Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  2.  Lohnverhältniffe

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grojzen  Anzahl  Ungelernter  ein  bedeutender  Prozent  fatz  von  Qualitätsarbeiterinnen ­
  mit  mehrjähriger  Lehrzeit.  x )  —  Wir  fto|zen  hier  im  Lohnbildungsprozejz
  auf  eine  den  lohnfenkenden  Faktoren  entgegenwirkende  Tendenz:
die  Ausbildung  und  die  dadurch  bewirkte  Mäfzigung  des  Angebots.  Ein  wichtiger ­
  Fingerzeig  für  eine  Reform  der  Lohnverhältniffe!
Einen  fehr  fchwachen,  vielleicht  den  fchwächften  Punkt  im  Kampf  um  den
Lohn  bedeutet  für  die  Heimarbeiter  ihre  I  f  o  I  i  e  r  u  n  g.  Die  Heimarbeit
ift  ein  grofzes  Dezentralifationsfyftem,  zunächft  ein  technifches  und  örtliches,
aber  es  reicht  fchliejzlich  bis  in  die  Gefinnungen  und  Entfchliejzungen  hinein.
Daher  die  erftaunlichen  Abftände  in  der  Lohnhöhe  für  Produkte  derfelben
Qualität  am  felben  Orte,  die  Lohnunterbietungen,  die  niedrigen  Löhne.  Eine
Vereinheitlichung  der  Löhne  von  feiten  der  i  folterten,  oft  noch  argwöhnifch
fich  befehdenden  und  unterbietenden  Heimarbeiter  ift  undenkbar.  Eine  gefchloffene
  Organifation,  die  der  fallenden  Tendenz  der  Löhne  eine  fefte  Grenze  zöge,
ift  bis  jetzt  noch  nicht  zuftande  gekommen.  Die  Organifationsverfuche  mujzten
fich  zudem  auf  die  mittlern  und  hohem  Schichtender  Arbeiterfchaftbefchränken,
an  die  tieffte  Schicht  konnten  fie  nicht  heranreichen.
Die  Dezentralifierung  der  Heimarbeiter  wird  in  ihrer  lohndrückenden
Wirkung  noch  verftärkt  durch  die  grofteAnzahl  der  im  Nebenberuf
Befchäftigten.  Viele  haben  in  ihren  häuslichen  Verhältniffen  einen
wirtfchaftlichen  Rückhalt  und  erblicken  in  der  Heimarbeit  einen,  wenn  auch
vielfach  unentbehrlichen  Nebenerwerb,  find  eben  darum  auf  höhere,  dem
Arbeitswert  entfprechende  Löhne  gar  nicht  fo  fehr  bedacht.  Hierher  gehören
die  verheirateten  Heimarbeiterinnen,  die  nur  das  knappe  Lohneinkommen
ihres  Mannes  zu  vermehren  fuchen,  die  in  der  Familie  verbleibenden  Töchter,
die  das  Familieneinkommen  nach  Kräften  ftärken  wollen,  die  Frauen  und
Töchter  der  mittlern  Stände,  die  in  Anbetracht  des  nicht  allzu  hohen  Gehaltes
des  Familienhauptes  fich  in  freien  Stunden  ein  ihnen  zur  vollen  Verfügung
ftehendes  Tafchengeld  verdienen  wollen,  die  Landleute,  die  ihr  bäuerliches
Anwefen  vor  dem  Schlimmften,  vor  dem  Verhungern,  bewahrt.  Hierher  gehört
fchlie|zlich  auch  die  Zahl  derjenigen,  in  deren  Haushaltungsbudget  die  —
Proftitutionsgelder  einen  beftändigen,  nicht  unbedeutenden  Poften  bilden
und  für  welche  die  Heimarbeit  nicht  blojz  zum  Nebenerwerb,  fondern  auch  zum
Deckmantel  ihres  entehrenden  Wandels  geworden  ift.  All  diefe  Heimarbeiter
„im  Nebenberuf“  wirken  auf  der  Lohnfkala  wie  ein  Bleigewicht,  das  den
Lohn  auf  ein  tiefes  Niveau  herabzieht.
Die  Lohnfaktoren  in  der  Heimarbeit  find  faft  alle  mehr  oder  weniger  in
.  O  a  e  b  e  I  a.  a.  0.
            
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