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völligen Zusammenbruch zeigen die Copialbücher von 1526.
Sein Haus in Kufstein — ein stattliches Patrizierhaus mit
50 Gemächern, das aber die Spuren der Verwahrlosung an sich
trug — war einem gewissen Dionysius Praun und der Stadt
Kufstein verschrieben wegen 30 fl Zins, die er nicht bezahlen
konnte 1 ). „Er war in solcher Armut und Elend, dass er weiter
gar kein Unterhaltung und Nahrung hatte." Dazu kamen
Bedrängnisse, die er wegen seines religiösen Bekenntnisses zu
erleiden hatte. Er schloss sich nämlich der Reformation an
und liess in der ihm gehörigen Kapelle zu Kufstein den Priester
Wolfgang Ochsenhauser die neue Lehre verkünden 2 ). Mehr
mals verwarnte ihn die Regierung in Innsbruck und forderte
die Abschaffung dieser Neuerungen. Ochsenhauser verliess
dann zwar Kufstein, Baumgartner aber blieb seinem Bekenntnis
treu. Im Jahre 1528 sandte ihm Luther selbst einen Trostbrief 3 ).
Die Regierung sah mit Bedauern diesen vollen Bankrott
Baumgartners, „da er ein tüchtiger Bergmann war und nicht
leichtsinnig spekuliert hatte.“ Der Uebergang des Tiroler Berg
baus in die Hände der Augsburger wurde für ihn zum Ver
derben. Der kleine Unternehmer konnte sich gegen diese
hinanzleute nicht behaupten. Die Regierung verschaffte ihm
ein kleines Amt, aus dem er seinen Lebensunterhalt gewann 4 ).
Seine Bergwerke in Luenz baute er weiter, der Ertrag war
jedoch den Gläubigern verschrieben. Jahrelang (1528 bis 1532)
führte er mit diesen Prozesse, jedoch ohne Erfolg. Zuletzt
musste er sogar sein Wohnhaus in Kufstein verlassen. Er
starb im Jahre 1535 zu Kufstein und wurde dort in der von
seiner Familie gestifteten Kapelle begraben.
beteiligen. Die Bergwerke Martin Baumgartners hatten sie zunächst
nur verwesungsweise inne.
9 Missiv an Hof (1526) fol. 64.
2 ) J. Loser th: Der Anabaptismus in Tirol (in: Archiv für österr.
Geschichte Bd. 78 (1892) S. 425 ff.).
3 ) Dr. Martin Luthers Briefwechsel, bearb. u. mit Anmerkungen ver
sehen von Ernst Ludwig Enders 6. Bd. Calw und Stuttgart 1895 S. 383.
4 ) Missiv an Hof (1,326) fol. 71. Hier wird von Baumgartners
bergmännischer Tüchtigkeit gesprochen und auch erwähnt, dass ge
schickte „Bergwerkspersonen“ wenig mehr vorhanden seien. Baum
gartner erhielt dann das oberste Bergmeisteramt mit jährlich 100 fl
Dienstgeld.