Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

auf  die  reine  Ökonomik  zu  beschränken.  Aber  andere  Führer  dieser
Schule  haben  es  sehr  wohl  verstanden,  darzulegen,  daß  sie  sich  durch
ihre  Methode  keineswegs  dem  Optimismus  und  dem  Quietismus  verschrieben ­
  hätten.  Ohne  von  Stanley  Jevons  zu  sprechen,  der  sich
in  seinem  Buch  „Social  Reforms -<  klar  und  deutlich  zum  Interventionismus ­
  bekennt,  hat  sich  Waleas  in  die  Vorhut  der  Agrarsozialisten ­
  gestellt.  Wenn  er  aus  dem  Bereich  der  Nützlichkeit  in
den  der  Gerechtigkeit  übergeht  (er  selbst  hat  mit  großem  Nachdruck
darauf  hingewiesen,  daß  es  sich  hier  um  zwei  verschiedene  Welten
handelt),  so  sucht  er  doch  so  viel  wie  möglich  die  Herrschaft  der
freien  Konkurrenz  zu  verwirklichen.  Aber  nicht  etwa  wie  die  liberale
Schule  durch  das  Laisser-faire,  sondern  durch  die  Abschaffung  jeden
Monopols,  —  und  zu  allererst  durch  die  Abschaffung  des  Monopols,
das  die  Grundlage  aller  anderen  bildet,  des  Besitzes  am  Boden.  Das
System,  das  er  in  seiner  Sozial  Ökonomie  darlegt,  führt  aus,  daß
der  Boden  dem  Staat  gehören  muß,  und  daß  alle  Steuern  abgeschatft
werden  müssen.  Die  beiden  Reformen  stützen  sich  gegenseitig,  da
der  Staat  statt  der  Steuern  die  Bodenrente  einziehen  soll,  und  beide
haben  den  gleichen  Zweck:  die  freie  Konkurrenz  zu  ermöglichen  und
hierdurch  einem  jeden  das  unverkürzte  Produkt  seiner  Arbeit  zu
sichern  —  ein  Produkt,  das  unter  der  bestehenden  Herrschaft  durch
einen  doppelten  Abzug  verringert  wird  —,  den,  den  die  Grundbesitzer
in  Gestalt  der  Bodenrente  nehmen,  und  den,  den  der  Staat  in  Form
von  Steuern  erhebt 1 )-  Wenn  man  sich  weiterhin  ins  Gedächtnis
znrückruft,  daß  der  Gleichgewichtspunkt  des  wirtschaftlichen  Systems
Waleas’  dort  liegt,  wo  für  jeden  Gegenstand  eine  vollständige  Übereinstimmung ­
  zwischen  den  Produktionskosten  und  dem  Verkaufspreis
verwirklicht  ist,  und  wo  infolgedessen  der  Gewinn  auf  Null  gesunken
ist,  so  muß  ein  jeder  selbst  erkennen,  wie  weit  wir  damit  von  einer
Apologie  der  bestehenden  Wirtschaftsordnung  entfernt  sind!
Ein  anderer  Vertreter  dieser  Schule,  Vilfhedo  Paheto,  bindet
sich  in  seinen  persönlichen  Ansichten  keineswegs  an  die  hedonistische

sehr  richtig  sagt:  das  Maximum  an  Ophelimität  kann  in  einer  Gleichung  ausgedrüekt
werden,  das  Maximum  an  Gerechtigkeit  nicht.
*)  Nach  Walsas  würde  dieses  System  einen  anderen  Vorteil  aufweisen,  der
in  der  Erleichterung  der  Einführung  des  Freihandels  besteht,  „der  das  Ideal  der
Wissenschaft  ist“,  indem  es  die  hauptsächlichsten  Binwürfe  widerlegt,  die  auf  der
Ungleichheit  der  Steuerlasten  in  dem  einen  und  dem  anderen  Lande  und  auf  der  ungleichen ­
  Fruchtbarkeit  des  Bodens  beruhen.  Der  Freihandel  bedeutet  die  Abschaffung
der  Steuern  und  die  Nationalisierung  des  Bodens,  weil  nur  unter  dieser  Bedingung
Kapital  und  Arbeit  sich  frei  bewegen  und  dorthin  gehen  können,  wo  ihre  Verwendung
am  vorteilhaftesten  ist.“  (La  Paix  par  la  justice  sociale  et  par  le  libreechange
  —  Der  Friede  auf  Grund  der  sozialen  Gerechtigkeit  und  dem  Freihandel  —,
in  Qnestions  pratiques  de  Legislation  ouvriere,  Sept./Okt.  1907).
            
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