400
Der Interventionismus an den Universitäten
Daraus nun, daß die angeführten Verletzungen des all
gemeinen Interesses durch die Privatinteressen notwendig mit der
individualistischen Wirtschaftsordnung verknüpft sind, aus deren
Wesen fließen, folgt, daß alle Verbesserungen dieser Wirtschafts
ordnung — Erziehung der Individuen zu sittlichem Handeln,
genossenschaftliche Selbsthilfe, staatliches Eingreifen ins Wirt
schaftsleben — jene Antagonismen nicht aus der Welt schaffen
können. Dies kann nur durch Beseitigung der individualistischen
Wirtschaftsordnung geschehen. In seiner Doktordissertation
schließt Landry auf diese Beseitigung zugunsten einer soziali
stischen Gesellschaftsordnung. In seinem Handbuch — sieben
Jahre später — ist er vorsichtiger geworden. „Begrifflich,"
schreibt er, „ist die sozialistische Gesellschaftsordnung eine Ord
nung, in welcher die Verletzungen des allgemeinen Interesses,
welche in der individualistischen Wirtschaftsordnung notwendig
aus dem Privateigentum folgen, nicht mehr nötig sein werden.
Diese Feststellung könnte aber nicht genügen uns zu bestimmen,
der sozialistischen Wirtschaftsordnung vor der individualistischen
den Vorzug zu geben. Man muß hierzu die Gesamtheit der
Verletzungen, die dem allgemeinen Interesse heute widerfahren,
die wesentlichen und die zufälligen, gegen diejenigen, welche
das allgemeine Interesse im sozialistischen Staate sicher erleiden
würde, abwägen“ ').
Damit berührt Landry den wunden Punkt seiner und
Effertz’ ganzer Argumentation. Es trifft zweifellos zu, daß
die bestehende Wirtschaftsordnung eine Reihe von Kräftever
lusten involviert. Der Schluß auf die sozialistische Wirtschafts
ordnung, im Ideengang unserer beiden Autoren, wird aber erst
dann diskutabel, wenn einwandfrei erwiesen ist, daß in ihr die
Antagonismen zwischen allgemeinen und privaten Interessen
quantitativ und qualitativ geringer sind als in einer individuali
stischen Ordnung. Diesen Beweis bleibt uns aber Landry so
wohl als Effertz schuldig.
Landry sucht schließlich auf anderem Wege den Schluß
auf den Sozialismus dennoch zu rechtfertigen. Die Deduktion
versagt, da muß denn die so sehr in den Schatten gestellte In
duktion helfen. „Um eine Richtschnur für unser Handeln zu