht und 
zart, in Weiß oder Grau, Vorkommen und be 
sonders in Weiß geschätzt werden, doch stam 
men die meisten von dem als Adjutant hezeich- 
neten indischen Marabu. Auch werden sie viel 
fach aus den Schwanzfedern des Storches, Pfaus 
und Truthahns nachgeahmt (falsche Marabus), 
Weitere Schmuckfedern stammen von Papa 
geien, Paradiesvögeln, Edelfasanen, 
Raubvögeln, auch wird der ganze Balg von 
Kolibris benutzt. Vor allem liefern schließ 
lich verschiedene Reiherarten in den langen, 
schmalen, fein gebauten Federn vom Kopf und 
Nacken wertvolles Material für Damenschmuck 
und Federbüsche. Von einheimischen Reihern 
sind besonders Fischreiher, Purpurreiher 
und Silberreiher namhaft zu machen. 
Federpelzwerk. Von einigen Vögeln, beson 
ders Wasser vögeln, finden die Bälge oder viel 
mehr die Bauch-, Hals- und Bruststücke die 
selbe Verwendung wie Pelztierfelle, indem sie 
samt dem Gefieder in der Kürschnerei zuge 
richtet und zur Verzierung von Damenhüten 
und Kleidern benutzt werden. Man verfährt 
hierzu nach zwei Arten, indem man entweder 
die durch Farbe und Schönheit ausgezeichneten 
Teile eines Vogelkleides unverändert läßt, oder 
indem man das obere Federkleid entfernt, um 
die flaumige Unterschicht zur Geltung zu brin 
gen. Zu der ersten Art gehören die bunten 
Bälge des Eisvogels, männlicher Wildenten 
mit farbigem und metallglänzendem Kopf und 
Halsgefieder, die schwarzen, beiderseits mit 
einem glänzendgelben Streifen gesäumten Kehl 
stücke des großen Pinguins, die glänzend 
weißen, ins Perlgraue fallenden Bauchpelze des 
großen Haubentauchers, die unter dem. Na* 
men Grebenfelle im Handel sind und am 
schönsten von den Schweizer Seen, ferner aus 
Bayern, Holland und der Türkei kommen. Die 
andere Art, die flaumig weichen Vogelpelze im 
engeren Sinne, stammen, sofern sie weiß sind, 
von zahmen und wilden Schwänen und von 
vorzüglichen Exemplaren der Hausgans. Die 
Hegung der Schwäne und Gänse zum Zweck 
der Pelzgewinnung wird hauptsächlich von den 
Holländern und Franzosen betrieben, die sich 
auch einer besonders sorgfältigen und schönen 
Zurichtung befleißigen. 
Feigen (lat. Caricae, frz. Figues, engl. Figs)- 
Der seit uralten Zeiten in den Mittelmeerlän* 
dem angebaute Feigenbaum (Ficus Carica). 
der in den Tropen gegen hundert Verwandte hat) 
erreicht nur eine mäßige Höhe und wirft all 
jährlich das Laub ab. Aus den in den Blatt- 
winkeln versteckten Blüten entwickeln sich die 
sog. Früchte, die aus dem fleischig gewordenen 
Blütenboden bestehen und daher als Schein 
früchte zu gelten haben. Sie sind im Jugend 
zustande grün und mit einem scharf schmek- 
kenden Milchsäfte erfüllt, werden aber später 
bräunlich-violett, saftig und süß. Die reifen F- 
erreichen eine Länge von 7 cm bei 4 l / 2 ern 
Dicke und enthalten im Innern die zahlreichen 
kleinen gelben Früchte, fälschlich Samen ge* 
nannt. Obwohl der Baum beständig einzeln® 
Früchte trägt, unterscheidet man doch zwei 
Haupttriebe, zu denen man die aus vorjährigen 
Trieben entsprossenen, im Juni reifenden 
Sommerfeigen und die allein zum Trocknen 
und Versand geeigneten Herbstfeigen erntet- 
Die letzteren werden an luftigen, schattigen 
Orten so ausgebreitet, daß sie sich nicht be 
rühren, und alle zwei Tage gewendet, bis sie 
trocken sind. Neuerdings wird auch Ofen* 
trocknung angewandt. Als Folge dieser Be 
handlung zeigt sich meist ein melilartiger Über 
zug von auskristallisiertem Fruchtzucker, bö 
alter Ware statt dessen wohl auch ein Beschlag 
von Schimmel und Milben. Auch sollen italieni 
sche F. bisweilen mit Kastanienmehl bestäubt 
werden, wodurch ihnen aber neben Feuchtig 
keit auch Zucker entzogen wird. Die frische 11 
Feigen enthalten bis 790/0 Wasser, die getrock 
neten neben etwa 28 0/0 Wasser 3—4 o/ 0 Eiweiß» 
1—20/0 Fett und gegen 50—60, ja 700/0 Zucker- 
Ais wertvollste gelten die besonders großen und 
süßen Smyrna-F., die, in ihrer natürlichen Fort 11 
belassen, in runde, mit Lorbeerblättern auf 
gelegte Schachteln (Trommeln) verpackt sind- 
Die kleinen griechischen F., die dickschalig^ 
und haltbarer, aber weniger süß sind, komme 0 
als Kranzfeigen, meist zu hundert auf Bast' 
schnüre gereiht und plattgedrückt in den Han 
del; italienische werden in Körbe eingeleg! 
(Korbfeigen), Triester F. (aus Istrien und 
Dalmatien), die sehr süß und klein, aber nie» 
haltbar sind, in Fässer, Tiroler F. in Lorbeef' 
und Rosmarinblätter verpackt. Spanische }' 
gehen meist nach England. Die zu uns et 0 '
	        
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