Silber
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Silber
glanz (Süberkupfersulfid), Rotgültigerz und
Schwarzgültigerz (Arsen- oder Antimonsulfid
mit Silbersulfid) die größte Bedeutung, doch wer
den auch die überaus geringen Spuren S., die
sich in Blei- und Kupfererzen regelmäßig finden,
hüttenmännisch gewonnen. Während im Alter
tum die Mittelmeerländer, besonders Spanien,
die reichsten Silberlager hatten, steht jetzt Ame
rika mit den Anden an der Spitze der Ge
winnung, und zwar zunächst Kalifornien, dann
Mexiko Und Bolivia. In zweiter Linie folgen
Australien, der Ural und Deutschland. Je nach
Beschaffenheit der Erze und örtlichen Umstän
den schlägt man,zum Ausbringen des Metalls
verschiedene Wege ein. Das direkte Ausbringen
ist nur bei besonders reichen Erzen möglich,
während in den meisten Fällen eine Anreiche
rung vorhergehen muß. Die silberhaltigen Erze
werden entweder mit Bleierzen gemischt auf
Metall verarbeitet, oder bei etwas größerem
Silbergehalt (mehr als io °/o) mit Blei geschmol
zen. Das erhaltene Werkblei wird durch die
Treibarbeit mit einem Feuerluftstrom von
neuem geschmolzen, bis alles Blei zu Glätte
oxydiert ist und abfließt und nur das Silber
als ein kleiner Rückstand auf dem Treibherde
verbleibt. Auf Kupferhütten schmilzt man das
Schwarzkupfer ebenfalls mit Blei, gießt aus der
Legierung Scheiben und setzt diese einer Er
hitzung zwischen glühenden Kohlen aus, worauf
das nun durch „Ausseigern“ gewonnene, ab
fließende silberhaltige Blei durch Treibarbeit
vom Silber befreit wird. Bei sehr geringem
Silbergehalt des Werkbleies ist ein direktes Aus
bringen durch Treibarbeit nicht möglich, viel
mehr bedient man sich hier des sog. Pattin-
sonierens. Dieses Verfahren beruht auf der
Beobachtung des Engländers Pattinson, daß sich
beim Abkühlen einer silberhaltigen Bleischmelze
merst Kristalle von reinem Blei ausscheiden.
Diese werden mit siebartigen Schaufeln ab
geschöpft und der zuletzt auskristallisierende
silberreichere Rückstand der Treibarbeit, unter
worfen. Zur Umgehung des Abtreibens schmilzt
man das pattinsonierte Metallgemisch nach dem
Vorschläge von Parkes jetzt meist mit Zink
zusammen. Das Zink nimmt das ganze Silber
auf und schwimmt mit diesem auf der Oberfläche
des Bleies, mit dem es keine Legierung eipgeht,
Und kann dann aus den abgehobenen Zink
scheiben durch einfache Destillation entfernt
Werden. Von den nassen Verfahren wurde die
A-malgamation schon vor dreihundert Jahren
angewandt. Man mischt die fein gemahlenen Erze
mit Seesalz oder röstet sie mit diesem, reduziert
das entstandene Chlorsilber mit Eisenspänen,
mctrahiert das metallische S. mit Quecksilber
Und destilliert letzteres ab. Nach dem neuesten
Verfahren endlich wird das mit Kochsalz ge
astete Erz mit konzentrierten Lösungen von
Kochsalz oder Natriumthiosulfat behandelt, die
mhaltene Lösung mit Schwefelnatrium gefällt,
Und das entstehende Schwefelsilber durch Glühen
Uut Ätzkalk und Kohle zu metallischem Silber
Reduziert. Das nach dem einen oder anderen
Verfahren dargestellte Werksilber enthält noch
Seringe Mengen fremder Metalle, deren Ent
fernung durch das Feinbrennen, ein Um-
Sc hmelzen mit Gebläseluft auf einem mulden-
Uercks Warenlexikon.
