Kautschuk
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Kayennepfeffer
sondern behält seine volle Elastizität. Seine
Porosität und seine Löslichkeit ist wesentlich
geringer geworden; Terpentinöl, Benzin, Äther
und Chloroform lösen ihn kaum, sondern quellen
ihn nur bis zum zehnfachen Volumen, während
fette Öle ihn in eine plastische, an der Luft
sich oxydierende Masse verwandeln. Die frischen
Schnittflächen des vulkanisierten K. haften beim
Aneinanderdrücken nicht zusammen. Nach dem
Verfahren der heißen Vulkanisation wird
der gereinigte K. mit wechselnden Mengen
(3—15 0/0) Schwefelblumen zusammengewalzt
und geknetet und dann mehrere Stunden lang
in großen eisernen Kesseln bei 115—136° und
3—s Atmosphären Druck mit Wasserdampf be
handelt. In gleicher Weise können die aus ge
mischter Masse geformten Gebrauchsgegen
stände vulkanisiert werden. Matten, Treib
riemen und Preßplatten bringt man meist in
Pressen, deren hohle Platten durch Dampf er
hitzt werden. Die besonders für Patentgummi
geeignete kalte Vulkanisation nach Par
kes besteht einfach im Eintauchen der geform
ten Gegenstände in eine Lösung von Schwefel
in Schwefelkohlenstoff oder Chlorschwefel für
einige Minuten und nachfolgende Trocknung.
An Stelle des Schwefels wird vielfach auch
Schwefelquecksilber (Zinnober) und Schwefel
antimon zur heißen Vulkanisation benutzt. Die
so erhaltenen Gegenstände haben im Gegensatz
zu dem grauen vulkanisierten K. eine rote
Farbe. Schwarze Töne entstehen durch Bei
mischung von Kiemuß, helle durch Zinkweiß,
Baryt u. dgl. Die Herstellung der Hart
gummi- oder Ebonitwaren (s. d.) erfolgt
nach den gleichen Grundsätzen, doch unter Zu
satz höherer Schwefelmengen (bis 500/0) unc l
Anwendung höherer Temperaturen. — Künst
licher (synthetischer) K. kann in ausgezeich
neter Beschaffenheit nach verschiedenen Ver
fahren, die meist auf den Arbeiten von Har ries
beruhen, hergestellt werden. Als Ausgangs
material dient entweder Isopren (C 5 Hg), das
aus Terpentinöl, Lävulinaldehyd oder Lävulin
säure (aus Stärke, Zucker, Zellulose), Azeton,
hydrierten Benzolen und Phenolen, Amylalkohol
und neuerdings Petroleum gewonnen wird, oder
das Butadien (C 4 H 6 ), von dem sich Isopren
lediglich durch Eintritt einer Methylgruppe
unterscheidet. Beide Kohlenwasserstoffe poly
merisieren sich unter Einwirkung von Salzsäure
und Wärme. Bei dem ungeheuren Preissturz
des natürlichen K. hat sich das synthetische
Erzeugnis bislang noch als zu teuer heraus
gestellt. — Um so größere Bedeutung hat dafür
die Wiederverarbeitung von abgenutzten Kaut
schukwaren (Schuhen, Schläuchen, Radreifen)
und vulkanisierten Abfällen zu sog. Regene-*
raten gewonnen. Zwar ist eine Ent Vulkanisie
rung noch nicht gelungen, aber durch mecha
nische Zerkleinerung und Behandlung mit Al
kalien, Säuren, organischen Lösungsmitteln
werden die mineralischen Beimengungen und
die Gewebeeinlagen entfernt, so daß die hinter-
Weibende Kautschuksubstanz wieder unter Zu
satz von neuem K. verarbeitet werden kann. —
Als Ersatzmittel für K. kommen in erster
Linie die sog. Faktis in Betracht, die durch
Erhitzen von Leinöl mit Schwefel (brauner F.)
oder durch Behandlung mit Chlorschwefel
(weißer F.) erhalten werden. Außerdem sind
für bestimmte Zwecke Gemische von Vogel
leim mit Soda (für Pflaster), Lösungen von
Zelluloseestern mit weichmachenden organi
schen Substanzen (für chirurgischeFlandschuhe),
mit Formaldehyd gehärtete Leimmasse (Son-
jatin-Schläuche) empfohlen worden. Hart
gummiersatz Zellon ist eine Art Zelluloid,
Futuran ein Erzeugnis aus Phenol und Form
aldehyd. — Verfälschungen des K. durch
übermäßigen Zusatz von Mineralstoffen lassen
sich mit Hilfe der Aschenanalyse, Zusätze von
Leim und Eiweißstoffen durch die Stickstoff
bestimmung, Beimischungen von Faktis nicht
immer mit Sicherheit nachweisen.
Kaviar (Caviar, frz. Caviar, engl. Caviare)
besteht aus den ungesalzenen oder auch mehr
oder weniger (mit 4—60/0 Kochsalz) gesalzenen,
aus den Eierstöcken befreiten Eiern (Rogen)
großer Störarten, namentlich des eigentlichen
Störs (Acipenser sturio), des Hausens (A.
huso) und einiger kleinerer Verwandten, und
wird entweder direkt als körniger K. oder
auch in gepreßtem Zustande in den Handel
gebracht. Der beste K., der aus Rußland
(Astrachan, Malossol) stammt, ist besonders
großkörnig, von heller Farbe und mild ge
salzen. Der sog. deutsche oder Elb-K. und
der amerikanischeK.setzt sich aus weit klei
neren Körnern zusammen, besitzt eine dunklere
Farbe, scharfen salzigen Geschmack und wird
weniger geschätzt. K. ist sehr reich an Nähr
stoffen und enthält neben 14 0/0 Fett nicht we
niger als 30 0/0 Eiweiß, kommt aber wegen
seines hohen Preises nur als Luxusspeise und
Genußmittel in Betracht. Guter K. darf weder
sauer oder ranzig riechen, noch schimmlig sein,
die einzelnen Körner müssen prall und rund,
nicht eingeschrumpft, zerflossen oder schmierig
erscheinen, Zusätze von Sago, Öl, Farbe und
den Eiern anderer Fische haben als Verfäl
schung zu gelten.
Kawawurzel (Avawurzel, lat. Radix kavae,
frz. Racine de kava, engl. Kava root), die ge
trocknete Wurzel der auf den Inseln der Süd
see wachsenden Piperazee, Piper methysti-
cum, besteht aus dicken, knotigen, mit langen,
sehr verästelten Wurzelfasern besetzten Stücken
von 250—500 g Gewicht, die außen graubraun,
innen von grauweißer Farbe und lockerem,
schwammigem Gefüge sind. Der Geruch ist
schwach pfefferartig, der Geschmack bitter und
zusammenziehend. N eben einem Harzgemisch,
dem eigentlich wirksamen Bestandteil, enthält die
Droge zwei indifferente kristallinische Körper,
Methystizin (Piperinylessigsäuremethylester)
und Yangonin. K. wird als schweißtreibendes
Mittel, der aus der Wurzel hergestellte Fluid-
Extrakt als Arzneimittel angewandt Und auch
gegen Geschlechtskrankheiten empfohlen.
Kayennepfeffer (Guinea-Pfeffer, Chillies,
lat. Piper cayennense, frz. foivre de cayenne,
engl. Cayenne pepper) nennt man die schoten-
ähnlichen Früchte (Beeren) von Capsicum bac-
catum, eines zu den Solaneen gehörenden
Strauches des tropischen Amerika. K. ähnelt
außerordentlich dem Paprika (s. d.), von dem er
sich nur durch die geringere Größe der Beeren