Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kräuter

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Krauseminze

sind.  Das  Innere  ist  grauweiß,  hornartig,  sehr
zähe  und  schwer  zu  pulvern.  Von  den  drei
Handelssorten  Bombay-,  Köchin-  und  Madras-K.
zeigt  die  Bombaysorte  die  seidenartige  Beschaffenheit ­
  der  Oberfläche  am  deutlichsten,  Madras  am
wenigsten.  Die  intensiv  bitter  schmeckenden  K.
enthalten  die  Alkaloide  Strychnin,  Bruzin  und
das  noch  nicht  genügend  untersuchte  Igasurin.
Im  Kleinhandel  .dürfen  sie  nicht  verkauft  werden.
Kräuter  (lat.Herbae)  nennt  man  in  der  Drogenkunde ­
  ein-  oder  zweijährige  w.ld  wachsende,  durch
Kundige  gesammelte  Gewürz-  oder  Arzneipflanzen ­
  von  .niedrigem  Wachstum  oder  auch  in  Gärtnereien ­
  gezogene  Küchen-  und  Garten-,  Farbund
  Futterpflanzen.  In  den  Handel  kommen  besonders ­
  die  Küchen-,  Gewürz-  und  Arzneikräuter.
Das  Sammeln  der  wild  wachsenden  Kräuter  erfordert ­
  genaue  Kenntnisse,  vor  allem  die  sorgsame ­
  Scheidung  der  giftigen  von  den  nicht  giftigen, ­
  da  der  Handel  scharfer  Kontrolle  unterliegt.
Die  Sammler  bringen  die  Ware  direkt  an  die
Großhandlungen  oder  Apotheker  und  Drogisten,
während  die  Gärtner  auf  Bestellung  und  nach
Verzeichnissen  mit  Preisangaben  liefern.  Zur
Aufbewahrung  dienen  in  luftigen  Räumen  aufgestellte ­
  Säcke,  leichte  Fässer  oder  Kisten,  da
sich  im  feuchten  Raume  Schimmel  bildet,  welcher ­
  die  Waren  wertlos  macht.  Die  Thüringer
Lande  und  die  Gebirgsgegenden  sind  die  besten
Bezugsquellen.  Besonders  die  Umgebungen  von
Erfurt  und  Gotha  zeichnen  sich  durch  ausgedehnten ­
  Kräuteranbau  und  -handel  aus.
Kräuterkäse  (grüner  Käse)  ist  ein  fettarmer,
aus  gereiftem  Zieger  unter  Zusatz  reichlicher
Mengen  von  gepulvertem  Steinklee  (Melüotus),  sog.
Käsepülver,  hergestellter  Käse,  der  entweder
in  Kegelform  als  Reibkäse  (Glarner  Schabzieger)
oder  in  ziegelförmigen,  mit  dem  Messer  noch
schneidbaren  Stücken  (bayrisches  und  württembergisches
  Allgäu)  in  den  Handel  kommt.  Er
enthält  neben  37—47%  Wasser  6,6—20%  Fett
und  34—46%  Stickstoffsubstanzen,  die  zum  Teil
in  lösliche  Form  (Amide)  übergegangen  sind.
Der  während  des  Krieges  beobachtete  Versuch, ­
  zur  Umgehung  der  Höchstpreise  gewöhnlichen, ­
  mit  etwas  Kümmel  und  Paprika  gewürzten
Quark  als  K.  zu  vertreiben,  ist  von  den  Dresdner
Gerichten  als  unzulässig  bezeichnet  worden.
Krappwurzel  (Färberröte,  lat.  Radix  rubiae
tinctorum,  frz.  Garance,  engl.  Madder),  die  gepulverte ­
  Wurzel  der  Rubiazee  Rubia  tinctorum, ­
  war  bis  vor  wenigen  Jahrzehnten  neben
dem  Indigo  der  wichtigste  Pflanzenfarbstoff  und
schon  im  Altertum  bei  Griechen,  Römern  und
Orientalen  im  Gebrauch,  hat  aber  seit  der  Entdeckung ­
  des  künstlichen  Alizarins  (s.  d.)  immer
mehr  an  Bedeutung  verloren.  Die  unserem  Waldmeister ­
  verwandte  Pflanze  ist  im  Orient  heimisch, ­
  wurde  aber  später  in  Europa,  besonders
in  Frankreich,  in  großem  Maßstabe  angebaut,
bis  der  Aufschwung  der  Alizarinindustrie  den
Anbau  unlohnend  machte.  Die  Pflanze  treibt
ziemlich  lange  Wurzeln,  die  mühsam  gegraben
und  dann  nach  Entfernung  der  anhängenden
Erde  erst  an  der  Luft  und  schließlich  in  Trockenstuben ­
  soweit  getrocknet  werden,  daß  sie  beim
Biegen  kurz  durchbrechen.  In  Form  ganzer
Wurzeln  kommt  nur  der  ohne  künstliche  Wärme
getrocknete  orientalische  K.  (Lizari,  Alizari)

