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gartner sich dann an der Seite seines Vaters auf dem Gebiet
der Politik versuchte. Seine späteren Lebensschicksale und
sein unrühmliches Ende wird uns bald näher beschäftigen.
So sehr diese Erziehungsgrundsätze Hans Paumgartners
den Beifall des Erasmus fanden, so waren sie doch nicht dazu
angetan, die Söhne für den kaufmännischen Beruf tüchtig
zu machen. Es war eine weltmännische und höfische Erziehung,
die die jungen Paumgartner genossen, durchaus nicht passend
für den Ernst, den die Handelstätigkeit erforderte. Das Leben
an den Höfen der Fürsten und die Pflege der durch die Standes
erhöhung herbeigeführten Beziehungen zum Adel erschien
bald wichtiger und verlockender als die Beschäftigung mit den
Fragen des Geld- und Warenhandels. Auch in den Städten
war an Stelle der berechtigten Lebensfreude, wie sie noch das
Augsburg Maximilians I. zeigte, allmählich Ueppigkeit und
Raffinement im Lebensgenuss getreten. Die jungen Patriziers
söhne, die in dieser Luft heranwuchsen, kosteten dieses Leben
reichlich aus. ' Die Chroniken und Ratsbücher erzählen von
manchem tollen Streich dieser „goldenen Jugend“, wobei die
Grenzen des noch Erlaubten nicht immer eingehalten wurden.
Mit am tiefsten scheint der schon genannte Anton Paum
gartner (geb. c. 1518) in den Strudel des grossstädtischen Genuss
lebens eingetaucht zu sein. Er führte in Augsburg und Venedig,
wo er um 1533 weilte 1 ), ein recht lockeres Leben und gab das
Geld mit vollen Händen aus. Er wurde dann von seinem Vater
mit Regina Honold, einer reichen Augsburger Kaufmanns
tochter, verheiratet (Februar 1540) 2 ). Die Ehe hielt ihn jedoch
nicht ab, sein ausschweifendes Leben fortzusetzen, und er trieb
es dabei so stark, dass ihn seine Gattin im Juli 1543 verliess 3 ).
fertigungsschrift: En tandem libellus, ex captivitatis tenebris . . . re-
vocatus. Venetiis anno 1538. Das Exemplar der Hof- u. Staatsbibliothek
(Jur. isag. 133 m) enthält auf einigen Seiten Stellen, die durch die
venezianische Zensur unleserlich gemacht wurden. Eine Biographie
Muschlers findet sich in: Beiträge zur Oettingischen Geschichte,
1. Teil (1772) S. 182 ff.
*) Brief des Erasmus an Vergara: Tertius (filius) Antonius agit
Venetiae velut in theatro totius Italiae splendidissimo, variis linguis
expeditus et omni morum elegantia perpolitus ad' unguem.
2 ) Warnecke: Hochzeitsbuch S. 42.
3 ) Nach der sogleich zu erwähnenden Verzichturkunde Antons
(Geh. Staatsarchiv K blau 382/6).