2 ms
Antichlor
26
Antimonbutter
medikamentösen Behandlung von Schleimhäuten
der Harnröhre, der Nase, des Uterus usw. aus
gedehnte Anwendung finden. Die wirksame
Substanz wird im Gemisch mit Gelatine als Über
zug auf den A. angebracht.
Antichlor. Mit diesem Namen belegt man
solche Salze, welche zur Entfernung der letzten
Anteile Chlor dienen, die in den der Chlor
bleiche unterworfenen Geweben hartnäckig zu
rückgehalten werden und deren Haltbarkeit be
einträchtigen können. Als A. benutzt man ent
weder unterschwefligsaures Natron oder
neutrales schwefligsaures sowie auch sau
res schwefligsaures Natron. Die beiden
letztgenannten Salze haben vor dem ersteren
den Vorteil, daß sie bei der Zersetzung durch
Chlor keinen Schwefel äbscheiden, der sich
leicht in dem Gewebe festsetzt, sind dagegen
weniger haltbar sowie auch weniger ausgiebig.
Neuerdings hat man auch das salpetrigsaure
Natron als A. empfohlen, welches dem unter
schwefligsauren Natron in seiner Wirksamkeit
wenig nachsteht, ferner Wasserstoffsuperoxyd
und Ammoniak.
Anfifex, ein Mittel, welches angeblich die Halt
barkeit der Glühstrümpfe erhöhen soll, wirkt
nach der Untersuchung der Gasanstalt Biele
feld im Gegenteil ungünstig auf die Haltbarkeit
und verringert auch die Leuchtkraft. Auf Grund
der chemischen Analyse, welche als Bestandteil
Silikate des Natriums, Magnesiums, Kalziums
neben geringen Mengen Blei, Aluminium und
Eisen ergab, ist das Mittel jedenfalls als fein
gepulvertes Glas anzusprechen.
Anfifebrin, Azctanilid, Phenylazetamid,
C e H 6 . NH . CO . CH 3 , ein weißes geruchloses Kri
stallpulver (Blättchen) von schwach brennendem
Geschmack, fast unlöslich in kaltem Wasser,
leicht löslich in Alkohol, Äther und Chloroform,
schmilzt bei 113 0 , siedet bei 304 0 und reagiert
neutral. Es wird dargestellt durch Kochen von
Anilin mit Eisessig, Abdestillieren und Umkri
stallisieren aus siedendem Wasser. Anwendung
als Fiebermittel, Vorsichtig aufzubewahren!
Antifloral, ein gegen Erkrankung der Schleim
häute, weißen Fluß usw. angepriesenes Geheim
mittei, besteht aus einem Gemisch von Karbol
säure mit 4 x /2°/o Wasserstoffsuperoxyd.
Antiformin, eine konz. alkoholische Lösung
von Natriumhypochlorit (s.Eau dejavelle) wird
als bakterienauflösendes Desinfektionsmittel
empfohlen.
Anlihydropin, der in kristallinischer P’orm ab
geschiedene wirksame Bestandteil der Küchen
schabe (Blatta orientalis), wird wie diese
gegen Wassersucht verordnet.
Änlikaustikum, ein zur Entfernung der Buch
druckerschwärze von den Lettern benutztes,
stark konzentriertes Natronwasserglas.
Antimerulion. Gegen Hausschwamm benutztes
Präparat aus Wasserglas, Borsäure und Koch
salz.
Antimon, Sb - 119,9 (Spießglanzmetall,
lat. Stibium, Antimonium, frz. Antimoine, engl.
Antimony), findet sich in der Natur nur sehr
selten als gediegenes Metall, ziemlich häufig
hingegen, an Schwefel oder Sauerstoff gebunden,
in Form von Erzen. Das wichtigste Antimonerz,
der Grauspießglanz (Antimonglanz, Anti-
monit), in chemischer Hinsicht Anlimontrisulfid,
Sb 2 S 3 , bildet strahligkristallinische Massen von
starkem, bläulichgrauem Metallglanz, welche
hauptsächlich von China, Australien, Zeylon und
Kanada über England in den Handel kommen.
Geringere Mengen finden sich in Böhmen, Kärn
ten, Frankreich und Spanien sowie im Harz
und bei Freiberg und Roßwein im Erzgebirge.
Das völlig arsenfreie Mineral von Liptau und
Rosenau in Ungarn sowie von Schleiz wird für
medizinische Zwecke benutzt. Die reinsten Vor
kommnisse des Schwefelantimons bilden im ge
mahlenen Zustande an sich einen Handelsartikel.
Aus unreinerem Material saigert man die leicht
schmelzbare Verbindung zunächst aus und läßt
die abfließende Erzmasse in Schüsseln zu brot-
formigen Stücken erstarren, die das Antimo
nium erüdum oder Stibium sulfuratum der
Drogisten bilden. Zur Gewinnung des metalli
schen Antimons wird das Mineral unter Zusatz
alkalischer Flußmittel mit Eisenabfällen ge
schmolzen, wobei der Schwefel an das Eisen
geht und das A. sich am Boden des Schmelz
tiegels ansammelt. Noch vorteilhafter scheint
eine neuere elektrolytische Methode zu sein.
Aus der Sauerstoffverbindung des A., welche
als Senarmontit von Borneo und Algier nach
England und Frankreich verschifft wird, erhält
man das Metall durch Reduktion mit Soda und
Kohle. Das nach einem oder dem anderen Ver
fahren gewonnene Rohantimon kommt als Re
gulus Antimonii oder Regulus schlechthin
in den Verkehr und wird zur Herstellung von
Letternmetall, Britannia, sowie, mit Kupfer legiert,
zu Achsenlagern von Lokomotiven und Dampf
maschinen benutzt. Für medizinische Zwecke
muß das A. noch weiter gereinigt und von den
geringen Beimengungen von Arsen, Eisen und
Blei befreit werden. — Das reine A. ist ein bläu
lichweiß glänzendes, blättrig-kristallinisches Me
tall, welches sich wegen seiner Sprödigkeit pul
verisieren läßt. Das Atomgewicht beträgt 119,9,
das spez. Gew. 6,71—6,72. An der Luft hält es
sich unverändert blank, schmilzt bei 430 0 und
verdampft bei lebhafter Rotglut unter teilweiser
Oxydation. Von Salzsäure und Schwefelsäure
wird A. nicht angegriffen, Salpetersäure oxy
diert es zu weißem Antimonoxyd, und Königs
wasser löst es glatt aut.
Anlimonbutter (lat. Butyrum Antimonii, frz.
Beurre d’antimoine) ist der Handelsname des
trocknen Antimonchlorids (Antimontri-
chlorid, Stibium chloratum), Sb Cl 3 , welches
durch Auflösen von Grauspießglanz in Salzsäure,
Verdampfen und nachfolgende Destillation oder
geradezu durch Destillation von Antimon mit
Quecksilberchlorid in Form einer weißen kristal
linischen, an der Luft rauchenden Masse von
butterähnlicher Konsistenz erhalten wird. Die nicht
destillierte Lösung des Antimonglanzes in Salz
säure führt die Bezeichnung flüssige A. (flüssige
Spießglanzbutter, lat.LiquorStibiichlorati
oder muriatici, frz. Chlorure antimonieux li
quide, engl. Solution of Antimonious Chloride)
und bildet eine, gewöhnlich durch etwas Eiseri
gelblich gefärbte, ätzende, giftig wirkende
Flüssigkeit, welche beim Verdünnen mit viel
Wasser einen weißen Niederschlag von An-
t imonoxy c hlor iir (Algarotpulver) ab-