Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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Aller  gesellschaftlichen  Hierarchie,  bis  zu  ihrem  Oberhaupt,
bringen  sie  die  größte  Ehrerbietung  entgegen.  Sie  weisen  jede  Idee,
den  Adel  oder  die  Monarchie  angreifen  zu  wollen,  weit  von  sich.
Was  sie  wollen,  ist  eine  Regierung  unter  der  Form  einer  einzigen,
zentralisierten,  erblichen  Monarchie,  ohne  Gegengewicht  und  allmächtig. ­
  Was  sie  wollen,  und  sie  fürchten  sich  nicht,  es  bei  seinem
Namen  zu  nennen,  ist:  Der  Despotismus 1 ).
‘„Möge  die  souveräne  Autorität  allen  Einzelpersonen  der  Gesellschaft ­
  und  allen  ungerechten  Unternehmungen  der  individuellen
Interessen  einzigartig  und  erhaben  gegenüber  stehen,  denn  das  Objekt
der  Herrschaft  und  des  Gehorsams  ist  die  Sicherheit  und  das  berechtigte ­
  Interesse  aller.  Die  Theorie  des  Gleichgewichts  der  Kräfte
111  einer  Regierung  ist  eine  verderbliche  Meinung  (Quesnay,
Maximes)  *)/
Wieweit  sind  wir  jetzt  von  der  Trennung  der  Regierungsgewalten ­
  Montesqtjieu’s  ?  und  ebenso  von  der  Dezentralisation  und
v °m  Kantonalismus!  Bemerkenswert  ist,  daß  die  Frage  der  Steuerbewilligung ­
  durch  die  Steuerzahler  überhaupt  nicht  angeschnitten  wird.
Ulan  darf  aber  nicht  vergessen,  daß  diese  Garantie,  die  der  Ausgangsbörti



Welt

en  nicht  auf,  den  fruchtbarsten  (!)  und  bestgelegenen  Boden  der  bekannten

mit  menschlichem  Blut  zu  röten  und  in  eine  Einöde  zu  verwandeln“  (Baüdbau,

s -  800).
„Selbstverständlich  kann  ein  demokratischer  Herrscher  (das  Volk)  seine  Autoriät
Y  11  se lbst  ausüben  und  kann  nichts  anderes  tun,  als  Vertreter  za  bestellen.  Die
Hieter  sind  Einzelpersonen,  deren  Ämter  notwendig  nur  vorübergehende  Dauer
w  en -  Diese  „Vorübergehenden“  können  daher  nie  in  beständiger  Interessenj^^mschaft
  mit  der  Nation  sein.  Deshalb  ist  eine  solche  Verwaltungsform  nicht
die  ,k' ail S  mit  der  natürlichen  Ordnung.  —  Das  gleiche  gilt  von  einem,  sich  auf

üblich,

Aristokratie  stützenden  Herrscher  und  ebenso  von  einem  Wahlkönig.  Nur  die

„  5 n  Monarchen,  deren  persönliche  und  Sonderinteressen  jetzt  und  in  Zukunft
s  mit  denen  ihres  Volkes  durch  den  Anteil,  den  sie  an  allen  Keinerträgen  ihres
°hes  haben,  verknüpft  sind,  können  in  Frage  kommen“  (Düpont  I,  S.  359,  360).
71  i,  ® an  könnte  beinahe  glauben  Wilhelm  II.  über  die  Hohenzollern  sprechen
11  hören!

Die  Kritiken  der  parlamentarischen  Kegierungsform  von  Düpont  de  Nemours
’j ber  „die  allgemeine  Korruption  als  notwendige  Folge“  und  „sein  fressendes  Gift,
las  die  Vereinigten  Staaten  noch  nicht  ergriffen  hat“  (Brief  an  J.-B.  Say,  S.  41  )
Slud  äußerst  merkwürdig,  liegen  aber  außerhalb  einer  Geschichte  der  Doktrinen.
.  l )  Nur  in  dieser  einfachen  und  natürlichen  Eegierungsform  sind  die  Herrscher
^rkliche  Despoten  und  können  alles,  was  sie  für  ihr  Wohl  beabsichtigen,  ausfuhren
iDüpont,  S.  364).  .  .
,  2 )  Die  Physiokraten  verlangten  aber  eine  zu  wählende  Nationalversammlung,
ihr  jedoch  irgendwelche  gesetzgeberischen  Befugnisse  einzuräumen;  es  sollte
aas  einfach  ein  Staatsrat  sein,  der  sich  hauptsächlich  mit  den  öffentlichen  Arbeiten
* nd  der  Stenerverteilung  zu  befassen  hätte.  Vgl.  die  Betrachtungen  Esmein  s  über
(d 6  .  v0n  den  Physiokraten  vorgeschlagene  Nationalversammlung
e *ichte  der  „Academie  des  Sciences  Morales  et  Politiqnes  ,  1904).
            
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