Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

steiler,  wie  der  Dramatiker  und  Kritiker  Beenaed  Shaw,  der  Historiker
Sydney  Webe  und  Frau  Wbbb,  der  Romanschriftsteller  H.  G.  Wells.
Durch  ihren  Verkehr  in  den  verschiedenartigsten  Gesellschaftskreisen,
durch  ihre  Mitarbeit  an  Zeitungen  und  Zeitschriften  jeder  Art  und
jeder  Partei,  durch  Veröffentlichung  von  Broschüren  und  Veranstaltung
von  Vorträgen  ist  es  ihnen  gelungen,  die  Diskussion  ihrer  Ideen  zu
erzwingen.  Diese  Ideen  sind  in  einer  merkwürdigen  Sammlung  von
Aufsätzen  unter  dem  Titel  „Fabian  Essays“,  die  1889  erschienen,
zusammengefaßt.  Man  findet  hierin  zwar  nicht  den  Ausdruck  der
Anschauungen  der  fabischen  Gesellschaft  selbst,  aber  den  der  hauptsächlichsten ­
  Fabier.  Denn  man  darf  nicht  vergessen,  daß  die  Gesellschaft ­
  als  solche  nur  eine  praktische,  aber  keine  theoretische  Lehre
vertritt.  Sie  nennt  sich  ausdrücklich  sozialistisch  x )  und  erstrebt  die
Umformung  des  Privateigentums  in  Kollektiveigentum.  Sie  erklärt
aber,  daß  „sie  keine  besondere  Meinung  irgendwelcher  Art  über  die
Frage  der  Ehe,  der  Religion,  der  Kunst,  der  theoretischen  Volkswirtschaft, ­
  der  geschichtlichen  Entwicklung,  des  Geldumlaufs  oder
über  irgendeinen  anderen  Gegenstand  hat,  ausgenommen  über  ihr
eigenes  und  besonderes  Ziel:  die  Demokratie  und  den  praktischen
Sozialismus“  *  2 ).  Die  wirtschaftlichen  Theorien,  die  uns  hier  interessieren, ­
  sind  daher  bloß  persönliche  Ansichten  gewisser  Mitglieder
dieser  Gesellschaft.  Sie  läßt  sie  natürlich  als  Leitsätze  gelten,  aber
sie  haben  nicht  ihre  offizielle  Bestätigung  erhalten  und  werden  nicht
von  allen  ihren  Anhängern  unterschrieben 3 ).
*)  „Der  Sozialismus,  so  wie  ihn  die  fabische  Gesellschaft  versteht,  bedeutet  die
Organisation  und  die  Leitung  der  notwendigen  Industrien  des  Landes,  wie  auch  die
Aneignung  aller  Formen  der  ökonomischen  Rente  des  Bodens  und  des  Kapitals,  durch
die  Gesamtheit  der  Nation,  durch  das  Zwischenglied  der  am  besten  dazu  geeigneten
öffentlichen  Gewalten,  wie  kirchgemeindlichen,  provinzialen  und  anderen  Behörden.
Der  von  der  fabischen  Gesellschaft  geforderte  Sozialismus  ist  ausschließlich  der  Staatssozialismus.“ ­
  (Dieses  Wort  wird  im  Gegensatz  zu  dem  anarchistischen  Sozialismus
angewendet.)  .  .  .  Andererseits  „verwirft  die  fabische  Gesellschaft  naohdrücklichst
jeden  Plan,  der  darauf  abzielt,  einer  Person  oder  einer  Gruppe  von  Personen  den
vollen  Arbeitsertrag  zu  garantieren.  Sie  erkennt  an,  daß  der  Reichtum  in  seinen
Ursprüngen  sozial  ist  und  in  seiner  Verteilung  sozial  bleiben  muß,  da  die  industrielle
Entwicklung  es  unmöglich  gemacht  hat,  den  Sonderbeitrag  einer  jeden  Person  zum
gemeinsamen  Gesamtprodukt  zu  unterscheiden  oder  seinen  Wert  zu  schätzen“  (Report ­
  on  Fabian  policy).
2 )  Ebenda.
3 )  Außer  den  Fabian  Essays,  die  1889  erschienen,  sind  die  hauptsächlichsten
Veröffentlichungen,  in  denen  man  den  Ausdruck  der  fabischen  Ideen  findet,  die
Fabian  Traots,  sehr  zahlreiche  Broschüren  über  die  verschiedensten  Gegenstände;
weiterhin  die  Werke  von  Herrn  und  Frau  Webe:  History  of  Trade-Unionism
(franz.  Übers,  von  MLtin)  und  besonders  Industrial  Democracy,  hauptsächlich
Kap.  I  und  II  des  3.  Teiles;  und  endlich  die  Problems  of  modern  industry
(1898),  eine  Zusammenstellung  der  Vorträge  und  Aufsätze  derselben  Verfasser.
            
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