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benachbarten Seeplätze. 1 ) Andererseits sucht auch die ostfriesische Aus
fuhr und Einfuhr z. T. in Bremen und Hamburg ihren Markt. 2 ) Hamburgs
Entwicklung charakterisiert gerade umgekehrt das allgemeine Waren
geschäft. Es erwarb in keinem Einzelartikel eine erste europäische
Stellung, aber es wurde seit den Freiheitskriegen die erste Handels
stadt des europäischen Kontinents, indem es Amsterdam überflügelte. 3 )
Allerdings ist dabei in Betracht zu ziehen, dafs sich im neunzehnten
Jahrhundert drei Städte in den Handel der Rheinmündungen teilen. 1 )
Dazu kam die weitreichende Bedeutung, die die Hamburger Bank
für den älteren Geldverkehr hatte.
Der Verkehr Bremens mit den Stapelartikeln empfing einen
besonderen Anstoss, als das Bahnnetz ausgestaltet und gleich
zeitig die Konsolidierung des Zollwesens im Hinterlande erreicht
war. Der Verkehr mit diesen Waren kann über die Grenzen des
üblichen Axverkehrs hinausgreifen, und ein nennenswerter Verkehr
*) Küstenschiffahrt, Konsignation und Landverkehr.
2 ) Max Peters, 1899—1905, I. Bd., S. 169 ff., II. Bd., S. 174 f. f.
3 ) Beutmann, Skizzen S. 157; v. Reden, II. Abt., S. 9.; (Geffken),
Die Stellung der Hansestädte, II, Hamburg 1854, S. 42 ff. u. a. Hamburg importierte
allmähliob die Kolonialwaren direkt, die man früher aus ihm von England zog.
Zucker, Kaffee, Gewürze bilden den stärksten Bestandteil. Dazu kam der alte
Manufaktehandel (MaxPeters, I.Bd., S. 1B2, II. Bd. S. 126). Vor 1885 standHam-
burg unter den europäischen Häfen an fünfter, heute an zweiter Stelle (Schäfer,
Weltgeschichte II. Bd,, S. 331). Hamburg ist heute derjenige Hafen auf dem
Festlande, der im Handel London, das der erste Weltmarkt und für einige
Waren der einzige ist, die stärkste Konkurrenz macht. Die Charakteristik seines
Handels trifft noch heute zu; es ist nach Nemyork der erste Kaffeemarkt. Für
London macht sich namentlich eine Konkurrenz in Kakao, Tee, Gewürzen,
tropischen Naturhölzern und Häuten bemerkbar. Zu dem ersten Auftreten der
neueren Waren, den Anfängen der Kolonialwaren, die z. T. nicht unter Stapel-
uud Gastrecht der althansischen Waren gezogen wurden, s. hamburgisches Rats
mandat von 1604 bei Joh. Friedr. Blank, Sammlung der von E. H. Rath
der Stadt Hamburg ausgeg, Mandate, Hamburg 1763, I. Teil, No. 265, S. 491.
4 ) Amsterdams und auch Rotterdams grofse Bedeutung beruhte auf dem
Handel der holländischen Kolonialprodukte. Amsterdam hat heute noch die
Bedeutung eines Weltmarktes für ostindische Produkte und bedient im übrigen
sein Hinterland. Rotterdam hat heute starken Eigeuhandel nur in Kaffee,
und im übrigen eine grofse Blüte des Speditionsgeschäfts. Antwerpen hat
ähnlich wie Hamburg angefangen London in früheren Monopolartikeln Kon
kurrenz zu machen und hat eine führende Rolle in argentinischem Weizen und
Häuten und westafrikanischem Elfenbein. Havre, dessen Übergreifen sogar nach
Südwestdeutschland unter den früheren Verhältnissen in Betracht kam,
ist heute noch von Bedeutung für den Handel mit Kakao und Gewürzen
und wegen seiner Beteiligung am Kapitalmarkt, gegenüber seiner früheren
Stellung heute von Bremen überflügelt. — S. a. Max Peters, I. Bd., S. 141;
Duckwitz, Denkwürdigkeiten, S. 34.