Mistel
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Mohair
(Espelbaum, Hespelstrauch, Mispeltute, Mes-
pilus germanica L.), eine selten angebaute
Obstart, die erst im teigigen Zustand (nach Frost
oder durch Lagern auf Stroh) ihren eigenartigen
Geschmack entwickeln, werden frisch, gekocht
und eingemacht genossen und auch zu Brannt
wein und Most verarbeitet. Auch liefert der
Baum ein geschätztes Nutzholz. Man baut meh
rere Sorten: deutsche, halbwilde mit kleinen
Früchten, großfrüchtige italienische und hollän
dische frühzeitige, ferner Birnmispeln, groß-
blütige M. und M. ohne Steine. Als welsche
Mispeln (Lazzeroli, Azaroli) werden die
ähnlichen Früchte des Azarol-Weißdorns Mes-
pilus Azarolus in den Handel gebracht.
Mistel ist die volkstümliche Bezeichnung zweier
schmarotzender Loranthazeen, nämlich Loran-
thus europaeus oder Viscum quercinum
(Eichen- oder Riemenmistel) und Viscum
album (Leimmistel, frz. Gui, engl. Mistletoe),
die gabelästige Zweige und immergrüne ledrige
Blätter besitzen. Die Zweige der Riemenmistel
(Stipites visci) wurden früher gegen Epilepsie
angewandt, sind aber jetzt außer Gebrauch. Dafür
hat die Verwendung der Leimmistel neuerdings sehr
an Bedeutung gewonnen, indem man aus ihrer
Rinde und den weißen Beeren, durch Auskochen
mit Wasser einen Vogel- oder Fliegenleim her-
stellt, der früher ausschließlich von Japan aus
eingeführt wurde. Dieser Leim enthält als wirk
samen Bestandteil das kautschukähnliche Vis-
zin und ist so zähe, daß er nur im Gemisch mit
Öl und Harz zur Füllung von Fliegenfängern
benutzt werden kann. — Eine aus Viszin mit,
Ölen, Harzen und Wachs hergestellte Salben
grundlage wurde unter dem Namen Viscolan
in den Handel gebracht.
Mitin, eine aus Wollfett und Milch hergestellte
Emulsion mit einem Feuchtigkeitsgehalte von
etwa 50 %, findet neuerdings zur Herstellung
von medizinischen und kosmetischen Salben
Anwendung.
Mitisgrün (Wienergrün, Neugrün), eine
schöne grüne Farbe für öl- und Wassermalerei,
>st wie das gleichartig zusammengesetzte Schwein-
furtergrün arsenik- und kupferhaltig und daher
stark giftig.
Mixed Pickles (auch bloß Pickles) nennt
tcan ein als scharfe Zuspeise benutztes Gemenge
•tus verschiedenen Früchten und Gemüseteilen,
me mit spanischem Pfeffer und anderen Ge-
w ürzen in starken Essig eingelegt sind. Als Zu
taten dienen besonders kleine Gurken und Zwie
beln, grüne Bohnen, junge Maiskolben, Blumen-
"°hl,u. dgl. Zur Erlangung einer intensiv grünen
Earbe werden sie meist mit .Kupfersalzen ge
erbt, die nach dem Farbengesetz vom 5. Juli
•887 zwar verboten sind, in geringer Menge
aber geduldet werden.
