26 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege.
in Gruppe io einen Gesamtbetrag für den Zeitraum 1883 1912 von 18 155 331 M. er
mittelt haben, in erster Linie auch den Arbeitern, ihren Frauen und Kindern zugute kommt,
darf wohl kaum bezweifelt werden. — Die Firma W. Spindler in Spindlersfeld hat
anschließend an ihr Fabrikareal einen Park von 25 Morgen Größe geschaffen, der den
Arbeitern und Familien von Spindlersfeld zur Erholung überlassen ist. — Geheimrat
Dr. Füllner, Inhaber der Maschinenfabrik H. Füllner, Warmbrunn, stiftete 1906 zur
Kaiser-Silberhochzeit einen 16 ha großen Park, der der Allgemeinheit zur Verfügung steht.
Im Park befindet sich u. a. ein 12 000 qm großer Teich, der auch im Winter bei elektrischem
Bogenlicht für den Eissport benutzt wird. Ein norwegisches Blockhaus dient Restaurations
zwecken. — Hervorragend nach Lage und innerer Ausgestaltung ist auch der von der Firma
Gebr. Barasch, Breslau, eingerichtete 37 Morgen große Park, in dem sich ein schönes
Erholungsheim für die Angestellten und deren Familienangehörige befindet, und
in welchem auch letzteren freie Verpflegung geboten wird.
Die Gruppe 11,
BLINDEN- UND TAUBSTUMMENFÜRSORGE, KRÜPPELPFLEGE, kann natürlich
sich auch nur relativ auf die Arbeiter beziehen. Dagegen fallen die gespendeten Beträge,
von denen nach Ausweis der Quellenverzeichnisse sehr viele aus Arbeitgeberkreisen stammen,
wohl sämtlich den minderbemittelten unter den Gebrechlichen zu.
Der von uns ermittelte Gesamtbetrag für den Zeitraum 1883—1912 beträgt 8 230 223 M.
Die Gruppe 12,
OBDACHLOSEN- UND ENTLASSENENFÜRSORGE, ist ebensowenig nur auf die
Arbeiter bezüglich.
Der ermittelte Betrag von 1883—1912 beläuft sich auf 1 392 334 M.
Die Gruppe 13,
WOHNUNGSFÜRSORGE, bildet dagegen einen eminenten Teil der Arbeiterfrage,
schon deshalb, weil hier die Interessen des Arbeitgebers auch oft mit beteiligt sind. Es ist
denn auch für die Wohnungsfürsorge ein erheblicher Betrag für den Zeitraum 1887 (für
den Zeitraum 1883 1886 wurden keine Zuwendungen festgestellt) bis 1912 von 102 139 692 M.
ermittelt worden.
Auf das Jahr 1912 entfällt hiervon ein Betrag von 18 188 229 M.
Die Wohnungsfürsorge seitens der Arbeitgeber macht sich nach den verschiedensten
Richtungen hin geltend. Sie kann zunächst sich indirekt dadurch betätigen, daß der
Arbeitgeber durch Gewährung von Beihilfen an Baugenossenschaften seinen Angestellten
und Arbeitern fremde geeignete Wohnungen sichert, indem die betreffende Baugenossen
schaft eine entsprechende Anzahl von Wohnungen für den Arbeitgeber reserviert. So hat
der Generaldirektor der Steingutfabrik Villeroy & Boch in Dresden dem Dresdner
Spar- und Bauverein auf 10 Jahre einen jährlichen Beitrag von 2000 M. zugesichert, gegen
die Berücksichtigung einer entsprechenden Anzahl seiner Arbeiter und Angestellten als
Mieter von Vereinswohnungen. — Eine indirekte Wohnungsfürsorge liegt auch in der
Aufmunterung zum Eigenbau durch Gewährung von Bauprämien an die Arbeiter. Auf
diesem Wege bewirken z. B. viele staatliche Bergbau- und Verkehrsbetriebe die Schaffung
von Eigenwohnungen ihrer Arbeiter. Die direkte Wohnungsfürsorge durch Herstellung
von Arbeiterwohnungen seitens der Arbeitgeber ist die verbreitetste Art. Sie braucht durch
aus nicht egoistischen Trieben zu entspringen, sich durch den Mietkontrakt einen Arbeiter
stamm zu sichern. In den allermeisten Fällen wird es ebensosehr dem Wunsche des Ar
beiters entsprechen, in eine gesunde und billige Wohnung, mit der sehr oft noch allerlei
sonstige Bequemlichkeiten durch gemeinsam zu benutzende Anlagen, durch Gemüse
gärten usw. verbunden sind, zu ziehen, als dem des Arbeitgebers, seine Arbeiter an seine
Arbeitsstätte zu binden. In Fällen der Wohnungsnot, z. B. bei der Erschließung von Boden
schätzen inmitten unbewohnter Gegenden, bei Kanal- und Eisenbahnbauten usw. wird es
dem Arbeiter sehr lieb sein, sich auf seinen Wohnkontrakt berufen zu können, um nicht