Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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II,  2.  Die  Arbeitslosigkeit

wendet,  vor  allem  ist  hier  an  die  Schwankungen  der  Mode  bei  der
Kleidung,  namentlich  der  Damenkleidung,  zu  denken.  Da  werden
bald  seidene  Länder  bevorzugt,  bald  verzichtet  man  auf  diese  Art
des  Ausputze-  und  verwendet  mehr  Spitzen,  bald  wieder  treten  an
die  Stelle  von  Spitzen  Stickereien  oder  pelzwerk.  Bald  werden  Sammetstoffe ­
  getragen,  bald  wieder  will  die  Mode  von  ihnen  nichts  wissen. ­
  Dadurch  ergeben  sich  für  die  einzelnen  Zweige  der  Textilindustrie ­
  abwechselnd  Perioden  verstärkter  Arbeitereinstellung  und  bald
wieder  Perioden  gehäufter  Arbeiterentlassung.  Namentlich  eben
solche  Zweige  wie  die  Seidenbandweberei,  die  Spitzenindustrie,  die
Stickerei,  aber  auch  andere  sind  durch  den  Modewechsel  starken
Schwankungen  ihres  Beschäftigungsgrades  ausgesetzt.  Diese  Schwankungen ­
  im  Arbeitsbedarf  der  einzelnen  Geschäftszweige  brauchten
allerdings  an  sich  nicht  notwendig  zu  Arbeitslosigkeit  zu  führen.
Denn  um  ungefähr  ebensoviel  wie  von  dem  einen  Artikel  weniger
gebraucht  wird,  wird  ja  von  dem  anderen  mehr  verlangt.  Und  demgemäß ­
  wird  auch  ungefähr  in  demselben  Maße,  wie  die  eine  Industrie ­
  ihre  Nachfrage  nach  Arbeit  einschränkt,  in  anderen  die  Nachfrage ­
  nach  Arbeit  ausgedehnt.  Der  Ausgleich  auf  dem  Arbeitsmarkt,
der  hierdurch  geschaffen  wird,  vermag  aber  doch  die  Entstehung  von
Arbeitslosigkeit  nicht  zu  verhüten.  Vas  würde  nur  dann  zutreffen,
wenn  folgende  Bedingungen  erfüllt  wären  —  man  sieht  sofort,  es
liegt  ein  ganz  ähnlicher  Fall  vor  wie  bei  der  Entstehung  der  Saisonarbeitslosigkeit: ­
  die  neue  Mehrnachfrage  nach  Arbeit  müßte  einmal
an  denselben  Drten  oder  wenigstens  in  großer  Nähe  der  Drte  auftreten, ­
  an  denen  gleichzeitig  die  Nachfrage  nach  Arbeit  sich  mindert,
und  zum  anderen,  die  Arbeiter,  die  in  dem  einen  Gewerbe  arbeitslos
werden,  müßten  nach  ihrer  erworbenen  technischen  Geschicklichkeit
imstande  sein,  in  den  Gewerben,  denen  jetzt  die  Gunst  der  Mode  sich
zuwendet,  die  Arbeit  aufzunehmen.  Meder  die  eine  noch  die  andere
Bedingung  ist  aber  gewöhnlich  in  solchen  Fällen  in  genügendem  Umfange ­
  erfüllt,  von  den  Arbeitern,  die  der  von  der  Mode  begünstigte
Industriezweig  braucht,  werden  meist  andere  Kenntnisse  und  Fer ­
            
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