Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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b)  Lotterie-  oder  Prämienanleihen.  Die  Zinsen  werden
entweder  gänzlich  (unverzinsliche  Anleihen)  oder  zum  Teil  (verzinsliche
Anleihen)  aufgespart  und  in  Gestalt  von  Prämien,  die  nach  einem  im
voraus  bestimmten  Plan  zur  Verlosung  gelangen,  ausbezahlt  (s.  S.  423  f.).
«)  Zeitrenten  oder  Annuitäten  und  Leibrenten,  die
in  Deutschland  weit  weniger  als  in  England  und  in  Frankreich  bekannt
sind.  Sie  bezwecken  eine  Verzinsung  und  allmähliche  Rückzahlung  des
Kapitals  und  enden  mit  Ablauf  des  vereinbarten  Zeitraums  (in  England
49-  und  99jährige  Renten)  oder  mit  dem  Tode  (Leibrenten).
Bei  der  Bewertung  ausländischer  Staatsanleihen  ist  maßgebend
die  politische  Verfassung  des  betreffenden  Landes,  insbesondere  seine
Steuergesetzgebung,  das  der  Regierung  und  den  leitenden  Staatsmännern
entgegengebrachte  Vertrauen,  die  Wührungs-,  Produktions-  und  Erwerbsverhältnisse, ­
  die  Höhe  der  Schulden,  wobei  wieder  zu  untersuchen  ist,
welcher  Betrag  zu  produktiven  Zwecken  und  welcher  zur  Deckung  eines
Defizits,  zu  Ausrüstungen  usw.  Verwendung  gefunden  hat.  Die  Banken,
die  ausländische  Staatsanleihen  übernehmen,  die  sie  dann  zur  Subskrip.
tion  auflegen,  fordern  mitunter,  daß  Sicherheiten  für  Verzinsung
und  Tilgung  der  Anleihe  vom  Schuldnerstaate  bestellt  werden.
Kann  oder  will  ein  Staat  seine  Verpflichtungen,  die  er  hinsichtlich
Zins-  und  Kapitalrückzahlung  eingegangen  ist,  nicht  erfüllen,  erklärt  er
sich  für  bankerott,  so  steht  der  Gläubiger  meist  machtlos  da.  Die  von  den
in  Bankerott  geratenen  Staaten  gestellte  Sicherheit  hat  sich  in  vielen
Fällen  als  wertlos  erwiesen.  Die  bestellten  Pfänder  wurden  einfach  ignoriert ­
  und  die  Einnahmen  hieraus  den  Gläubigern  vorenthalten.
Ein  trauriges  Beispiel,  wie  Staaten  sich  ihrer  Verbindlichkeiten  entledigen,
zeigt  Griechenland.  Im  Jahre  1892  bereits  hatte  das  Land  die  Zinsen
seiner  äußeren  Anleihen  nicht  in  bar,  sondern  in  Gestalt  neuer  Schuldverschreibungen ­
  bezahlt.  Im  Jahre  darauf  wurden  die  Zinsen  erheblich  gekürzt.
Nur  die  Kupons  d  er  „Inneren  Griechischen  A  n  l  e  i  h  e",
die  in  Griechenland  selb  st  untergebracht  war,  wurden
nach  wie  vor  ungekürzt  eingelöst.
Anders  dagegen  verhielt  sich,  an  der  Jahrhundertwende,  Mexiko  gegen
seine  Gläubiger.  Als  dieses  Land  durch  Mißernten  und  den  gewaltigen
Preissturz  des  Silbers  in  arge  Bedrängnis  geraten  war,  erklärte  der  Präsident ­
  Porfirio  Diaz:  Was  wir  versprochen  haben,  müssen  wir  halten.
            
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