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dem weißen, welligen Meer heben sich vereinzelte
Bergrücken des Mittellandes gleich langen, nebcl-
umflossenen Inseln. Wer aus den feuchtkalten,
grauen Nebeln der Tiefe zum Licht hinaufsteigt, tritt
fast plötzlich in eine neue Welt voll Sonnenschein
und Wärme. Der Winter ist die klarste und son
nigste Jahreszeit im Gebirge. Zahlreiche Winter-
kurorte in den Alpen und auf den Jurahöhen
verdanken diesem glücklichen Umstand den starken
Besuch.
R-bel und Wenn das Mittelland unter den Winternebeln
«cwdiinnn ^graben liegt, erfreut sich die Südschweiz anhal
tenden Sonnenscheins. Das südliche Tessin mit
den Kurorten Locarno und Lugano hat überhaupt
gegenüber der ganzen übrigen Schweiz den Vor
zug der geringsten Bewölkung, der größten Zahl
sonniger Tage. Ncbelarm sind auch das Wallis,
Graubünden und die Föhntäler der Nordschweiz.
Wind- Winde. Die Luftströmungen sind einem star
ken Wechsel unterworfen; davon rührt der launen
hafte Charakter der Witterung ab. Bei aller Un
beständigkeit weht doch, wie im übrigen Mittel- und
Wind aus Westeuropa, der Wind am häufigsten aus Süd-
SW 'westen und Westen. Er trägt die Feuchtigkeit vom
Ozean her tief ins Festland hinein und führt trübes,
regnerisches Wetter herbei. In einzelnen Teilen der
deutschen Schweiz kennt man ihn als „Wetterluft";
die dem Regen am meisten ausgesetzte Westfront
der Häuser heißt die „Wetterseite" und trägt häufig
zum besondern Schutz eine Verkleidung aus Ziegeln
oder Schindeln. Der Westwind unterbricht die Som
merhitze durch kühle Regentage und verdrängt im
Winter zeitweilig den Frost durch das milde Tau
wetter. Beinahe ebenso häufig ist der Wind aus der
entgegengesetzten Richtung, aus Osten, Nordosten
Di,, und Nordens die Bise; sie führt trockene Luft von
den großen Landflächen Osteuropas her; sie hellt