Full text : Bankpolitik

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65.  Oie  Konzentration  der  Kreditbanken.

sich  für  den  Ueberweisungsoerkehr  am  vorzüglichsten  eine  im  ganzen
Lande  verzweigte  Organisation,  deren  Schecks  überall  genommen  werden.
Es  liegt  an  historischen  Momenten,  daß  der  Scheckverkehr  nicht  sofort
von  großen  Organisationen,  sondern  von  Lanken  eingeführt  wurde,
die  aus  kleinen  Anfängen  heraus  ihre  äußere  Verfassung  immer  weiter
entwickelten.  Würde  man  heute  in  einem  Lande  den  Scheckverkehr  einbürgern ­
  wollen,  so  würde  man  zunächst  eine  große  umfassende  Organisation ­
  wie  z.  B.  die  Postscheckämter  errichten.  Man  vergleiche  den  Postscheckverkehr ­
  mit  dem  früheren  Scheckverkehr  der  kleinen  Privatbanken  um
die  ungeheure  Ueberlegenheit  der  großen  Organisation  über  das  Einzelinstitut
  zu  erkennen.  Aus  dieser  Erkenntnis  heraus  haben  die  englischen
Kreditbanken,  die  im  wesentlichen  Scheckinstitute  sind,  ein  großes  §iliritt ­
  eh  angelegt  und  zwar  zum  Teil  durch  Angliederung  anderer  Provinzbanken ­
  und  prioatbankiers.
In  Frankreich  liegt  das  Hauptgeschäft  im  Sammeln  von  Einlagen
und  im  Effektenplacement.  In  beiden  Richtungen  sind  große  Institute
überlegen.  Der  Klang  ihres  Namens  führt  ihnen  überall  Einlagen  zu
und  ihr  reiches  Budget  ermöglicht  die  Errichtung  von  Depositenkassen
und  Filialen,  auch  wenn  die  Geschäftsspesen  der  ersten  Jahre  den  Ertrag ­
  übersteigen.  Zum  Bankier,  der  in  der  stillen  Seitenstraße  im  ersten
Stockwerk  sein  Bureau  hat,  tragen  gewöhnlich  nur  persönlich  Bekannte
ihr  Geld  hin,  zur  nächsten  Depositenkasse  dagegen  jeder,  der  in  der  Nähe
wohnt  und  nichts  anderes  mit  dem  Gelde  vorhat.  Der  Bankier  der
vorigen  Generation  verschmähte  es,  den  Einlagen  nachzujagen,  denn
das  hätte  ihn  diskretitiert  und  widersprach  seinen  sonstigen  Gewohnheiten:
Man  war  gewohnt,  daß  der  Kunde  zum  Bankier  kam,  nicht  umgekehrt.
Die  Zeiten  haben  sich  geändert  und  um  die  Ecklokale  der  größeren  Straßen
der  Hauptstädte  ist  zwischen  den  Aktienbanken  ein  heißer  Kampf  entbrannt. ­
  Die  Bewerbung  um  die  Einlagen  wird  von  den  Großbanken
mit  allen  Mitteln  der  Reklame  geführt.  Zm  Effektenplacement  haben
die  Großbanken  eine  außerordentliche  Ueberlegenheit  durch  die  Möglichkeit ­
  namhafte  Konsortialgeschäfte  abzuschließen,  die  Emission  durch
den  Lffektenkredit  zu  stützen  und  das  Placement  bei  ihren  Kunden  zu
sichern.  Die  Lokalbank  oder  der  Privatbankier  ist  darin  konkurrenzunfähig ­
  und  selbst  eine  eigene  Zentralorganisation  wie  das  französische
Syndicat  des  banquiers  hat  mit  Schwierigkeiten  zu  kämpfen,  die  der
Selbständigkeitsdrang  der  ihr  angeschlossenen  Mitglieder  bei  den  Verhandlungen ­
  und  später  bei  der  Uebernahme  von  Anleihen  in  den  weg
setzen.
In  Deutschland  haben  außer  den  genannten  Momenten  noch  die
            
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