Der Wert der Produktivgüter. Die Produktionskosten 109
ist somit von der Seite der Produktivgüter ausgegangen. Doch
bedeutet es nicht, meint Böhm weiter, daß die ursprüngliche
Ursache die Senkung des Wertes des Kupfers ist. Nach Böhm
wickelt sich der Vorgang so ab: Die Kupfermenge steigt,
dies bewirkt die Vermehrung der Kupferprodukte; dieser Um-
stand wird vom Niedergang des Wertes dieser Produkte beglei-
tet, was wiederum den Niedergang des Wertes des Produk-
tivgutes (des Kupfers) zur Folge hat®?.
Untersuchen wir diese These näher. Vor allem ist es völlig
klar, daß jedes Produktivgut so lange einen Wert haben kann
(in welchem Sinne dieser Begriff auch gebraucht werden mag:
in dem des Marxschen objektiven Wertes oder in dem des Böhm-
schen subjektiven Wertes), als es in Wirklichkeit Produktivgut
ist, d. h. ein Mittel zur Produktion irgendeines nützlichen
Gegenstandes. Lediglich in diesem Sinne kann vom Wert
eines Produktes die Rede sein, als von einer „Ursache‘“ des Wer-
tes des Produktivguts®. Ganz etwas anderes ist es, wenn wir
unter „Ursache‘‘ gerade den ‚„kausalen Anstoß‘ verstehen.
7er! Der volle Wortlaut dieser interessanten Stelle ist folgender: „Ich habe
indes oben absichtlich von ‚Ursachen‘ gesprochen, ‚die auf Seite der Pro-
duktivgüter einsetzen‘ und nicht von ‚Ursachen‘, die auf Seite des Wertes
der Produktivgüter einsetzen. Denn mir scheint, daß, wenn auch der kausale
Anstoß von Umständen ausgegangen ist, die sich auf Seite der Produktiv-
güter zutragen, die weitere kausale Verkettung eine solche ist, daß der Wert
der Produktivgüter in derselben nicht vor, sondern hinter dem Werte
der Produkte steht. Die größere Häufigkeit eines Produktivmittels ist (in-
direkt) Ursache des geringeren Wertes des Produktes; aber der ebenfalls
indirekt hieraus entspringende geringere Wert des Produktivmittels ist trotzdem
nicht Ursache, sondern Folge des geringeren Wertes der Produkte. Die Ver-
kettung ist nämlich die folgende: Die vergrößerte Menge von (Kupfererzen
und) Kupfer führt zu einer größeren Menge von Kupferprodukten; diese
bewirkt eine stärkere Sättigung der nach Produkten dieser Art bestehenden
Bedürfnisse; dadurch rückt ein minder wichtiges Bedürfnis in die Stelle der
‚abhängigen Bedürfnisse‘, dadurch wird der Grenznutzen und Wert der
Kupferprodukte, und weiterhin endlich der durch ihn vermittelte Grenznutzen
und Wert des Produktivgutes Kupfer herabgedrückt.‘“ (Böhm-Bawerk: „Kapi-
tal und Kapitalzins‘, II. Teil, II. Exkurs VII. 8.257.)
% Genau gesprochen, ist es keine Ursache, sondern eine Bedingung.
Das Verkennen dessen hat eine ähnliche Verwirrung zufolge, wie in der Sozio-
logie die „Theorie der Wechselwirkung. Vgl. z. B. Dietzel: „Diese Alter-
native (nämlich, was als Ursache anzusehen sei: Der Wert der Produktions-
kosten oder der Wert des Produktes. N. B.) aber besteht nicht. Sondern
Wert der Produktivgüter und Wert der Grenzgüter be-
dingen Sich wechselseitig. Kein Produktivgut hat wirt-
schaftlichen Wert, dessen Produk te (Genußgüter) wertlose — nutzlose und
in Ueberfülle vorhandene Objekte ... wären. So erscheint der Wert des Pro -
duktes als Ursache des Wertes des Produktivgutes.“ (Heinrich
Dietzel: „Zur klassischen Wert- und Preistheorie‘, Conrads Jahrbücher,
3. Folge, Bd. I, S. 694.)