Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

■ 
liehen, langsam bindenden, der etwa VzStunde 
gebraucht, und schnell bindend eil Z. Bis 
zum völligen Abbinden muß die Masse unter 
Wasser bleiben. Der Versand erfolgt in mög 
lichst dichten Fässern, da das Pulver an feuchter 
Luft rasch verdirbt. 
Zephyrgarne nennt man die vielfädigen, locker 
gezwirnten, weichen Kammgarne, die, in allen 
gangbaren Farben gefärbt, zur Wollstickerei (Ta 
pisserie) häufige Verwendung finden. Die sächsi 
schen Kammgarnspinnereien liefern größtenteils 
Mas Garn, das hauptsächlich in Berlin, Leipzig, 
Hamburg, Altona und anderen Orten gefärbt 
wird. 
Zerate (von Cera, Wachs) ist die pharmazeu 
tische Bezeichnung fürWachspflaster oderWachs- 
pomaden. Sie werden durch Zusammenschmelzen 
von Wachs, Fetten, Ölen und Harzen in solcher 
Konsistenz erhalten, daß sie bei gewöhnlicher 
Temperatur starr sind, aber schon durch die 
Handwärme salbenähnlich erweichen. 
Zerberaöl, das Öl der Früchte von Gerbera 
Odollam, einer ostindischen Pflanze, findet als 
Fischgift Anwendung. 
Zerium, ein vierwertiges metallisches Element 
vom Atomgewicht 139—139.5, das sich in ver 
schiedenen seltenen Mineralien, dem Zerit, Ga- 
dolinit, Orthit und vor allem im Monazit 
vorfindet. Von den Verbindungen des Z., welche 
meist als Abfälle bei der Gewinnung des Tho 
riums aus Monazitsand erlangt werden, besitzen 
das Oxalat, das Nitrat und Sulfat gewisse Be 
deutung. Zerooxalat wird bisweilen bei Magen- 
und Darmkatarrh angewandt, Zeronitrat findet 
sich in Menge von 1 °/o in der zum Imprägnieren 
von Glühstrümpfen (s. d.) benutzten Thoriumsalz 
lösung, und Zerosulfat ist als Bestandteil pho 
tographischer Blitzlichtpulver aufgefunden worden. 
Zerolin, ein gegen Verstopfung und Haut 
ausschläge verordnetes Medikament aus Hefen- 
Fett. 
Zibeben nennt man eine besondere Sorte von 
großen Rosinen, die jedoch nicht von dem ge 
wöhnlichen Weinstocke, sondern von Vitis 
Rumphii abstammen, und sich durch ihre läng 
lichovale Form von den gewöhnlichen Rosinen 
unterscheiden. Vgl. ferner Rosinen. 
Zibet (lat. Zibethum, frz. Civette, engl. Civet) 
ist eine fettartige, stark nach Moschus riechende 
Ausscheidung mehrerer Arten von Zibetkat 
zen, nächtlich schleichender Raubtiere, die durch 
ihren Körperbau, eine streifige Zeichnung und 
besonders den dicht behaarten langen Schwanz 
eine gewisse Ähnlichkeit mit wilden Katzen haben, 
sich aber durch die abweichende Kopfform und 
die vorgestreckte windhundartige Schnauze von 
ihnen unterscheiden. Von den beiden, hauptsäch 
lich in Betracht kommenden Arten wird die afri 
kanische Zibetkatze (Viverra Civetta), die 
in Ober- und Niederguinea heimisch sein soll, seit 
alten Zeiten in Abessinien, Nubien, Ägypten und 
der Euphratebene als Haustier gehalten, ebenso 
die asiatische (Viverra Zibetha) in Ostindien. 
