Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

1G2

Private  Abrechnungsstellen  ohne  unmittelbare  Mitwirkung  der  Reichsbank. ­
  Die  Reichsbank  fördert  diese  Einrichtung,  indem  sie  einen  geeigneten
Raum  zur  Verfügung  stellt.  Die  sich  aus  der  Abrechnung  ergebenden
Spitzen  werden  durch  Überweisung  auf  Girokonto  beglichen.  Die  hohe
wirtschaftliche  Bedeutung  der  Abrechnungsstellen  besteht  darin,  daß  durch
Vereinfachung  der  Arbeit  viel  Zeit  gespart  und  der  Umlauf  von  Bargeld  *
in  hohem  Maße  eingeschränkt  wird.
In  V  e  r  l  i  n  findet  feit  April  1908  durch  Vermittlung  der  Bank  des  Berliner
Kassen-Vereins  täglich  mittags  eine  Scheckabrechnung  statt,  an  der  etwa
90  Bankhäuser  teilnehmen.  Die  Technik  gestaltet  sich  anders  als  bei  der  Ncichsbank-Abrechnung:
  Die  Einlieferungen  erfolgen  durch  Bote»  —  eine  Zusammenkunft ­
  bevollmächtigter  Vertreter  der  einzelnen  Firmen  behufs  Feststellung  der
Salden  findet  also  nicht  statt  —  mit  zwei  summierten  Verzeichnissen;  eines  von
diesen  erhält  die  einliefernde  Firma  quiitiert  vom  Kasseuverein  zurück.  Die
Gesanitsumme  wird  dem  Einliefernden,  vorbehaltlich  des  Eingangs,  gutgeschrieben. ­
  Jeder  Teilnehmer  läßt  nach  Schluß  der  Einlieferung  (11  Uhr)  durch  einen
Boten  die  gelieferten  Schecks  mit  dem  vom  Kassen-Verein  angefertigten  Berzeichnis
  abholen.  Reicht  das  Guthaben  auf  Girokonto  nicht  aus,  um  den  Gesamtbetrag
  der  Schecks  zu  decken,  so  ist  für  Deckung  bis  spätestens  1  Uhr  Sorge  z»

tragen.  In  dieser  Mittags-Scheckabrechnung  wurden  im  Jahre  1926  581  400
Schecks  im  Betrage  von  686,2  Millionen  RM  verrechnet.

Erheblich  größer  als  in  den  deutschen  Abrechnungsstellen  ist  der  Umsatz

in  den  Clearing-HäusernEnglandsundderVereinigten
  Staaten  von  Amerika.  Solange  es  aber  in  Nordamerika
keine  Zentralbank  gab,  erfolgte  die  Begleichung  der  Salden  nicht,  wie  in
den  anderen  Ländern,  durch  Ausschreibung  eines  Schecks  aus  die  „Bank
der  Banken",  sondern  in  barem  Gelde  oder  in  Clearing-House-Zertifikaten
(■).  S.  94).
Es  wurden  im  Jahre  1926  verrechnet,  in  runden  S  u  m  m  c  n  :
In  den  deutschen  Abrechnungsstellen  .  .  .  56,9  Milliarden  NM
Im  Londoner  Clearing-Honse  .....  89,8  „  £
In  den  Clearing-Häusern  der  Ver.  Staaten  524,2  „  $

In  der  Chambre  de  eompensation,  Paris  .  647,9

Auf  die  Provinz  ausgedehnt  ist  das  Abrechnungswesen  in  England  durch
das  C  o  u  n  t  r  y  Clearing:  Jede  größere  Provinzialbank  hat  in
London  ihren  Vertreter,  der  ihre  Schecks  zum  Einzug  übernimmt  (Vermerk ­
  auf  dem  Scheck:  „London  agent“).  Der  Austausch  findet  täglich
zwischen  12  und  2  Uhr  im  Country  Clearing  in  London  statt.  Erfolgt  nicht
innerhalb  dreier  Geschäftstage  Rücklieferung,  so  gelten  die  Schecks  als  bezahlt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.