616
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
auf die reine Ökonomik zu beschränken. Aber andere Führer dieser
Schule haben es sehr wohl verstanden, darzulegen, daß sie sich durch
ihre Methode keineswegs dem Optimismus und dem Quietismus ver
schrieben hätten. Ohne von Stanley Jevons zu sprechen, der sich
in seinem Buch „Social Reforms -< klar und deutlich zum Inter
ventionismus bekennt, hat sich Waleas in die Vorhut der Agrar
sozialisten gestellt. Wenn er aus dem Bereich der Nützlichkeit in
den der Gerechtigkeit übergeht (er selbst hat mit großem Nachdruck
darauf hingewiesen, daß es sich hier um zwei verschiedene Welten
handelt), so sucht er doch so viel wie möglich die Herrschaft der
freien Konkurrenz zu verwirklichen. Aber nicht etwa wie die liberale
Schule durch das Laisser-faire, sondern durch die Abschaffung jeden
Monopols, — und zu allererst durch die Abschaffung des Monopols,
das die Grundlage aller anderen bildet, des Besitzes am Boden. Das
System, das er in seiner Sozial Ökonomie darlegt, führt aus, daß
der Boden dem Staat gehören muß, und daß alle Steuern abgeschatft
werden müssen. Die beiden Reformen stützen sich gegenseitig, da
der Staat statt der Steuern die Bodenrente einziehen soll, und beide
haben den gleichen Zweck: die freie Konkurrenz zu ermöglichen und
hierdurch einem jeden das unverkürzte Produkt seiner Arbeit zu
sichern — ein Produkt, das unter der bestehenden Herrschaft durch
einen doppelten Abzug verringert wird —, den, den die Grundbesitzer
in Gestalt der Bodenrente nehmen, und den, den der Staat in Form
von Steuern erhebt 1 )- Wenn man sich weiterhin ins Gedächtnis
znrückruft, daß der Gleichgewichtspunkt des wirtschaftlichen Systems
Waleas’ dort liegt, wo für jeden Gegenstand eine vollständige Über
einstimmung zwischen den Produktionskosten und dem Verkaufspreis
verwirklicht ist, und wo infolgedessen der Gewinn auf Null gesunken
ist, so muß ein jeder selbst erkennen, wie weit wir damit von einer
Apologie der bestehenden Wirtschaftsordnung entfernt sind!
Ein anderer Vertreter dieser Schule, Vilfhedo Paheto, bindet
sich in seinen persönlichen Ansichten keineswegs an die hedonistische
sehr richtig sagt: das Maximum an Ophelimität kann in einer Gleichung ausgedrüekt
werden, das Maximum an Gerechtigkeit nicht.
*) Nach Walsas würde dieses System einen anderen Vorteil aufweisen, der
in der Erleichterung der Einführung des Freihandels besteht, „der das Ideal der
Wissenschaft ist“, indem es die hauptsächlichsten Binwürfe widerlegt, die auf der
Ungleichheit der Steuerlasten in dem einen und dem anderen Lande und auf der un
gleichen Fruchtbarkeit des Bodens beruhen. Der Freihandel bedeutet die Abschaffung
der Steuern und die Nationalisierung des Bodens, weil nur unter dieser Bedingung
Kapital und Arbeit sich frei bewegen und dorthin gehen können, wo ihre Verwendung
am vorteilhaftesten ist.“ (La Paix par la justice sociale et par le libre-
echange — Der Friede auf Grund der sozialen Gerechtigkeit und dem Freihandel —,
in Qnestions pratiques de Legislation ouvriere, Sept./Okt. 1907).