in  den  Handel,  während  die  abendländische
Ware  entweder  zu  einem  groben  Pulver  vermahlen ­
  wird  oder  einer  weiteren  Verarbeitung
zu  verschiedenen  Farbstoffen  unterliegt.  Dieknotigen,
  mit  feinen  Haaren  besetzten  Wurzeln;
sind  von  einer  braunroten,  längsrunzeligen  Oberhaut ­
  mit  leicht  ablösbarer  Korkschicht  umgeben.
Darunter  liegt  die  eigentliche  dunkelbraune  Rinde,
die  einen  bitteren,  rötlichgelben  bis  roten  Holzkern ­
  einschließt  und  neben  letzterem  den  Sitz
des  Farbstoffs,  der  Ruberythrinsäure,  bildet..
Zur  Herstellung  der  besten  Handelssorten  wird
daher  die  Oberhaut  mit  den  Saugwurzeln  durch
Dreschen  möglichst  entfernt  und  der  gereinigte
Rückstand  durch  Mühlsteine  oder  Stampfwerke
pulverisiert.  Diese  Ware  führt  den  Namen  beraubter ­
  K.,  im  Gegensatz  zu  dem  minderwertigen, ­
  mit  Oberhaut  und  Wurzelfasern  vermahlenen
  unberaubten  K.  Der  bei  Gewinnung  des.
ersteren  erhaltene  Abfall  wird  ebenfalls  pulverisiert ­
  und  liefert  den  Mullkrapp  (Mull,,
Körte,  Krappklein),  ein  braunes  Pulver,  das.
nur  zum  Braun-  und  Schwarzfärben  dient.  Zu
Färbereizwecken  wird  das  Krappulver  nur
selten  frisch  verbraucht,  sondern  meist  vorher
2—3  Jahre  in  Fässern,  fest  eingestampft,  aufbewahrt, ­
  wobei  sich  durch  eine  Gärung  das;
Färbevermögen  entwickelt.  Bei  noch  längerer
Aufbewahrung  nimmt  letzteres  wieder  ab  und
verschwindet  schließlich  vollständig.  Das  Färben ­
  mit  K.  erfolgt  in  gleicher  Weise  wie  mit
seinem  rein  dargestellten  Farbstoff,  dem  Alizarin,
  von  dem  es  sich  nur  durch  den  Gehalt  an.
Purpur  in  unterscheidet.  Man  hat  aber  zur  Erleichterung ­
  der  Färbung  eine  Reihe  von  Zubereitungen ­
  hergestellt,  welche  durch  Entfernung ­
  verunreinigender  Beimengungen  und  Umwandlung ­
  der  Ruberythrinsäure  reinere  und
intensivere  Töne  ergeben.  Garanzin  oder
Krappkohle  entsteht  bei  der  Behandlung  von.
K.  mit  heißer  konzentrierter  Schwefelsäure,  wobei ­
  die  meisten  organischen  Stoffe,  mit  Ausnahme ­
  des  Alizarins,  zerstört  werden  und  der
reine  Farbstoff  zurückbleibt.  Durch  ähnliche
Verarbeitung  teilweise  ausgebrauchter  Krappreste ­
  erhält  man  das  Garanceux,  durch  eine
Vergärung  des  mit  warmem  Wasser  angerührten ­
  K.  die  sog.  Krappblumen.
Kraterschlangen  (Choleramännchen)  nennt
man  einen  als  Kinderspielzeug  oder  „Scherzartikel“ ­
  verkauften  Gegenstand,  der  wegen  seiner
bedenklichen  Eigenschaften  mehrfach  die  Gerichte ­
  beschäftigt  hat.  Das  Spielzeug  besteht
aus  Tonfiguren  in  Form  von  Menschen  oder
Tieren,  in  deren  Leibesöffnungen  Patronen  aus
Rhodanquecksilber  eingeführt  werden,  die  sich
beim  Anzünden  wurstartig  aufblähen  (Pharaoschlangen).
  Da  hierbei  giftige  Dämpfe  von
Quecksilber,  schwefliger  Säure  und  Blausäure
entstehen,  ist  der  Verkauf  nach  §  12  des  Nahrungsmittelgesetzes ­
  strafbar.
Krauseminze  (lat.  Folia  seu  Plerba  menthae
crispae,  frz.  Feuille,  Herbe  de  menthe  cröpue,
engl.  Curled  mint  leaves),  das  bekannte,  zu  den
Lippenblütlern  gehörige  aromatische  Kraut,
das  in  Gärten  vorkommt  und  vielfach  auf  Feh
dem  angebaut  wird,  ist  durch  Züchtung  aus
wilden  Minzen,  entweder  der  Bachminzc
(Mentha  aquatica),  oder  der  Waldminze  (M--
            
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