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rückgezogen haben, eine gewisse Überbewertung des Dollars eintritt.
Eine gewisse Bedeutung für die Schwankungen der Dollarbewertung
hat auch das Verhältnis zwischen den Zinssätzen in New York und
London. Sobald z. B. die Zinssätze in New York niedriger sind als in
London, zeigt das flüssige amerikanische Kapital eine Tendenz, nach
London zu strömen. Dann kann eine Unterbewertung des Dollars leicht
erfolgen. Die Abweichungen des Dollarkurses von der Kaufkraftparität
betragen gewöhnlich weniger als 5%, steigen aber ausnahmsweise sogar
über das Doppelte. Sie haben aber hauptsächlich nur eine Dauer von
einigen Monaten.
Hiermit dürfte der allgemeine Charakter des Einflusses der inter-
nationalen Kapitalbewegungen auf den Wechselkurs klargelegt sein.
Unser Ergebnis hat sicher wesentlich dieselbe Geltung bei einer Kapital-
ausfuhr nach weniger entwickelten Ländern, obwohl wir in solchen
Fällen größere und vielleicht etwas mehr andauernde Abweichungen
von der Kaufkraftparität erwarten müssen.
Vom Studium der Bewegungen des Dollarkurses in der genannten
Periode können wir noch ein wichtiges Ergebnis holen. Im September
1922 wurde in den Vereinigten Staaten der neue stark protektionistische
Fordney-Tarif eingeführt. Nach der gewöhnlichen Vorstellung müßte
man erwarten, daß dadurch, bei unverändertem Wechselkurs, eine be-
deutende Steigerung des allgemeinen Preisniveaus in Amerika bewirkt
wäre, m. a. W., daß eine starke Überbewertung des Dollars zustande-
gekommen wäre. Dies ist nicht der Fall. Zwar war der Dollar im Herbst
1922 beträchtlich überbewertet. Diese Überbewertung erklärt sich aber
in ganz natürlicher Weise durch den Rückgang in der amerikanischen
Kreditgebung an Europa, der damals stattgefunden hatte. Der Dollar-
kurs wurde nach einigen Monaten wieder ziemlich normal, und in 1924
war der Dollar eine längere Zeit unterbewertet. Diese Tatsache ist ge-
eignet, der populären Vorstellung über die Wirkungen eines gesteigerten
Zollschutzes auf das allgemeine Preisniveau den Grund zu entziehen.
Die statistischen Daten, die sonst zur Stütze dieser Vorstellung ange-
führt werden, dürften im allgemeinen keiner strengeren Kritik stand-
halten.
$ 91. Praktische Schlußfolgerungen.
Wir sind jetzt so weit gekommen, daß wir den allgemeinen Rahmen
für die Behandlung praktischer Probleme des internationalen Handels
angeben können. Solche Probleme bestehen wesentlich in der Fest-
stellung der Wirkungen von Veränderungen in den Bedingungen des
internationalen Handels, wobei natürlich besonders die Wirkungen auf
die Preisbildung in den Vordergrund treten. Die praktisch wichtigste
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