Metadata: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

York, Equitable und Guaranty Trust Company. Damit 
wuchs das von ihm beherrschte Bankkapital auf be- 
trächtlich mehr als eine Milliarde Dollar, während seine 
gesamte Finanzkraft, zu der ja die Kapitalien der 
Eisenbahnen und industriellen Unternehmungen, in 
denen sein Einfluß beherrschend war, hinzugezählt 
werden mußten, sich auf etwa 10 Milliarden Dollar 
schätzen ließ. Aber alle derartigen Schätzungen sind 
mehr oder weniger Theorie, denn nur eine tatsächliche 
Probe könnte die Grenzen der Macht eines Mannes 
wie Morgan erweisen, und eine solche Probe könnte 
wohl kaum je gemacht werden. 
Man darf hierbei auch nicht vergessen, daß Ziffern 
und Summen noch nicht die Macht Morgans er- 
schöpfend kennzeichnen. Sie gründete sich ja zu 
einem großen Teil auch auf seine Persönlichkeit und 
auf dem so gut wie uneingeschränkten Vertrauen der 
großen und kleinen Kapitalisten zu Morgans geschäft- 
lichen Fähigkeiten und Zielen. Unter fast allen denk- 
baren Umständen ließen die Anteilbesitzer einer Ge- 
sellschaft, an der Morgan beteiligt war, ihre finan- 
ziellen Interessen lieber von ihm als von irgend je- 
mand anders vertreten. Nur zu gern überließen sie es 
ihm, die Last der Verantwortlichkeit auf seine breiten 
Schultern zu nehmen. So hat er seine Macht wohl 
ebenso durch dieses Entgegenkommen der Aktionäre 
wie durch sein eigenes zielbewußtes Handeln ge- 
wonnen — und Mangel an zielbewußtem Handeln war 
gewiß das letzte, das man Morgan vorwerfen konnte. 
Alles dies zeigte sich sehr gut in der finanziellen Krise 
des Jahres 1907. Damals tat nicht so sehr ein Führer 
not als vielmehr ein Mann, dem man die große Auf- 
gabe anvertrauen konnte, sozusagen, als Agent der 
verschiedenartigen Finanzkräfte zu handeln, die in 
gründliche Verwirrung geraten waren, ein Mann, der 
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