122
schmaler, laufender Meterware lohnt. Für gewisse,-in geringen
Mengen hergestellte Ware wird daher die Handspitze ihrer größeren
Billigkeit und Beweglichkeit halber ihren Markt behalten; irr Betracht
kommen besonders bessere Qualitäten und eigenartige Muster,
auch reiue Liebhaberware. Die Herstellung schmäler Meterware
in ihren geringeren Qualitäten ist in scharfem Rückgang begriffen
rnrd wird fast nur noch von älteren Frauen betrieben; die Löhne
sind durch die Maschinenkonkurrenz tief unter den Lebensmindest-
bedarf herabgedrückt. Während des dritten Kriegswinllrs, also zu
einer Zeit enorm gesteigerter Lebensmittelpreise, wurden der Ver
fasserin im Erzgebirge Löhne von 50 Pf. pro Tag als Durchschnitts-
mtgelt für diese Qualitäten angegeben. Unter diesen Umständen
geht ihre Herstellung ntit der Hand naturgemäß dem Aussterben
entgegen.
Die von der Konfektion verwendeten Klöppelspitzen sind fast
durchweg Barmer Torchons; auch für die Verzierung von Decken,
Gardinen usw. werden in größtem Umfange mechanische, nur in
höheren und höchsten Preislagen echte Spitzen verwendet. Un
zweifelhaft werden unendlich viele Spitzen als e ch t verkauft, die nie
ein Klöppelkissen gesehen haben; für den Laien ist es eben völlig
unmöglich, den Unterschied zu machen. Die Inserate in den Fach
blättern, in denen „echte" und „täuschend imitierte" Klöppelspitzen
gleicherweise angeboten werden, reden eine deutliche Sprache.
Auch die Herstellung von Filetnetzen wivd maschinell mit gro
ßer Vollkommenheit betrieben, und sogar die Handnähspitze, die
lange scheinbar unnachahmbar war, wird neuestens so vollkommen
von Maschinen hergestellt, daß man nur mit der Lupe echte und
unechte Ware von einander unterscheiden kann.
Allerdings ist hier die nraschinelle Herstellung noch verhält
nismäßig teuer, wie überhaupt die Herstellung der inechanischen
Spitze dadurch erschivert ist, daß die Webstühle teuer sind, hoch amor
tisiert werden müssen und bei den enormen Konjunkturschwankun
gen nach Aussage der Spitzenfabrikanten nicht immer voll benutzt
werden. In Zeiten der Hochkonjunktur wird ebenso wie in der
Textilindustrie die .Heimarbeit stärker in Ansprrrch genommen. Das