Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kohlensäure 
217 
Koipufelle 
Güte als „Fine Champagne“ hergestellt wird. 
Weniger wertvolle, als „Eau de vie“, „Petit 
Champagne“, „Armagnac“ bezeichnete Sorten 
stammen aus den Departements AngouKme, 
Chäteauneuf, Languedoc. Auch in Ungarn, Spa 
nien und Portugal sowie neuerdings vor allem 
in Deutschland wird viel K. destilliert. Das 
frische Weindestillat ist eine völlig farblose 
Flüssigkeit von meist so—6o°/o Alkoholgehalt, 
welche erst im Verlaufe der Lagerung auf eiche 
nen Fässern ihre gelbe Farbe und die prächtige 
Blume annimmt. Neben verschwindenden Spuren 
von Furfurol finden sich geringe Mengen Fusel 
öl, flüchtige Säuren, Aldehyde und Ester, deren 
Gehalte aber zu großen Schwankungen unter 
liegen, als daß darauf eine sichere Beurteilung 
gegründet werden könnte. Im Laufe der Zeit 
hatte sich der Begriff des K. nun außerordent 
lich verschoben. An Stelle des reinen Wein- 
destillates tauchten Mischungen mit Kartoffel 
branntwein (sog. Weinsprit) in immer größerer 
Menge auf. Ja, es wurden ganz offen als Kbgnah 
es senz Auflösungen von echtem oder künst 
lichem Weinbeeröl (s. d.) zur Darstellung von K. 
auf kaltem Wege, d. h. durch einfaches Ver 
mischen mit Feinsprit, angepriesen. Zur Bekämp 
fung der hierdurch hervorgerufenen Mißstände 
wurden in § 18 des Weingesetzes vom 7. IV. 1909 
folgende Vorschriften erlassen; „1. Trinkbrannt- 
wein, dessen Alkohol nicht ausschließlich aus 
Wein gewonnen ist, darf im geschäftlichen Ver 
kehr nicht als Kognak bezeichnet werden. 
2. Trinkbranntwein, der neben Kognak Alkohol 
anderer Art enthält, darf als Kognakverschnitt 
bezeichnet werden, wenn mindestens V10 d es 
Alkohols aus Wein gewonnen ist. 3. Kognak 
und Kognakverschnitte müssen in 100 Raum 
teilen mindestens 38 Raumteile Alkohol ent 
halten. 4. Trinkbranntwein, der in Flaschen oder 
ähnlichen Gefäßen unter der Bezeichnung Kognak 
gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten wird, 
muß zugleich eine Bezeichnung tragen, welche 
das Land erkennbar macht, wo er für 'den Ver 
brauch fertiggestellt worden ist. Die näheren 
Vorschriften trifft der Bundesrat. 5. Die vom 
Bundesrate vorgeschriebenen Bezeichnungen sind 
auch in die Preislisten und Weinkarten sowie in 
die sonstigen im geschäftlichen Verkehr üblichen 
Angebote mit aufzunehmen. Die in § 10, 16 des 
Weingesetzes verbotenen Stoffe (s. Wein) dürfen 
auch zur Herstellung von Kognak nicht benutzt 
'Verden.“ — Gemische von Kognak mit Spiritus 
dürfen nur als Kognakverschnitt in den Han 
del gebracht werden. Künstliche Färbung mit 
Teerfarbstoffen ist unzulässig. Die Bezeichnung 
Kunstkognak oder Fassonkognak wird von der 
neueren Rechtsprechung durchweg verworfen. 
Kohlensäure (Kohlensäureanhydrid, Koh 
lendioxyd, lat. Acidum carbohicum, frz. Acide 
carbonique, engl. Carbonic acid) bildet zwar 
nicht im gasförmigen Zustande, wohl aber als 
komprimierte, sog. flüssige K. einen wich 
tigen Handelsartikel. Sie gehört zu den ver 
breitetsten Stoffen der Erdoberfläche. Als regel 
mäßiges Erzeugnis der Verbrennung organischer 
"toffe sowie der tierischen und pflanzlichen At 
mung findet sie sich beständig in der Atmo 
sphäre in Menge von etwa 0,039 °/o. Ferner wird 
S1 e von den tätigen Vulkanen ausgestoßen, ent 
strömt aus Erdrissen und Spalten und gelangt, in 
Wasser gelöst, in Form von Säuerlingen zutage. 
