Object: Ferdinand Lassalle

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leidenschaftliche Liebe gestand. Er sagte, daß schon seit 
langem mir sein ganzes Herz gehöre, daß ein Leben 
ohne mich für ihn undenkbar sei, daß er mich nicht für 
ein gewöhnliches hübsches Mädchen, sondern für ein 
höheres, von Gott mit Empfänglichkeit und Begeisterung 
für alles Erhabene ausgestattetes und mit moralischer 
Macht begabtes Wesen halte usw. Er sprach dies alles mit 
solch glühenden, leidenschaftlichen Ausdrücken, daß sie sich 
nicht wiedergeben lassen. Er flehte mich an um Gegenliebe, 
so heftig und unabweisbar. Es schien, als ob jeder 
Gesichtsmuskel das, was seine Worte aussprachen, ab 
spiegelte. Ich stand vor ihm wie betäubt. Da trat 
mein Vater herzu. Ich wollte eben Lassalle offenherzig 
gestehen, daß ich ihn mit solcher Liebe nicht liebe, daß 
ich noch nicht diese Glut, dieses Feuer kenne; daß meine 
Seele noch frei sei, aber er flüsterte nur entschieden zu: 
„Später! Wie auch Ihre Antwort sein niöge, ich 
will sie allein hören, niemand, selbst Ihr Vater nicht, 
darf dabei sein." 
Nach diesen Worten ging Lassalle schnell hinaus. Ich 
stand unbeweglich. Auf die Frage meines Vaters, was 
mir sei, fing ich an, alles, Wort für Wort, ihm, meinen! 
besten Freunde, von dessen Seele ich ein Teil zu 
sein mir bewußt war, zu sagen — alles, was sich zuge 
tragen. Dieses Feuer, diese Leidenschaft hatten mich er 
schüttelt, ich war davon betäubt, noch mehr, ich fühlte 
mich geschmeichelt, ich war gerührt — aber mein Herz 
schwieg. 
Mein Vater war fürchterlich aufgeregt. Er hatte schon 
lange bemerkt, wie stark die Persönlichkeit Lassalles 
auf meine jugendliche Einbildungskraft gewirkt hatte.
	        
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