Borazit
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Borsäure
Borazit, ein im Staßfurter Abraumsalze (s. d.) I
vorkommendes Doppelsalz von Chlormagnesium
und Magnesiumborat, dient zur Darstellung von
Borsäure. Der kristallisierte Borazit hat die
Zusammensetzung 2Mg 3 B 8 0 15 -|- MgCl ä .
Bordeaux, ein zur Gruppe der Azofarbstoffe
gehöriger roter Teerfarbstoff, der durch Ein
wirkung von Betanaphtoldisulfosäure auf Di-
azonaphtylamin erhalten wird, findet sich in
zwei Arten, Bordeaux G und R. Die erstere
besteht aus alphanaphtalinazobetanaph-
tol-B-disulfosaurem Natron, die andere
aus demselben Salz der betreffenden A-disulfo-
säure. Man erhält beide als dunkelrote Pulver,
die in Wasser mit tiefroter Farbe, G etwas ins
Gelbliche ziehend, R zum Violett neigend, lös
lich sind. Die Lösungen werden durch schwä
chere Säuren nicht verändert. B. wird zum Fär
ben von Wolle, zuweilen auch als Weinfarbe
benutzt. Als Bordeaux G wird auch ein Dis
azofarbstoff aus Amidoazotoluolsulfosäure und
Naphtolsulfosäure bezeichnet.
Bordeauxweine, Weine aus dem westlichen
Frankreich, namentlich aus der Umgegend von
Bordeaux, gehören zu den bekanntesten und be
liebtesten französischen roten Weinen, während
weiße weniger gebaut werden. Infolge der Ver
wüstungen durch die Reblaus ist die Produktion
dieser Weine sehr zurückgegangen, so daß man sie
nur noch selten echt bekommt, besonders seit
dem große Mengen griechischen und italieni
schen Weines zum Verschnitt eingeführt werden.
Bie feinsten roten Sorten der B. sind: Latour,
Lafitte, Larose, Chäteau Margaux und
Chateau Leoville, dann folgen Rauzan,
Beychevelle, d’Yssau, Lascombe, St. Ju
lien, Palmer Margaux, Chäteau Ponjeaux,
Cantenac, St.Emilion, St.Estbphe, Pouil-
la-c, Pontet-Canet, Medoc, Listrac und
andere. Geringwertigere heißen Demimarque-
Weine. Von weißem B. sind zu erwähnen:
Baut-Sauterne,Barsac,Preignac,Serons,
Braves und Hautes Gaiilac. — Man bezieht
meist auf dem Seewege über Hamburg in
Fässern.
Bordelaiser Brühe, das wichtigste Mittel zur
Bekämpfung der Reblaus, wird durch Ver
aschung von Kupfervitriollösung mit gelösch-
te m Kalk hergestellt.
Boretsch (lat. Herba boraginis, frz. Feuilles
de borage, engl. Borage-leaves), die eirunden,
jjauhhaarigen, grauen Blätter von Borago of-
inalis, werden selten in der Medizin, haupt-
s achlich in der Küche verwendet.
Borneol (Borny lalkohol, Borneokamp-
er , Kamphol), eine Kampferart, die von dem
duf Borneo und Sumatra heimischen Baume
r yobalanops Camphora, neuerdings aber
juch künstlich durch Reduktion von Laurineen-
«ampfer und aus Terpentinöl gewonnen wird,
1 weiße Kristalle von kampferartigem Ge-
dch, die bei 203 0 schmelzen, bei 212 0 sieden
n d zu Parfümeriezwecken Anwendung finden.
st^? rneo,a . zetat (Bornylazetat), der Riech-
°tf der Fichtennadelöle, kann künstlich durch
ehandlung von Borneol mit Eisessig dargestellt
lö r 6tl a * s e ' n farbloses, in Alkohol und Äther
osüches Kristallpulver vom Schmelzpunkte 29 0 ,
das zur Darstellung von künstlichem Fichten
nadelöl benutzt wird.
