Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith.

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Die  französische  Revolution,  die  in  ihren  wirtschaftlichen  Maßnahmen ­
  hauptsächlich  von  den  Grundsätzen  der  Physiokraten  ansging, ­
  hatte  allen  freiheitlichen  Prinzipien  einen  mächtigen  Aufschwung ­
  gegeben.  Überall  auf  dem  Kontinent  ist  ihr  Einfluß  ersichtlich. ­
  Sogar  in  England,  wo  dieser  Einfluß  geringer  war,  drängte
alles  dem  laisser-faire  zu.  Pitt  wollte  Irland  von  veralteten  Einschränkungen ­
  befreien,  w T as  er  durch  das  Einverleibnngsgesetz  (act
of  union)  vom  Jahre  1800  erreichte.  Die  Verordnungen  der  Königin
Elisabeth  über  die  Lehrlinge,  die  Arbeitszeit,  die  Festsetzung  des
Lohnes  durch  die  Friedensrichter,  erschienen  täglich  mehr  veraltet,
je  mehr  sich  die  Großindustrie  entwickelte.  Alle  Geschichtsschreiber
der  industriellen  Umwälzung  haben  den  Kampf,  der  sich  auf  diesem
Gebiete  zwischen  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  abspielte,  beschrieben.
Die  Arbeiter  klammerten  sich  verzweifelt  an  die  alte  Gesetzgebung,
in  der  sie  ihren  einzigen  Schutz  gegen  zu  schnelle  Veränderungen  erblickten. ­
  Die  Arbeitgeber  lehnten  es  ab,  in  der  Anwerbung  ihrer
Arbeiter  oder  in  dem  inneren  Betriebe  ihrer  Fabriken  irgendwie  beschränkt ­
  zu  werden.  Sie  wollten  ihre  Maschinen  möglichst  lange
laufen  lassen  und  Löhne  zahlen,  wie  sie  ihnen  paßten.  Unter  ihren
beständigen  Angriffen  zerbröckelte  nach  und  nach  das  alte  Lehrlingsgesetz. ­
  Eine  Bestimmung  nach  der  anderen  wird  vom  Parlament
abgeschafft.  1814  sind  seine  letzten  Spuren  auf  immer  verschwunden.
Diese  Umstände  hatte  Smith  nicht  voransgesehen.  Es  war  ihm
nicht  eingefallen,  den  „Kaufleuten  und  Fabrikanten“  zu  Liebe  zu
schreiben.  Im  Gegenteil,  er  hatte  nicht  aufgehört,  ihre  Monopolsucht
anzugreifen.  Und  plötzlich  werden  die  Fabrikanten  und  Kaufleute
infolge  des  Laufes  der  Dinge  seine  besten  Verbündeten.  In  ihrem
Kampf  liefert  sein  Werk  ihnen  die  Waffen,  und  seine  Autorität  ist
ihre  Stütze.
Diese  Autorität  war  übrigens  im  steten  Wachsen.  Sogleich  nach
dem  Erscheinen  des  Volkerreichtums  hatten  Männer  wie  Hume
und  der  Historiker  Gibbon  Smith  und  seinen  Freunden  ihre  Bewunderung ­
  über  das  neue  Werk  ausgesprochen.  Ein  Jahr  darauf
entlieh  ihm  der  Premierminister  Lord  Nouth  den  Gedanken  neuer
Steuern,  die  er  brauchte:  die  Steuer  auf  Wohnhäuser  und  die  Steuer
auf  Malz.  Smith  sollte  eine  noch  bedeutendere  Bekehrung  zustande
bringen:  die  Pitt’s,  der  bei  Erscheinen  des  Völkerreichtums  noch
Student  war  und  später  sich  stets  als  Anhänger  Smith’s  bezeichnete.
Kaum  Minister  geworden,  bemühte  er  sich,  Smith’s  Ideen  zu  verwirklichen. ­
  Er  war  es,  der  den  ersten  liberalen  Handelsvertrag  mit
Frankreich  Unterzeichnete:  den  Eden-Vertrag  1 ),  von  1786.  Als  Smith

0  Nach  dem  Namen  seines  englischen  Hauptunterhändlers,  Lord  Eden.
            
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