York, Equitable und Guaranty Trust Company. Damit
wuchs das von ihm beherrschte Bankkapital auf be-
trächtlich mehr als eine Milliarde Dollar, während seine
gesamte Finanzkraft, zu der ja die Kapitalien der
Eisenbahnen und industriellen Unternehmungen, in
denen sein Einfluß beherrschend war, hinzugezählt
werden mußten, sich auf etwa 10 Milliarden Dollar
schätzen ließ. Aber alle derartigen Schätzungen sind
mehr oder weniger Theorie, denn nur eine tatsächliche
Probe könnte die Grenzen der Macht eines Mannes
wie Morgan erweisen, und eine solche Probe könnte
wohl kaum je gemacht werden.
Man darf hierbei auch nicht vergessen, daß Ziffern
und Summen noch nicht die Macht Morgans er-
schöpfend kennzeichnen. Sie gründete sich ja zu
einem großen Teil auch auf seine Persönlichkeit und
auf dem so gut wie uneingeschränkten Vertrauen der
großen und kleinen Kapitalisten zu Morgans geschäft-
lichen Fähigkeiten und Zielen. Unter fast allen denk-
baren Umständen ließen die Anteilbesitzer einer Ge-
sellschaft, an der Morgan beteiligt war, ihre finan-
ziellen Interessen lieber von ihm als von irgend je-
mand anders vertreten. Nur zu gern überließen sie es
ihm, die Last der Verantwortlichkeit auf seine breiten
Schultern zu nehmen. So hat er seine Macht wohl
ebenso durch dieses Entgegenkommen der Aktionäre
wie durch sein eigenes zielbewußtes Handeln ge-
wonnen — und Mangel an zielbewußtem Handeln war
gewiß das letzte, das man Morgan vorwerfen konnte.
Alles dies zeigte sich sehr gut in der finanziellen Krise
des Jahres 1907. Damals tat nicht so sehr ein Führer
not als vielmehr ein Mann, dem man die große Auf-
gabe anvertrauen konnte, sozusagen, als Agent der
verschiedenartigen Finanzkräfte zu handeln, die in
gründliche Verwirrung geraten waren, ein Mann, der
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