Möhren (Mohrrüben), dieWurzeln vonDau-
Cu s carota, einer zu den Doldengewächsen
gehörenden Pflanze; werden in folgende Sorten
unterschieden: Gemeine M. oder Karotte
)Esels-, Garten-, Gelbmöhre, gelbe Rübe, Mörle,
Maure, Müre, Mürfen, Vogelnest, frz. Carotte
commune, engl. Common carrot); weiße, grün-
Kopfige bis 4 kg schwere Riesenmöhren;
laßgelbe, bes. flandrische M.; lange rote
rote lange grünköpfige (Altringham,
Saalfelder, Frankfurter, Braunschweiger) M. und
französische (holländische, Hornsche, Du-
wicker) Treibkarotte. Die Aussaat erfolgt früh
zeitig in gutes Ackerfeld, Gartenland oder Treib
beete, und zwar rechnet man für den Hektar
S—7 kg Saatgut, das in 1 kg etwa 250000 Samen
enthält. Hauptsaatzuchtgut wird in Erfurt, Qued
linburg, Braunschweig, Wolfenbüttel, Prag und
Frankreich mit einem Ertrage von 1 kg Samen
aus too kg Samenwurzeln erzeugt. Als frisches
Gemüse benutzt man die jungen, dünnen und
zarten M., zur Überwinterung gut ausgewachsene,
dicke und lange Wurzeln, die im Keller in Spitz
haufen aufgeschichtet oder in Sand gebettet
werden. Die M. dienen außer zur menschlichen
Ernährung noch zur Fütterung (besonders für
Pferde), zur Bereitung von Möhrensaft, Möhren
essig, Möhrenbranntwein, Kaffee-Ersatz (Möh
renkaffee), Bonbons und Kuchen sowie zum
Färben der Butter. Sie enthalten bis 2 °/o Zucker,
ferner Karotin und Cholesterin.
Möhrenöl. Sowohl die Samen als auch die
Wurzeln der Möhre liefern bei der Wasserdampf
destillation ein ätherisches öl. Das Möhren-
samenöl, richtiger Möhrenfruchtöl, das in Menge
von 0,8—i,6°/o in den Früchten enthalten ist, hat
eine rein wasserhelle bis gelbe Farbe, eine Links
drehung von —11 bis —37 0 und ein spez. Gew.
von 0,870—0,944 bei 15 0 . In absolutem Alkohol.
Äther und Benzol ist es leicht löslich. Die schwach
saure Reaktion beruht auf der Gegenwart von
freier Palmitin- und Isobuttersäure. Der Gehalt
an Estern betrug bei einem Öl 7—9%. Als
Terpene wurden d-Pinen und 1-Limonen nach
gewiesen. Durch Fraktionieren im luftverdünn
ten Raum konnte aus den höhersiedenden An
teilen ein bisher unbekannter Körper Daucol,
C 15 H 26 0 2 , abgeschieden werden. Das ätherische
Öl der Wurzel hat den angenehmen eigenartigen
Geruch der Möhre und das spez. Gew. 0,886.
Verwandt wird M. als Speisezusatz und in der
Likörfabrikation.
Mönchsrhabarber (Pseudorhabarber, lat.
Radix rhei monachorum, frz. Racine de patience,
engl. Rumex root), die dunkelbraune widerlich
riechende Wurzel des Alpenampfers, Rumex
alpinus, wurde früher in Gebirgsgegenden für
den Handel angebaut und in der Tierheilkunde
angewandt, ist aber jetzt ganz außer Gebrauch
gekommen.
Mogdadkaffee nennt man , die Samen einer
akazienartigen Pflanze, Cassia occidenta-
lis, die auf Hawai (Sandwiohinseln), Tahiti, den
Samoainseln und in dem südlichen Teil der Ver
einigten Staaten wild wächst und auf Tongataba
angebaut wird. Die kleinen Samen, die sehr
hart sind und eine grünlichgraue Farbe zeigen,
wirken roh abführend, werden aber von den Ein
geborenen als Kaffee-Ersatz benutzt, trotzdem
sie kein Koffein enthalten; Sie heißen in Indien
Kasondi, in Bombay speziell Kibal, in Marti
nique Negrokaffee, am Senegal Benta Mar6,
in Angola Fedegoza, in Brasilien Gaja Ma-
rioba, in Birma Kalan,
Mohair ist die englische Bezeichnung für
Angorawolle, aber auch die ganz oder
teilweise aus Angorawolle gewebten Stoffe füh
ren häufig den Namen Mohairs, obschon ein
wesentlicher Unterschied zwischen ihnen und