Borny val, eine nach Baldrian riechende, wasser
helle Flüssigkeit, der Isovaleriansäureester des
Borneols, dient als Ersatz für Baldrianwurzel
zu medizinischen Zwecken.
Borol, ein neues Antiseptikum und Konser
vierungsmittel, welches durch Zusammenschmel
zen von Borsäure mit Natriumbisulfat erhalten
wird, farblose, glasige Stücke, welche sich in
5 Teilen Wasser zu einer sauer schmeckenden
Flüssigkeit lösen.
Borsäure (Boraxsäure, Bortrioxyd, Se
dativsalz, lat. Acidum boricum, Sal Sedativum,
frz. Acide borique, engl. Boracic acid), eine
Sauerstoff säure des Bors, kommt in der Natur
sowohl in freiem Zustande als auch in der Form
ihrer Salze, jedoch nur spärlich verbreitet, vor.
In freiem Zustande findet sie sich als triklines,
meist in kleinen Schüppchen oder in fasriger
Form auftretendes Mineral (Sassolin), welches
sich besonders an Kraterwänden, z. B. auf der
Insel Volcano, zeigt, sowie in den Dämpfen
(Suffionen), welche aus natürlichen Klüften
oder künstlichen Bohrlöchern des toskanischen
Kalkgebirges aufsteigen. Man gewinnt sie, in
dem man die Dämpfe in mit Wasser gefüllte
Bassins leitet und die zunächst erhaltene, sehr
unreine B. durch Umkristallisieren reinigt. In
der Form ihrer Salze kommt die Borsäure in
Verbindung mit verschiedenen Basen vor, be
sonders mit Natrium (Borax, Tinkal), mitNa-
trium und Kalk (Boronatrokalzit) und mit
Magnesia (Borazit, Staßfurtit). Aus Boro
natrokalzit wird im großen durch Zersetzen mit
roher Salpetersäure unreine Borsäure gewonnen.
Chemisch reine Borsäure wird aus reinem Borax
hergestellt. Die gewöhnliche im Handel vor
kommende Säure ist eine normale, dreibasische
Sauerstoffsäure Ortho-B., , H 8 B0 3 , und wird
daher auch als Borsäurehydrat bezeichnet. Beim
Erhitzen der trockenen Substanz bildet sich zu
nächst bei ioo° unterWasseraustritt Metabor
säure, HBO s , dann bei 140—160 0 Tetra- oder
Pyroborsäure, H 2 B 4 0 7 , schließlich bei Glüh
hitze Borsäure-Anhydrid, B 2 0 3 , welches im
Gegensatz zu der mit Wasserdämpfen flüchti
gen Borsäure beständig ist. Die Borsäure bildet
kleine, weiße, schwach glänzende, sich fettig
anfühlende Kristallschüppchen von schwach bit
terem Geschmack, die sich in Wasser nur wenig
lösen. Die Lösung reagiert gegen Lackmus und
Phenolphtalein sauer und erzeugt auf Kurkuma
papier einen braunen Fleck, der aber im Gegen
satz zu der durch Alkalien hervorgerufenen Bräu
nung durch Alkalien blauschwarz gefärbt wird.
Der Flamme des Alkohols, in dem B. nur in kleiner
Menge löslich ist, verleiht sie eine intensiv grüne
Farbe. Auf der Erscheinung, daß eine gegen Phe
nolphtalein neutralisierte wäßrige Lösung von B.
nach Zusatz von Glyzerin wieder sauer reagiert,
beruht eine einfache quantitative Bestimmung.
B. findet ausgedehnte Anwendung zur Herstel
lung von Glasuren und Emaillen, zum Tränken
von Kerzendochten sowie in der Pharmazie.
Hingegen ist der früher von Amerika über
nommene Gebrauch zum Konservieren von
Fleisch und tierischem Fett durch das Reichs
gesetz betreffend Schlachtvieh- und Fleisch