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Borsten
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Bouillonwürfelersatz
beschau verboten, und auch für die übrigen
Nahrungsmittel darf sie wegen ihrer Schädlich
keit nicht benutzt werden. Von Salzen der Bor
säuren finden vor allem Verwendung: Borax
(s. d.), borsaures Manganoxydul (Mangan-
borat, lat- Manganum boracicum, frz. Borate de
mangan&se, engl. Borate of manganese), ein
weißes, in Wasser unlösliches Pulver, das zur
Herstellung von Firnis benutzt wird, und bor
saures Chromoxyd, Pannetiers Grün, als eine
unschädliche grüne Farbe.
Borsten (Schweinsborsten, frz. Soies de
porc„ poils, engl. Hogs bristles) sind die steifen
und elastischen Haare des Schweines, die für
viele technische Zwecke, namentlich die Bürsten-
und Pinselfabrikation, höchste Bedeutung haben
und, wenigstens in ihrer besten Sorte, den vom
Rücken und Nacken stammenden Kammbor
sten, durch kein anderes Material ersetzt wer
den können. Für die Güte der Borsten sind die
Rasse der Tiere und das Klima des Ursprungs
landes entscheidend. Besonders geschätzt sind
diejenigen des Wildschweins, danach die B.
zahmer Schweine aus den nördlichen und öst
lichen Ländern, während südlichere Gegenden
nur weichere B. von geringerem Werte liefern,
Die stärksten, längsten und spannkräftigsten B.
kommen aus Rußland und Polen sowie Ru
mänien. Auch die norddeutsche und ungarische
Ware ist noch als mittelgut zu bezeichnen, hin
gegen sind Frankreich, Amerika und besonders
England, das seine alten Landschweine durch
neue, fast nackte Züchtungen ersetzt hat, auf
die Einfuhr, z. T. über den deutschen Markt,
angewiesen. Große Mengen, wenngleich weni
ger guter B. werden aus China und Ostindien
eingeführt. Ein großer Teil der meist in ge
waltige Fässer verpackten Ware geht über die
Leipziger Messe. Wesentlich für den Wert der
B. ist das sorgfältige Sortieren, das nach ver
schiedenen Gesichtspunkten erfolgt und u. a.
eine Trennung in zahme und wilde, Winter-
und Sommer-, lebende und tote Ware, d.h.
B. von geschlachteten oder von gefallenen
Schweinen, bezweckt. Von im Winter geschlach
teten Tieren erzielt man kernigere B. als im
Sommer, kalt ausgeraufte sind besser als durch
Abbrühen oder Kalkbeize losgelöste Haare. Da
neben verläuft eine Trennung der einzelnen
Haarsorten, indem der Aufkäufer, der vom
Fleischer den ganzen Hautbesatz, übernimmt,
zunächst durch Kämmen das Wollhaar abson
dert und den Rest nach der Farbe und jede
Farbe für sich wieder in drei Sorten scheidet.
Eine gründlichere Reinigung und Sortierung nach
Länge und Kürze, Steifheit und Weiche nimmt
der Bürstenfabrikant selbst vor. Die Reinigung
erfolgt durch Waschen mit heißer Alaunlösung
oder Seife, daran schließt sich meist eine Blei
chung durch Sonnenlicht oder schweflige Säure,
bei der besonders die russischen Borsten schöne
Weiße und hohen Glanz annehmen, ohne an
Elastizität einzubüßen. Vielfach werden die
weißen B. für manche Luxuswaren auch wohl
gelb oder rot gefärbt, während bei den miß
farbigen und scheckigen nur eine Veredelung
durch Schwarzfärben möglich ist. Am teuersten
sind rein weiße, danach gute schwarze B., wäh
rend rote, braune u. a. als melierte zusammen
gefaßt werden. Mit dem Reinigen, Zurichten
und Sortieren befassen sich namentlich in Bres
lau, Frankfurt a. O., Hamburg, Nürnberg, Wien
zahlreiche Fabriken. Die B. kommen entweder
nur oberflächlich gereinigt und sortiert als sog.
Rauhborsten, oder aber zugerichtet als Schu
ster-, Bürstenbinder-, Pinselbonsten teils
in Schachteln, teils in Paketen in den Handel.
— Die ebenfalls als eine Art verwachsener
Borsten anzusehenden Stacheln des Stachel
schweins (Hystrix cristata) werden als f^tahl-
federhalter benutzt.
Botano, ein wertloses Geheimmittel gegen
Harnsäure, besteht aus getrockneten Bohnen
schalen.
Botanybaiholz (Ochsenfleischholz, frz.Bois
de Botanybay, engl. Boeuf-wood). Diesen Na
men führen i. ein aus Australien in Scheiten
und Brettern zu uns kommendes; von verschie-
denenKasuarineen abstammendes Holz; 2. ein
aus Ostindien kommendes, von der Legumi-
nose Dalbergia latifolia abstammendes, an
fangs blaues, später tiefschwarz werdendes Holz
(ostindisches Rosenholz, engl. Black-wood).
Das letztere führt also den Namen B. mit Un
recht. Beide werden zu feinen Tischler- und
Drechslerarbeiten benutzt. — Botanybaiharz
s. Akaroidharz.
Bougies, kleine zylindrische Stäbchen aus
biegsamem Material, welche mit einer Schicht
von Gelatine oder Kakaofett unter Zusatz medi
kamentöser Stoffe überzogen sind.
Bouillonwürfel (Fleischbrühwürfel, Brüh
würfel) sind in Würfelform gebrachte Mischun
gen von Fleischextrakt oder eingedickter Fleisch
brühe, tierischen Fetten, Suppenwürzen, Ge
müseauszügen, Gewürzen und Kochsalz, welche
beim Auflösen in Wasser ein der Fleischbrühe
ähnliches Getränk (Suppe) geben. Der Gehalt
an Kochsalz darf 65 0/0 nicht übersteigen, der
Gehalt an Stickstoff muß mindestens 3 o/ 0) der
jenige an Fleischextrakt mindestens 7,5 o/ 0 (mit
o,4S % Kreatinin) betragen. Die letztere Zahl
ist wegen des im Kriege herrschenden Man
gels an Fleischextrakt reichlich niedrig gewählt
und nach Eintritt normaler Verhältnisse auf 10
bis 150/0 zu erhöhen. Zusätze von Zucker,
Mehl, Pflanzenfett gelten als Verfälschung, Das
Normalgewicht des Würfels ist zu 4 g festge
setzt worden. Bouillonkapseln, Bouillon
tafeln usw. nannte man früher ähnlich zu
sammengesetzte, aber anders geformte Erzeug
nisse, die • jetzt kaum noch in den Handel
kommen.
Bouillonwürfelersatz nennt man den Bouillon
würfeln ähnliche Erzeugnisse, welche statt des
Fleischextraktes (s. d.) ein Ersatzmittel des letz
teren enthalten. Um den ungeheuren Schwindel,
welcher von inländischen und ausländischen,
besonders dänischen, Fabrikanten mit angeb
lichem B. betrieben wurde, entgegentreten zu
können, hat der Bundesrat am 25. X. 1917 die
Vorschrift aufgestellt, daß der Kochsalzgehalt
30 0/0 nicht überschreiten, der Gehalt an Stick
stoff aber mindestens 2 0/0 betragen soll. Auch
mit Phantasienamen belegte Würfel müssen die
sen Anforderungen entsprechen. Suppenwür
fel (s. d.).