förmigen Herde mit einer Sohle von Knochen
asche oder Mergel, erfolgt. Die Verunreini
gungen werden hierdurch oxydiert und ver
schlackt, während Feinsilber mit etwa 0,250/0
Fremdmetallen zurückbleibt. Chemisch reines
S, erhält man durch Auflösen in Salpetersäure,
Fällen mit Salzsäure oder Kochsalz und Re
duktion des Chlorsilbers mit Eisen oder Zink
oder durch Schmelzen mit Soda. Das reine S.,
Ag = 107,93, ist schön weiß, härter als Gold,
aber weicher als Kupfer. Sein spez. Gew. beträgt
im gegossenen Zustande 10,470, nach dem Häm
mern 10,510. Es ist ein vortrefflicher Leiter für
Wärme und Elektrizität und kann infolge seiner
hohen, dem Golde nahekommenden Dehnbar
keit zu Drähten und Blechen verarbeitet werden.
Bei 960° schmilzt S. und destilliert bei der Tem
peratur des Knallgasgebläses in Form eines grün
lichblauen Dampfes. Gegen reine, auch feuchte
Luft ist das Metall außerordentlich widerstands
fähig, überzieht sich aber bei der Einwirkung
von Schwefelwasserstoff und anderen Schwefel
verbindungen (Eier) mit einer braunen bis
schwarzen Schicht. Diese Eigenschaft wird zur
Erzeugung schwarzgrauer Silberwaren benutzt,
die man fälschlich oxydiertes S. nennt. —
Im Handel erscheint das Feinsilber verschiedener
Reinheitsgrade gewöhnlich in Form von ge
gossenen Barren und Platten (Planschen), ameri
kanisches außerdem in Form von abgestumpften
Kegeln, Pyramiden, Kuchen und Scheiben. Die
Stücke sind meist gestempelt und mit Angaben
des Ursprungs, Gewichts und Gehalts versehen,
die aber bei fremder Ware nicht immer zuver
lässig sind und nachgeprüft werden müssen. —
Für die Zwecke der praktischen Verwendung
zu Münzen, Schmucksachen, Hausgeräten wird
das S. meist mit Kupfer legiert, weil es für
sich zu weich und daher der Abnutzung zu
sehr unterworfen ist. Legierungen mit höch
stens 10 0/0 Kupfer zeigen noch die rein weiße
Silberfarbe bei erhöhter Politurfähigkeit und
Härte. Als Werteinheit für S. und Gold galt bis
in die sechziger Jahre die kölnische Mark zu
16 Lot, so daß z. B. eine Legierung aus 13 Teilen
S, und 3 Teilen Kupfer islötig, reines S. lölötig
sein würde. Jetzt bezeichnet man unter Zu
grundelegung des Kilogramms den Feingehalt in
Tausendsteln. Ein izlötiges S. hat also den Fein
heitsgrad 750. Die Silbermünzen Deutschlands
und vieler anderer Länder haben einen Fein
gehalt von 900, Gerätschaften und Schmuck
sachen vielfach einen solchen von 750. Zur Ver
arbeitung auf Silberwaren wird das Metall in
Stäbe oder Zaine und Platten gegossen, aus
denen Schüsseln, Teller, Löffel direkt durch
kaltes. Hämmern hergestellt werden, oder man
formt sie auch aus gewalztem Blech. Zum
Löten dient das Silberlot, eine Legierung von
S. mit Kupfer oder Messing. Häufig wird das
'S. auch in dünner Schicht als Überzug anderer
Stoffe angebracht. Nur ausnahmsweise geschieht
diese Versilberung noch im Feuer mit Plilfe
des Quecksilbers, meist aber auf galvanischem
Wege durch Zersetzung von Silberlösungen. Als
Silberbäder benutzt man Auflösungen von
frisch gefälltem Chlorsilber oder Silbersulfat in
Zyankalium. Kupfer, Bronze, Tombak, Messing,
Neusilber, Roh- und Stabeisen lassen sich direkt.
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