Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

legt,  der,  heimats-  und  vaterlandslos,  stets  bereit  ist,  als  Apostel  ins
weite  zu  ziehen,  der  stets,  zu  jeder  Stunde  und  an  jedem  Tage,
unterwegs  ist.
Der  entscheidende  Punkt  seiner  Laufbahn  ist  sein  Bruch  mit
Karl  Marx  auf  dem  letzten  Kongreß  der  Internationale  im  Haag
1872.  Bakunin  war  1869  in  die  Internationale  eingetreten.  Aber,
abgestoßen  von  den  autoritären  Bestrebungen  seines  geschäftsfüftrenden
  Ausschusses,  den  Karl  Marx  beherrschte,  empfahl  er  eine
foederalistische  Organisation  der  Assoziation,  die  jeder  Sektion  weitgehendes ­
  Selbstbestimmungsrecht  ließ.  Unterstützt  wurde  er  von
den  schweizer  Delegierten  der  Juraföderation,  wie  auch  von  vielen
französischen,  belgischen,  spanischen  und  von  allen  italienischen
Abgeordneten.  Trotzdem  wurde  er  von  Marx’  Freunden  aus  der
Internationale  ausgeschlossen.  Der  offizielle  Bruch  zwischen  den
marxistischen  und  den  anarchistischen  Sozialisten  —  deren  Rivalität
seitdem  immer  größer  geworden  ist  —  datiert  von  diesem  Tage.
Der  Kongreß  im  Haag  bezeichnet  übrigens  das  Ende  der  Internationale, ­
  so  wie  Marx  sie  geschaffen  hatte.  Ihre  Geschäftsstelle
wurde  von  Marx  nach  den  Vereinigten  Staaten  verlegt;  seitdem  hat
sie  keinen  Kongreß  mehr  abgehalten.  Zur  gleichen  Zeit  zog  sich
Bakunin  vom  Kampfe  zurück,  nachdem  er  mit  den  Freunden,  die
ihm  treu  geblieben  waren,  in  Genf  einen  neuen  Verein  gebildet  hatte.
Er  starb  1876  in  Bern.
Im  Jura,  in  der  Umgebung  von  Neuenburg,  wo  Bakunin  zahlreiche ­
  Anhänger  unter  der  individualistischen  und  etwas  mystisch
gesinnten  Bevölkerung  jener  Gegend  hatte,  empfing  Kropotkin,  1872 x ),
während  einer  Reise,  den  Keim  der  anarchistischen  Ideen,  deren
Propaganda  er  seitdem  sein  Leben  gewidmet  hat.  Ohne  Bakunin  persönlich ­
  gekannt  zu  haben,  wurde  er  so  sein  unmittelbarer  Nachfolger.
Auch  der  Fürst  Kropotkin  gehört  der  russischen  Aristokratie
an.  Auch  er  trat  in  die  Armee  ein,  nachdem  er  seine  Studien  im
*)  „Ich  kam  von  dieser  Reise  mit  fest  abgeschlossenen  soziologischen  Vorstellungen
zurück,  die  ich  bis  heute  behalten  habe,  und  ich  habe  alles  getan,  was  ich  konnte,
um  ihnen  eine  immer  klarere  und  konkretere  Gestalt  zu  geben“  (Autour  d’une
vie,  S.  295).  Die  hauptsächlichsten  Werke  Khopotkin’s  sind:  Paroles  d’un
Revolte  (1885);  La  Conquöte  du  Pain,  (1890)  (deutsch;  Der  Wohlstand
für  Alle,  Zürich,  1896),  eine  Autobiographie,  Autour  d’uue  vie  (1902)  (deutsch
von  Pannwitz,  3.  Auf!.,  2  Bände,  Stuttgart  1903)  und  sein  Buch  L’Entr’aide
(1906)  (deutsch;  Gegenseitige  Hilfe,  von  G.  Landauer,  Leipzig,  1908).  Außerdem ­
  hat  er  eine  große  Anzahl  von  Broschüren  veröffentlicht,  unter  anderen:
L’anarchie,  sa  Philosophie,  son  ideal  (1896).  Wir  haben  einige  Zitate  dem
Werk  Eltzbaoher’s  L’Anarchisme  (franz.  Übers.  1902)  entlehnt,  einem  Werke,
das  sich  fast  ausschließlich  aus  Zitaten  zusammensetzt,  die  in  eine  kleine  Anzahl
von  Rubriken  gebracht  sind,  und  deren  Unparteilichkeit  die  anarchistischen  Schriftsteller, ­
  darunter  auch  Kropotkin,  anerkannt  haben.
            
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