Das salbenartige, gelbliche oder bräunliche Se 
kret wird in einem besonderen Beutel unter dem 
After erzeugt und von den wild lebenden Tieren 
zeitweilig ausgeworfen. Die Handelsware wird 
aber nur von gefangenen Tieren durch wöchent 
liches Ausdrücken der Beutel gewonnen und in 
Zinn- oder Blechbüchsen, afrikanisches Z. auch in 
Büffelhörnern, versandt. Als beste Sorte gilt 
das Z. von Buco, einer der Molukken, dann folgt 
dasjenige von Java, Bengalen und zuletzt das 
afrikanische. Z. findet in der Medizin keine An 
wendung mehr, sondern dient lediglich als Köder 
für Fische und Raubzeug sowie als Zusatz zu 
Parfüms. Als künstlicherZibet findet sich im 
Handel eine Mischung von Muskatöl (100), Peru 
balsam (30) und Walrat (40), die mit je zwei Teilen 
Nelken-, Zimt- und Sassafrasöl, künstlichem Mo 
schus, Ambra und Ammoniak versetzt ist. 
Zichorie (Cichorie, wilde Z., gemeine 
Wegwarte, Feldz., Handleuchte, Hindei, 
Hindlüfte, Hindsläufer, Schweinebrunst, 
Sonnenbrand, Sonnenwende, Sonnenwir 
bel, Wartekraut, Wasserwart, Wegweiß, 
Wegläufer, Weglug, Weglungen, Weg 
wurz, Wendel, frz. Chicorde amöre, commune, 
sauvage, engl. Intybus chicory, Wild chicory und 
Succory). Die Z., Cichorium Intybus L., ist 
eine ausdauernde Komposite, die in ganz Eu 
ropa häufig an Wegen und Rainen wild wächst, 
aber auch vielfach als Futterpflanze und wegen 
der Wurzeln angebaut wird. Die unteren Blätter 
des sperrigästigen Krautes sind gestielt und fieder- 
spakig, die oberen lanzettlich und sitzend, die 
Blütenköpfe, die sich erst im zweiten Jahre ent 
wickeln, traubig und die Blumenkronen blau, 
selten rötlich oder weiß. Die Wurzel der wild 
wachsenden Pflanze ist zylindrisch, einfach, 
15—30 cm lang und 6—8 mm stark, außen braun 
und der Länge nach runzelig. Die 1 mm dicke, 
weiße schwammige Rinde erscheint strahlenför 
mig von dunkleren Streifen durchzogen, welche 
die kennzeichnenden Milchsaftschläuche ent 
halten, und zeigt außerdem noch Siebröhren. Die 
Gefäße des Holzes bestehen aus kurzen, quer 
getüpfelten Gliedern. Die Wurzel der angebau 
ten Pflanze ist sehr fleischig, 5cm dick, bis 70cm 
lang und treibt gegen die Spitze einfache, gerade, 
7 ; —17 mm dicke Äste von schmutzig weißer Farbe 
und deutlicher Querstreifung. Die Rinde ist 6 bis 
10 mm dick. Beide Wurzelarten milchen, wenn 
man sie im frischen Zustande anschneidet, sclhmek- 
ken bitter und enthalten keine Stärke, sondern 
Inulin. In England dient die Z. als Weide,pflanze 
für Masthammel, in Griechenland ißt man die 
Blätter als Gemüse oder Salat. Als Viehfutter 
ist die Z. besonders gegen Hautkrankheiten wirk 
sam, darf aber den Kühen nur in kleinen Gaben 
gereicht werden, da sie der Milch und der Butter 
einen bitteren Geschmack verleiht. In großem 
Maßstabe wird die Wurzel als Kaffee-Ersatz 
(Zichorienkaffee) verwandt. — Der Zichorien 
kaff eejfrz. Cafd de chicorde, Chicorde engrains, 
Mignonette, engl. Chicory powder, Succory pow- 
der) ist der älteste, im großen dargestellte Kaffee- 
Ersatz, der hauptsächlich zur Zeit der Kontinen 
talsperre aufkam. Früher ein Geheimnis der 
Holländer, hat sich die Erzeugung später beson 
ders in Deutschland und Frankreich zu einer 
schwungvollen Industrie entwickelt. Obschon in 
neuerer Zeit der Zichorie von anderen Ersatz 
mitteln starker Wettbewerb gemacht worden ist, 
steht sie doch noch an der Spitze aller und wird 
in so ausgedehntem Maße angewandt, daß der 
Bedarf durch die wild wachsende Pflanze nicht 
gedeckt werden kann. Der Anbau in Deutsch 
st. 
% 
■
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.