Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VIII.  Kap.:  Hilfe  von  aujzenftehenden  Kreifen

Ähnliches  gilt,  vielleicht  noch  in  erhöhtem  Ma|ze,  von  den  Schauwerk,
ftätten.  In  London  hatte  man  fchon  läng  ft  geplant,  der  Heimarbeitausftellung
  durch  „lebende  Modelle“  eine  neue  Anziehungskraft  zu  geben.  So  fah
man  dort  drei  Frauen,  von  denen  eine  ihr  drei  Wochen  altes  Baby  mit  fich  hatte,
mit  Herftellung  von  Zündholzfchachteln  befchäftigt;  ein  alter,  nahezu  erblindeter ­
  Mann  half  feiner  Frau  beim  Zufammenftellen  künftlicher  Blumen
ufw.  In  Frankfurt  zog  die  primitive  und  doch  fo  hochintereffante  Arbeitsweife
des  Töpfers  das  Augenmerk  vieler  Befucher  auf  fich;  aufzer  ihm  fah  man  den
Holzfchnitzer,  den  Weber,  die  Filetftickerin  an  der  Arbeit.  Aber  all  diefe
Menfchen  find  aus  ihren  täglichen  Verhältniffen  herausgeriffen,  die  ihnen  fonft
das  Leben  fo  fauer  machen;  die  Schauwerkftätte  im  Ausftellungsraum,  und
wäre  fie  auch  noch  fo  eng,  hat  mit  der  Schwitzbude  daheim  und  ihrem  Drum
und  Dran  nicht  viel  Ähnlichkeit.
Photographien  und  Schauwerkftätten  möchten  wir  aber  auf  einer  Heimarbeitausftellung
  nicht  ganz  entbehren.  Sie  erhöhen  den  Reiz  der  Ausftellung,
ergänzen  durch  ähren  konkreten  Anfchauungsunterricht  das  Bild  der  Heimarbeit ­
  namentlich  nach  der  technifchen  Seite  hin;  aber  zur  Erforfchung  der
fozialen  Lage  der  Heimarbeiter  ift  ihr  Wert  ein  begrenzter.
Es  ift  nach  den  Erfahrungen  der  letzten  Jahre  über  allen  Zweifel  erhaben:
die  Heimarbeitausftellungen  haben  ihren  urfprüng-Iichen
  Zweck  erreicht;  fie  haben  die  Kunde  von  der  Heimarbeit
und  ihrem  Elend  in  weite  Kreife  hinausgetragen  und  haben  das  Intereffe  auch
für  diefen  meift  in  tiefer  Verborgenheit  ein  kümmerliches  Dafein  friftenden
Zweig  der  Volkswirtfchaft  geweckt.  Es  ift  doch  kein  Zufall  zu  nennen,  dafz
man  jetzt  allgemein  mehr  von  der  Heimarbeit  fpricht  und  fchreibt,  da|z  in  den
verfchiedenen  Parlamenten  Gefetzentwürfe  zur  Reform  der  Heimarbeitsverhältniffe
  vorliegen.  Es  ift  auch  kein  Zufall,  da(z  Konfumentenorganifationen
mehr  und  mehr  ins  Leben  treten,  die  durch  Belehrung  und  organifchen  Zufammenfchlufz
  der  Käufer  einen  Druck  ausüben  wollen  auf  die  Firmeninhaber
zugunften  ihrer  Heimarbeiterinnen.  Sind  diefe  Organifationen  in  den  verfchiedenen ­
  Ländern  bereits  doch  fo  weit  erftarkt,  da(z  im  Herbft  1908  ein  internationaler ­
  Kongreß  der  Konfumentenligen  in  Genf  ftattfinden  konnte.  All
diefe  Reformarbeiten  wären  gewifz  nicht  in  folchem  Umfange  aufgenommen,
hätten  nicht  die  Heimarbeitausftellungen  das  Heimarbeiterelend  aus  der  Verborgenheit ­
  ans  Licht  gezogen.
Auch  die  Wirtfchaftswiffenfchaft  wird  durch  die  Heimarbeitausftellungen ­
  ftets  bereichert,  fowohl  die  t  h  e  o  r  e  t  i  f  c  h  e,  die  auf
eine  möglichft  genaue  und  forgfältige  Durchforfchung  der  wirtfchaftlichen
            
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