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Leistungen noch zu sprechen kommen. Hier wollen wir
vorläufig nur seine Anschauungen über das Geldwesen
näher kennen lernen.
Über den Begriff des Geldes gibt Kankrin sehr unbe
stimmte Erklärungen. Im »Weltreichtum« heißt es zuerst, daß
das Geld ein Wertmaßstab und ein Wertzeichen 1 ) oder, wie
es noch an einer anderen Stelle heißt, ein »allgemeines« vor
stehendes Zeichen der Werte« sei. 2 ) Weiter aber wird das
Geld auch »ein wahrer Reichtum« genannt. So heißt es:
»Jede Nation wendet das überschießende Produktenkapital
ursprünglich dazu an, sich ein Geldkapital zu schaffen,
und erst nachdem dieses geschehen, fängt die eigentliche
Epoche der Erwerbung eines wahrhaften überschießenden
Kapitals an, das aus Produkten gewöhnlich in Geld über
gesetzt wird. Geld ist also wahrer Reichtum,
denn sonst wären auch Produkte keiner, aber an sich bloß
ein statistischer; denn um ein weltreichtümlicher, sich immer
erneuender zu werden, bedarf es der Anwendung durch
Arbeit«. 8 ) Ein Nationalreichtum könne das Geld ausnahms
weise, z. B. in einer isolierten Handelsstadt sein, welche ihre
Existenz auf Handelsspekulationen gründet. Ja, da könne
es sogar einziger Reichtum sein. Abgesehen von
diesen Ausnahmefällen, sei das Geld, wenn auch nicht der
einzige Reichtum, so »doch ein Teil desselben, und selbst
als Ware genommen, der bequemste von allen«. 4 ) Ähnliche
Gedanken sind auch in der »Ökonomie« vertreten. Da heißt
es auch, daß das Geld ein repräsentatives Wertzeichen sei,
das »einen allgemeinen Tauschwert für alles Kaufbare« habe/’)
Dem gegenüber lautet es aber wieder: »Das Metallgeld ist,
man mag sagen, was man will, ein wahrer Reichtum, also
auch ein wahres Kapital.« 6 ) Dieses Zitat zeigt nebenbei,
worauf wir schon hingewiesen haben, daß Kankrin den
Reichtum mit dem Kapital identifiziert, was übrigens auch
i) Weltr. 35/6. - 2 ) Weltr. 83. - s ) Weltr. 42. - *) Weltr. 42/43. -
6 ) Ök. 17. - 6 ) Ök. 126.