56 —
an anderen Stellen der »Ökonomie« 1 ) geschieht. Seine Be
hauptung vom Metallgeld als wahrem Reichtum, stützt
Kankrin folgendermaßen: »Entweder ist das Metall aus
eigenen Bergwerken ausgebeutet, und hätte, brauchte man
es nicht zu Geld, im Ausland gegen Waren ausgetauscht
werden können, oder es ist vom Ausland gegen Waren
eingetauscht, die man hätte verzehren können.« 2 )
Man würde aber einen groben Irrtum begehen, wollte
man nun aus den oben zitierten Äußerungen Kankrins über
das Geld als »wahren Reichtum« den Schluß ziehen, er habe
das Geld dem Reichtum gleichgesetzt, d. h. er sei des Vor
wurfes schuldig geworden, welcher von A. Smith 8 ) den
Merkantilisten gemacht worden ist, nämlich, daß die letzteren
das Geld mit Reichtum verwechselt hätten. Tatsächlich
hat G. Kankrin an verschiedenen Stellen des »Weltreich
tums« und der »Ökonomie« das Geld als Wertmaßstab
und Wertzeichen angesehen, • ja das Geld wird von ihm
an einer schon zitierten Stelle des »Weltreichtums« als
»nicht der einzige Reichtum« 4 ) bezeichnet und unter den
verschiedenen Arten des Reichtums wird der Geldreichtum
»das kursierende, einen inneren Wert habende Wertzeichen«
geheißen. 5 ) Daraus folgt, daß das Geld bei Kankrin doch
als ein Wertzeichen, d. h. als Repräsentant von Waren gilt, 6 )
und, indem es »einen inneren Wert« hat, d. h. Naturalstoff
in sich schliest, als Kategorie des Reichtums hingestellt
werden kann. Somit ist der Begriff des Geldes, wenn auch
nicht völlig klar und präzise, so doch ganz im Sinne des
Merkantilismus von Kankrin gefaßt worden.
Es entspricht auch durchaus der oben gekennzeichneten
Auffassung vom Gelde, wenn es im »Weltreichtum« unter
anderem heißt: »Das Geld — wird durch eigene
Produktion oder durch Eintauschen gegen Erzeugnisse er
halten. In beiden Fällen entsteht es wie das Sachenkapital,
Ö Vgl. Ök. 20 u. 98. — *) Ök. 126. - “) Vgl. A. Sm. II. 195 u. ff. -
*) Weltr. 42. — 5 ) Ök. 20. - «j Vgl. Weltr. 45.