Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Yon  einem  großen  Hotel  darin,  daß  es  nicht  für  die  Reichen  allein
berechnet  ist,  denn  es  gibt  Zimmer  und  Kost  in  allen  Preislagen,
//  nämlich  fünf  Klassen  und  sogar  noch  eine  Gratisklasse.  Man  könnte
daher  sagen,  daß  es  eine  Verbindung  zwischen  einem  Palasthotel
und  einer  Herberge  zur  Heimat  ist,  wie  die  in  London  (Rowton  House)
oder  in  Mailand  (Albergo  Popolare).
Hier  besteht  also  kein  anderer  Kommunismus,  als  der  des  gemeinsamen ­
  Verbrauches,  der  alle  Reisenden  unter  dem  gleichen  Dache
und  an  dem  gleichen  Tische  vereinigt:  nur  würde  das,  anstatt  wie
heute  gelegentlich,  beständig  sein,  und  für  alle  die  normale  Existenz
werden.  Warum  legte  nun  Foueiek  dieser  Existenzweise  eine  so
große  Bedeutung  bei,  um  daraus  die  conditio  sine  qua  non  seines
Systems  zu  machen  und  darin  die  Lösung  aller  sozialen  Fragen  zu
sehen?  Weil  er,  ebenso  wie  Owen,  zuerst  ein  günstiges  Milieu
schaffen  will,  das  von  dem  heutigen  Milieu  völlig  verschieden  ist,
und  in  dem  die  neuen  Menschen  sich  in  aller  Freiheit  entwickeln
können.
Vom  wirtschaftlichen  Gesichtspunkt  aus  hat  das  Leben  unter
demselben  Dache  als  Zweck,  das  Maximum  an  Bequemlichkeit  mit
.  dem  Minimum  an  Ausgaben  für  den  Verbraucher  zu  verwirklichen,
indem  es  die  kleinliche  und  lästige  Einrichtung  des  Familienhaushaltes
durch  den  Großhaushalt  für  Küche,  Heizung,  Beleuchtung,  Bäder  und
Aufwartung  ersetzt.
Vom  sozialen  Gesichtspunkt  aus  bezweckt  das  Leben  unter  demselben ­
  Dache,  indem  es  die  Menschen  der  verschiedensten  Kreise  in
tägliche  Berührung  bringt,  „ihre  gegenseitigen  Gefühle  —  die  sich
heute,  wie  er  eindrucksvoll  sagt,  „in  einer  steigenden  Skala  des
Hasses  und  einer  fallenden  Skala  der  Verachtung  bewegen“  —  durch
eine  auf  Sympathie  beruhende  Anziehung  („attraction  sympathique“)
zu  ersetzen,  und  außerdem  das  Leben  durch  die  Menge  der  Beziehungen, ­
  der  Interessen,  sogar  der  Intrigen,  die  diese  ganze  kleine
Welt  bewegen  würden,  interessanter  zu  machen.
Foueibb  kann  sich  nicht  genug  darin  tun,  diese  doppelte  Reihe
von  Vorteilen  auszumalen.  Er  berechnet  und  beziffert  die  Ersparnisse
mit  der  Genauigkeit  eines  alten  Kassierers  und  rühmt  die  Überlegenheit ­
  des  Wirtshauslebens  über  die  Hausmannskost  mit  der  Voreingenommenheit ­
  eines  alten,  durch  nichts  ernüchterten  Hagestolzes.  Die
moralischen  und  sozialen  Vorzüge,  die  sich  aus  der  Gemeinsamkeit
des  Lebens  ergeben  würden,  erscheinen  allerdings  recht  zweifelhaft.
Eine  Psychologie,  die  glaubt,  daß  durch  die  Nachbarschaft  der  Reichen
die  Armen  freundlich  und  höflich  und  die  Reichen  glücklicher  werden,
ist  doch  etwas  einfältig.  Was  jedoch  die  wirtschaftlichen  Vorteile
eines  gemeinsamen  Lebens  anlangt,  so  sind  sie  unbestreitbar,  und
            
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