Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

Bochum,  ben  31.  Mai  1918.
An  das  Neichsschatzamt,  Berlin,
Unterzeichnete  Organisation  gestattet  sich,  dem  Reichsschatzamt
  folgende  Eingabe  zu  unterbreiten:
Tie  heute  schon  im  hiesigen  Jndustriebezirke  herrschende
Wohnungsnot  zwingt  uns,  das  Reichsschatzamt  zu  ersuchen,  baldigst ­
  den  Beschlüssen  des  Reichstages,  das  Wohnungswesen  betreffend, ­
  zu  entsprechen.  Es  ist  nicht  anzunehmen,  das;  durch
Private  Bautätigkeit  der  Wohnungsnot  gesteuert  wird.  Die  jedenfalls ­
  auch  nach  Abschluß  des  Friedens  bestehende  Baukostenverteuerung ­
  und  starke  Inanspruchnahme  des  Kapitalmarktes
wird  hindernd  auf  die  private  Bautätigkeit  wirken.  Wir  bitten
deshalb  das  Reichsschatzamt,  daß  es  auf  den  Bundesrat  einwirkt,
danrit  dieser  die  Bundesstaaten  veranlaßt,  sich  in  gleichem  Umfange ­
  wie  das  Reich  an  der  Aufbringung  von  Miteln  für  die
Neubautätigkeit  zu  beteiligen.  Höchst  notwendig  ist  auch,  daß  die
einzelnen  Gemeinden,  wo  der  Wohnungsmangel  sich  bemerkbar
macht,  mit  zur  Aufbringung  von  Mitteln  für  Erstellung  von
Neubauten  veranlaßt  werden.  Die  Versicherungsträger,  Krankenkassen, ­
  Landesversicherungsanstalten,  Berufsgenossenschaften  usw.,
verfügen  auch  über  sehr  viel  freies  .Kapital,  und  möge  das  Reichsschatzamt ­
  auch  diese  Stellen,  sowie  die  öffentlichen  Sparkassen
darauf  aufmerksam  machen,  daß  sie  ihre  verfügbaren  Bestände
möglichst  in  Darlehen  zu  Kleinwohnungsbauten  bei  mäßigem
Zinsfuß  anlegen.
In  der  Erwartung,  daß  das  Reichsschatzamt  schnellstens  die
Mittel  bereitstellt,  um  die  Neubautätigkeit  zu  beschleunigen  und
in  vorangeführtem  Sinne  auf  den  Bundesrat  einwirkt,  zeichnet
hochachtungsvoll!
Ter  Vorstand  des  Verbandes  der  Bergarbeiter  Deutschlands.
Bochum,  den  31.  Mai  1918.
An  den  Hohen  Bundesrat,  Berlin.
Unterzeichnete  Organisation  gestattet  sich,  dem  Hohen  Bundesrat ­
  folgende  Eingabe  zu  unterbreiten:
Nachdem  der  Reichstag  den  Beschlüssen  des  l0.  Ausschusses
(Wohnungswesen)  zugestimmt  hat.  und  das  Reichswirtschaftsamt ­
  aus  Reichsmitteln  500  Millionen  Mark  zur  Bildung  eines
Bürgschaftsfonds  zwecks  Gewährung  von  billigen  Darlehen  und,
Äauzuschüssen  bereitstellt,  ersuchen  wir  den  Hohen  Bundesrat,
auch  die  einzelnen  Bundesstaaten  zur  Bereitstellung  von  Mitteln
zu  bewegen.  Ferner  möchten  wir  den  Hohen  Bundesrat,  bitten,
die  Bundesstaaten  zu  veranlassen,  in  Gemeinschaft  mit  dem
Reichswirtschaftsamt  alle  Vorbereitungen  und  Maßnahmen  zu
treffen,  damit  eine  Planmäßige  und  umfassende  Wohnungserstellung ­
  ermöglicht  wird.  Wir  erwarten  auch  von  dem  Hohen
            
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