Ihre Verbindungen mit Basen, die Karbonate, 
wie Kalkstein, Marmor, Kreide, Dolomit und 
Magnesit, sind verbreitete Mineralien, die sogar 
gesteins- und gebirgsbildend auftreten. Zur Dar 
stellung der K. zersetzt man Karbonate (Marmor, 
Magnesit) entweder mit verdünnten Säuren oder 
durch Glühen, oder gewinnt sie durch Ver 
brennung von Koks. Die reine K., C0 2 , ist ein 
färb- und geruchloses Gas von deutlich saurem 
Geschmack. Sie vermag weder selbst zu bren 
nen, noch die Verbrennung zu unterhalten, löscht 
vielmehr brennende Körper aus und führt, ein- 
geatmet, Erstickung herbei. Sie dient in den 
Zuckerfabriken, in denen sie beim Glühen des 
Kalksteins als Nebenprodukt entsteht, zum Sa 
turieren, ferner zur Darstellung von Ammoniak 
soda und von Bleiweiß. Auf ihrer hohen Lös 
lichkeit in Wasser (1 Vol. Wasser nimmt bei o° 
1,8 Vol. K- auf) beruht ihre Verwendung zur Her 
stellung kohlensaurer Getränke. Zu letzterem 
Zwecke führt man sie jedoch zunächst in dqn 
flüssigen Zustand über. Das nach den angegebe 
nen Verfahren dargestellte pder auch natürlich 
vorkommende K.-Gas wird durch Überführung 
in Bikarbonat oder Waschen mit Kaliumperman 
ganat gereinigt, getrocknet und in Zylindern 
aus Schmiedeeisen oder Stahl bei so—60 Atmo 
sphären komprimiert. Die schmiedeeisernen Fla 
schen haben 9 mm dicke Seitenwände und 15 mm 
dicken Boden und sind auf einen Überdruck von 
250 Atmosphären geprüft. Sie enthalten 8, 10,. 
20 oder 30 kg K. zum Preise von je 25—30 Pfg. 
und werden den Abnehmern leihweise überlassen. 
Die flüssige K. ist eine wasserhelle, bewegliche 
Flüssigkeit, welche bei —78,2° siedet und sich 
bei schneller Verdunstung in eine lockere schnee 
ähnliche Masse, die feste K., verwandelt. Die 
flüssige K. findet äußerst mannigfaltige Ver 
wendung. Sie dient in den Gastwirtschaften zum 
Bierausschank, ferner zur Herstellung von kohlen 
saurem Wasser, beim Gießen von Gußstahl und 
anderen Metallen zur Erzielung dichter, blasen 
freier Gußstücke, zum Betriebe von Feuerspritzen 
und als Feuerlöschmittel. Krupp in Essen benutzt 
sie außerdem bei Wiederherstellung von beschä 
digten Kanonen zum Loslösen der konischen 
Mantelrohre von dem zylindrischen Kernrohre. 
Der Versand der flüssigen K., der früher auf 
Feuerzüge beschränkt war, ist jetzt auf allen 
Eisenbahnzügen gestattet, aber an folgende Be 
dingungen geknüpft: Die Behälter müssen aus 
Schweißeisen, Flußeisen pder Gußstahl hergestellt 
und amtlich auf einen Druck von 250 Atmo 
sphären geprüft sein. Ein amtlicher Vermerk 
auf den Flaschen muß darauf hinweisen, daß 
diese Prüfung, und zwar innerhalb der letzten 
drei Jahre, erfolgt ist. Zum Schutze der Ven 
tile müssen Kappen aufgeschraubt sein, die mit 
einem Kranze zur Verhinderung des Rollens ver 
sehen sind. 
Koipufelle (Nutria). Das Koipu, eine biber 
artige, große Seeratte, lebt in großer Menge 
in den südamerikanischen, La-Platastaaten. Sein 
Fell, das ohne den wertlosen Schwanz 4V2 dm 
oder mehr in der Länge mißt, wird teils zu 
Pelzwerk, teils bei der Herstellung von Hüten 
verwandt, wöbei das meist braunrote Oberhaar
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.