Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

Bedingungen,  die  dem  Austausche  zugrunde  liegen,  noch  um  die  Folgen,
die  er  möglicherweise  haben  kann.  So  z.  B.  hat  der  Austausch
zwischen  Jakob  und  Esau,  bei  dem  dieser  sein  Erstgeburtsrecht  für
ein  Linsengericht  abtrat,  für  beide,  und  nicht  nur  für  Jakob,  das
hedonistische  Maximum,  das  mit  den  gegebenen  Bedingungen  verträglich ­
  war,  verwirklicht:  wird  doch  gesagt,  daß  Esau  Hungers
starb  1 ),  und  war  es  in  diesem  Fall  für  ihn  nicht  äußerst  vorteilhaft,
Nahrungsmittel  zu  erhalten?  Und  wenn  Jakob  ihm,  anstatt  der  Linsen,
eine  Flasche  Absinth  verkauft  hätte,  so  würde  vom  hedonistischen
Gesichtspunkt  aus  der  Tausch  ebenso  das  Maximum  an  Befriedigung
verwirklicht  haben,  denn  der  Grenznutzen  oder  die  Ophelimität  haben
ebensowenig  etwas  mit  der  Hygiene  wie  mit  der  Moral  zu  schaffen.
Alles,  was  ein  Hedonist  in  dem  vorliegenden  Falle  sagen  kann,
ist  folgendes:  wenn  es  anstatt  eines  einzigen  mehrere  Jakobs  gegeben ­
  hätte,  die  Linsen  anboten,  so  würde  Esau  einen  vorteilhafteren
Handel  haben  abschließen  können  5 ).  In  diesem  Sinne  behauptet  daher
die  hedonistische  Schule  die  Überlegenheit  der  Konkurrenz  über  das
Monopol.  Sie  gibt  aber  nicht  vor,  daß  Esau  nicht  von  Jakob  ausgebeutet ­
  worden  sei,  und  hält  es  keineswegs  für  notwendig,  daß  in
den  Gesellschaften  nur  Esaus  und  Jakobs  existieren *  2  3  * ).
Ebenso  erklärt  v.  Böhm-Bawerk  hinsichtlich  des  Zinses  ganz
ausdrücklich  in  der  berühmten  Theorie,  die  seinen  Namen  trägt,  daß
er  nur  eine  Erklärung  der  Tatsache  des  Zinses  und  nicht  eine
Rechtfertigung  suche.  Böhm-Baweek  kritisiert  die  normativen
Erklärungen  des  Zinses,  die  man  seit  Jahrhunderten  zu  finden  gesucht ­
  hat.  Er  bemüht  sich  im  besonderen,  nachzuweisen,  daß  der
Zins  weder  eine  Gewinnbeteiligung  an  der  Produktivität  des  Kapitals
ist,  noch.  auch  eine  Mietszahlung  für  den  Gebrauch  des  Kapitals,
noch  ein  von  der  Börse  dem  ausgebeuteten  Borger  auferlegter  Tribut,
b  Der  Verfasser  bezieht  sich  hier  auf  die  franz.  Bibelübersetzung,  wahrscheinlich
die  von  L.  Segohd,  die  I.  Moses  25,  32  lautet;  „Voici,  je  m’en  vais  monrir“  (Siehe
ich  bin  am  Sterben).  In  der  LoTHER’schen  Übersetzung  heißt  es:  „Siehe,  ich  muß
doch  sterben“  und  in  der  kritischen  Bibelübersetzung  von  Kautzsch  (2.  Ausg.  1896),
„Ach,  ich  muß  doch  schließlich  sterben“.
Bei  den  Schlußfolgerungen  des  Verfassers  darf  nicht  vergessen  werden,  daß  er
annimmt,  Esau  sei  dem  Tode  nahe  gewesen  (Anm.  d.  Ubers).
2 )  Er  könnte  auch  noch  sagen,  daß  der  Handel  für  Esau  vorteilhafter  gewesen ­
  wäre,  wenn  Jakob  viel  mehr  Linsen  gehabt  hätte,  als  er  überhaupt  verbrauchen
konnte,  denn,  sogar  unter  der  Herrschaft  des  Monopols  sind  für  den  Käufer  günstige
Umstände  möglich.
3 )  Vilfkedo  Paheto  sagt:  „Zum  Zwecke  unserer  Demonstration  haben  wir  angenommen, ­
  daß  die  wirtschaftlichen  Güter  in  Besitz  genommen  sind.  Es  würde  daher ­
  eine  petitio  principii  sein,  wenn  man  aus  dem  eben  bewiesenen  Theorem  den
Schluß  ziehen  wollte,  daß  die  Besitzergreifung  der  wirtschaftlichen  Güter
ein  Maximum  an  Wohlstand  hervorruft.
            
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