Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

der  mittleren  und  der  kleinen  Vermögen  steigt  beständig.  Gerade
die  Aktiengesellschaften,  in  denen  die  marxistische  Schule  eine  Bestätigung ­
  ihrer  These  gesucht  hat,  dienen  im  Gegenteil  dazu,  das
Eigentum  an  eine  unendliche  Zahl  von  Personen  zu  verteilen,  woraus
sich  ergibt,  daß  die  Konzentration  der  Unternehmungen  und  die  Konzentration ­
  des  Eigentums  zwei  ganz  verschiedene  Dinge  sind.  Die
sich  immer  stärker  entwickelnden  Kooperativgenossenschaften  haben,
wer  kann  sagen,  wie  viele  Proletarier  in  kleine  Besitzer  verwandelt!
Die  Behauptung  Marx’,  daß  die  Expropriation  der  Zukunft  viel  leichter
durchführbar  sein  wird  als  die  der  Vergangenheit,  weil  es  genügen ­
  wird,  „einige  zugunsten  der  Masse  zu  expropriieren“,  ist  daher ­
  vollständig  unrichtig.  Gerade  die  Masse,  und  zwar  eine  Masse,
die  stetig  wächst,  müßte  expropriiert  werden.  Schon  heute  besitzt
sicherlich  die  Hälfte  aller  Franzosen  irgend  welches  Eigentum,  Wertpapiere,
  Grund  und  Boden,  oder  Häuser.  Früher  sprachen  die  Kollektivisten
  mit  Verachtung  von  jenen  Fetzen  oder  sogar  von  Jenen  Lumpen“
Eigentums  und  sagten,  daß  sie  am  Tage  der  Expropriation  voller  Freude
für  die  Vorteile  weggeworfen  werden  würden,  die  sich  aus  einem  sozialen
Miteigentum  ergeben.  Aber  der  Beweis,  daß  sie  heute  nicht  mehr  daran
glauben,  ist,  daß  sie  selbst  jetzt  schon  eine  andere  Sprache  führen  und
sich  verpflichten,  diese  „Eigentumsfetzen“  ihren  Besitzern  zu  erhalten.
In  dieser  Hinsicht  hat  ihr  Programm  schon  einige  Veränderungen,
wenn  nicht  einige  Hisse  erhalten.  Als  es  in  dem  kommunistischen ­
  Manifest  formuliert  worden  war,  vor  mehr  als  einem  halben
Jahrhundert,  rechnete  man  damit,  daß  das  kleine  Eigentum  sehr  bald
verschwinden  würde.  Da  dann  der  ganze  Besitz  in  einer  kleinen
Anzahl  von  Händen  konzentriert  und  andererseits  die  Masse  der
Proletarier  um  all  die  expropriierten  früheren  kleinen  Besitzer  vermehrt ­
  sein  würde  —  so  würden  die  letzteren  nur  eine  Handbewegung ­
  zu  machen  brauchen,  um  die  ersteren,  sei  es  auf  dem  Wege
der  Revolution,  sei  es  einfach  durch  den  zum  Gesetz  erhobenen  Willen
der  Mehrheit,  hinwegfegen  zu  können.
Zum  Unglück  für  die  Ausführung  dieses  Programms  mußte  man
leider  konstatieren,  daß  „der  Verfall  des  bürgerlichen  Eigentums“
weder  unvermeidlich  noch  nahe  bevorstehend  erschien.  Nicht  nur
befand  sich  das  kapitalistische  Großeigentum  außerordentlich  wohl  —
worin  natürlich  eine  Bestätigung  der  marxistischen  Theorie  und  nicht
ihre  Widerlegung  liegt  —  sondern  auch  das  Kleineigentum  und  die
Kleinindustrie  wollten  augenscheinlich  durchaus  noch  nicht  das  Zeitliche ­
  segnen.  Was  sollte  man  nun  tun?  Man  konnte  nicht  hoflen,
die  Verwirklichung  der  sozialen  Revolution  ohne  oder  gegen  den
Willen  dieser  riesigen  Menge  von  Landleuten,  Handwerkern,  Krämern
usw.  durchzuführen  —  und  zwar  ebensowenig  durch  Anwendung  von
            
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