Mangostin'
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Mannit
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eine orangegejbe Farbe und einen aromatischen
Geruch und Geschmack und bilden eine wert
volle Obstart der Tropen, haben aber bei uns
wegen ihres schwachen Terpentingeschmacks bis
jetzt nur wenig Anklang gefunden. Die Früchte
der zahlreichen Spie.aneu des Baumes werden
im Ursprungslande zur Herstellung von Alkohol
und von einem weinartigen Getränk benutzt.
Die Samen und die Fruchtschale müssen hierzu
entfernt werden, weil sie infolge etnes Gehaltes
an Mangostin (s. d.) bitter schmecken. Die
Rinde läßt freiwillig ein gelbes Harz, das
Mangostanharz, austreten und wird in Indien
als Heilmittel gegen Dysenterie benutzt.
Mangostin, der Bitterstoff der Mango-
stanen, wird durch Extraktion der zerk enter
ten Fruchtschalen mit heißem Alkohol gewonnen
und bildet gelbe, bei 173 0 schmelzende Kristall
blättchen.
Manilahanf (Abaca, frz. Chanvre de manille,
engl. Siam hemp) besteht aus den Fasern der
scheidenartigen Blattstiele mehrerer Arten Pi-
sang oder Banane (Musa), besonders des sog.
Affenpisang, der deshalb auch in der Botanik
als Musa textilis (Gewebepisang) aufgefühtt
wird. Die Pflanze ist auf mehreren indischen
Inseln, namentlich auf den Philippinen und Mo
lukken, heimisch und wird auf Luzon und einigen
anderen Inseln der ersteren Gruppe im großen
angebaut. Die abgehauenen Stämme weiden
nach Entfernung der Blätter frisch geschabt,
bis die Fasern Zurückbleiben, und letztere gleich
in zwei Sorten geschieden, nämlich stärkere von
den äußeren Teilen des Stammes, die zu Tauwerk
dienen, und schwächere aus den inneren Schich
ten, die zu feineren Arbeiten bestimmt sind.
Aus letzteren fertigen die Eingeborenen Kleider
stoffe. Die Faser hat den Vorzug außerordent
licher Zähigkeit, Dauer und Leichtigkeit und
übertrifft in dieser Hinsicht selbst Hanf bei
weitem. Manilataue und -seile kommen daher
im Seewesen immer mehr in Aufnahme, und ihre
Ausfuhr ist im beständigen Wachsen begriffen.
Die Fasern sind etwa 2 m lang, teils weiß,
teils bräunlichgelb, öfter noch zu schmalen Bast
streifen vereinigt und daher noch klar zu hecheln.
Die weißen, zu feineren Arbeiten tauglichen
Fasern bilden immer nur Vs—Vs der Masse, das
übrige ist Material für den Seiler. Aus den
•besten und glänzendsten Fasern fertigt man
Klingelzüge, Gürtel, Arbeitsbeutel und andere
geflochtene Gegenstände, Schnüre u. dgl.
Manna (lat. Manna, frz. Mannö, engl. Manna)
nennt man den an der Luft getrockneten Saft
der Mannaesche (Fraxinus Ornus), eines
Baumes, der 6—9 m Höhe erreicht und in ganz
Südeuropa vorkommt, aber als Wildbaum zur
Mannagewinnung nicht tauglich ist. Vielmehr
liefern nur einige Spielarten Manna, und es gibt
sonach keine Mannawälder, sondern nur Pflan
zungen. Am ausgedehntesten finden sich die letz
teren in einigen Gegenden Siziliens und auf der
Ostseite von Kalabrien, ferner im ehemaligen
Toskana, in Dalmatien und auf mehreren grie
chischen Inseln. Der Baum läßt seinen Zucker
saft aus dem Stamme teils freiwillig, teils durch
künstliche Einschnitte tropfenweise austreten.
Man beginnt mit der Gewinnung in der trocke
nen Jahreszeit, gewöhnlich Anfang Juli, indem
man die Schnitte zuerst nahe am Boden macht
und dann allmählich weiter nach oben vorrückt.
In den Spalt befestigt man einen Strohhalm oder
ein Blatt, worauf der Saft eintrocknet oder auf
Blätter abtropft, die am Fuße des Baumes in
einer dazu gemachten Grube ausgebreitet sind.
Die aus dem unteren Stammteil oder von älteren
Bäumen erhaltene Masse ist von geringerer
Güte als die von den oberen Teilen und von
jungen Bäumen. Zu einer guten Ernte gehört
anhaltend trockenes, helles Wetter, denn Nebel
und Regen machen die M. unbrauchbar, und es
genügt ein Tag starken Regens, um die ganze
Ernte zu vereiteln. Die Ware best ht, abgesehen
von der im Handel selten vorkommenden M.
in Tränen (M. in lacrymis', aus zwei äußerlich
verschiedenen Sorten, Röhrenmanna (M. ca-
nellata) und gemeine M. (M. gerace seu in sor
tis, häufig auch M. calabrina genannt, obschon
sie meistenteils aus Sizilien kommt). Die Röh
renmanna besteht aus langen flachen oder
rinnenförmigen, dünnen Stückchen von weiß
gelblicher Farbe, welche mürbe, brüchig, ziem
lich trocken und etwas durchscheinend sind
und einen rein süßen, schleimigen Geschmack
haben. Sie ist die von jungen Bäumen und aus
den höheren Stammteilen gesammelte Ware,
welche bei günstigem Wetter rasch auf Blättern
und Zweigen eingetrocknet ist, wird von diesen
abgenommen und nachgetrocknet. Die gemeine
M., die von alten Stämmen und in der Erd
nähe gewonnen und auch von Luftfeuchtigkeit
beeinflußt ist, besteht aus braunen, ziemlich
feuchten, helleren und härteren Klümpchen, die
von einer dunkleren, schmierigen Masse zu
sammengehalten werden und häufig Rinden
stückchen umschließen. — Die wichtigsten Be
standteile der M. sind Mannit, Glukose und
Schleim. Die Röhrenmanna schmeckt angenehm
süßlich, “während die gemeine M. etwas kratzend
und bitter schmeckt, beide wirken abführend.
— Mit dem Namen Manna belegt man auch
noch verschiedene andere getrocknete Säfte, die
keine Handelswaren sind und nur zum Teil
Mannit, zum Teil auch andere Zuckerarten ent
halten, z. B. Brianc,oner M„ von einer Art
Lärche (Larix decidua), spanische M. von Cistus
ladanifera, persische von Hedysarum Alhagi
und australische von Eucalyptus mannifera.
Mannagrütze (Schwaden, Schwadengrüt
ze). Diesen Namen tünren d.e Samen einer
Grasart, Glyceria flüitans (Mannaschwin
gel, Flutgras, Grashirse, H orischengras),.
welche in der Gegend von Königsberg, Danzig
und Elbing ähnlich wie Hirse zubereitet und
genossen werden. Das Gras wird nicht angebaut,
sondern wächst in den feuchten Niederungen
massenhaft wild. Die durch Ausschütteln auf
untergelegten Tüchern gesammelten Samen sind
noch kleiner als Hirse und haben, nach Ent
fernung der braunen Hülsen, eine hellgelbe, der
Hirse ähnliche Farbe.
Mannit (Mannazucker) ist eine im Pflanzen
reiche sehr verbreitete zuckerähnliche Verbin
dung, die jedoch in größerer Menge nur in der
Manna vorkommt (in den besten Sorten bis ztf
go°/o) und aus ihr durch Auskochen mit Alko
hol und nachfolgende Kristallisation dargestellt |
wird. Er erscheint dann in weißen, geruchlosen \