Full text : Der Safranhandel im Mittelalter

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Den  italienischen  und  spanischen  Niederlassungen
schließt  sich  die  in  Lyon  als  Zentrum  des  französischen  und
die  in  Wien  als  das  des  österreichischen  Anbaugebiets  an.
So  ist  es  den  Ravensburgern  möglich,  die  verschiedenen
marktgängigen  Sorten  zu  liefern.
Dieses  Netz  von  Niederlassungen  ermöglicht  es  ihnen
zugleich,  die  regelmäßige  jährliche  Preisschwankung  auszubeuten. ­
  Die  Faktoreien  werden  von  Ravensburg  aus  regiert  und
mit  Nachrichten  über  die  Marktverhältnisse  versehen.  Unter
diesen  Nachrichten  nehmen  einen  großen  Raum  ein  diejenigen ­
  über  die  Preise,  die  am  Ende  des  Erntejahres  auf
den  Hauptmärkten,  besonders  in  Nürnberg  und  Frankfurt
erzielt  werden.  Sind  die  Preise  hoch  und  die  Nachfrage  ist
rege,  so  gibt  man  den  Faktoren  Weisung,  möglichst  bald  die
Einkäufe  der  neuen  Ernte  zu  bewerkstelligen  und  auf  den
Markt  zu  bringen.  So  hat  im  Herbst  1479  der  Safran  in
Frankfurt  in  hohem  Preis  gestanden  und  die  letzten  Vorräte
sind  verkauft  worden.  Dies  wird  nach  Spanien  berichtet  und
auf  schleunige  Neueinkäufe  gedrungen;  selbst  wenn  die
Preise  der  ersten  Ernte  noch  hoch  seien,  solle  man  sich  nicht
scheuen,  reichlich  einzukaufen,  um  vor  anderen  Firmen,  vor
der  Ankunft  der  Hauptmasse  der  neuen  Ernte,  frische  Ware
auf  den  Markt  zu  bringen  und  die  Preissteigerung  auszunutzen ­
  ‘).  Langsamer  gehen  die  Geschäfte  vor  sich,  wenn  zu
sorgen  ist,  daß,  wie  es  heißt,  der  neue  Stank  ! )  dem  alten  auf
den  Hals  kommt.
Die  Beherrschung  aller  Anbaugebiete  ermöglicht  es
der  Gesellschaft  zugleich,  die  Konjunktur  von  Ernteausfall
und  Nachfrage  auszunutzen.  Im  Spätsommer  fangen  die
Faktoren  der  verschiedenen  Niederlassungen  an,  über  Land
zu  reiten  und  die  Felder  in  Augenschein  zu  nehmen.  Auch
wird  die  Meinung  der  Bauern  eingeholt.  In  Ravensburg
laufen  die  Berichte  über  die  verschiedenen  Gegenden  zusammen, ­
  und  nach  der  Übersicht,  die  man  dort  gewinnt,  wird
den  Faktoren  Anweisung  über  die  zu  machenden  Einkäufe,
1)  Rav.  Pap.  8.
2)  In  diesen  Korrespondenzen  wird  der  Safran  meist  als  Stank
bezeichnet.
            
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