Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Menschen  im  Betrieb.

eigener  Anschauung  kennt.  Auf  den  ersten  Blick  erscheint  eine  solche  Ordnung  als  die  denkbar
beste.  In  der  Praxis  arbeitet  sie  jedoch  in  der  Begel  nur  eine  Zeitlang  gut;  denn  der  Alleinherrscher ­
  hält  nur  seine  Maßnahmen  für  richtig,  sieht  infolge  der  angestrengten  Beschäftigung
mit  allen  Einzelheiten  nicht,  was  um  ihn  herum  vor  sich  geht,  wie  die  Wettbewerber  zu  verbesserten ­
  Einrichtungen  übergehen;  er  kann  nicht  mehr  die  technischen  und  wirtschaftlichen
Fortschritte  verfolgen:  kurz,  sein  Betrieb  schreitet  nicht  mit  vorwärts.
Von  selbst  tritt  dann  die  Notwendigkeit  der  Arbeitsteilung  ein,  die  sich  in  der  Regel  so
vollzieht,  daß  die  laufenden  kaufmännischen  Arbeiten  einem  kaufmännischen  Direktor  (Angestellten ­
  oder  Teilhaber)  übertragen  werden,  die  letzten  Entscheidungen  in  der  Führung  —
auch  in  kaufmännischen  Angelegenheiten  —  jedoch  dem  von  der  Technik  herkommenden
Unternehmer  verbleiben.  Diese  Verselbständigung  der  kaufmännischen  Seite  in  kaufmännisch
vorgebildeten  Personen,  mit  der  Unterordnung  letzten  Endes  doch  unter  den  Techniker  als
Unternehmer  ist  eine  weit  verbreitete  Erscheinung,  für  die  eine  Erklärung  nicht  schwer  zu
finden  ist.  Auf  der  einen  Seite  kann  sich  der  Techniker  leicht  gewisse  kaufmännische  Kenntnisse ­
  aneignen,  besonders  aber,  wenn  er  eine  kaufmännische  Begabung,  einen  kaufmännischen
Blick  (der  mehr  wert  ist,  als  Kenntnisse  allein)  mitbringt.  Auf  der  anderen  Seite  fehlt  dem  Kaufmann ­
  meistens  die  genaue  Kenntnis  der  technischen  Vorgänge,  insbesondere  dort,  wo  es  sich
um  weitverzweigte  technische  Grundlagen,  physikalische  oder  chemische  Kenntnisse  handelt.
Er  wird  sich  zwar  leicht  die  Warenkenntnisse  aneignen,  die  nötig  sind,  um  sich  im  Betrieb
zureohtzufinden  und  den  Absatz  der  Erzeugnisse  in  die  Hand  zu  nehmen.  Aber  dort,  wo  —  wie
gesagt  —  die  technischen  Grundlagen  verwickelter  werden,  herrscht  in  der  Regel  der  Techniker; ­
  er  bestimmt  Einkaufsmengen,  Art  der  Rohstoffe,  Ausdehnung  der  Produktion  und  trifft
insbesondere  naturgemäß  alle  Anordnungen,  die  sich  auf  den  technischen  Betrieb  beziehen.
Diese  Stufe  der  Führung  kann  befriedigende  Ergebnisse  liefern.  Voraussetzung  ist  aber
auch  hier  noch:  verhältnismäßig  kleiner  Betrieb,  möglichst  feste  Preise  der  Rohstoffe  und  eine
gewisse  Unabhängigkeit  der  Verkaufspreise  vom  Markt.  Verändern  sich  diese  Voraussetzungen, ­
  wachsen  die  Markteinflüsse  (vgl.  AI),  so  können  leicht  durch  eine  vorwiegend  technische
Führung  Störungen  im  Betrieb  auftreten:  die  Erzeugung  wird  ohne  Rücksicht  auf  die  Lage
des  Marktes  ausgedehnt,  Konjunkturen,  Geld-  und  Kapitalverhältnisse  werden  außer  acht
gelassen  usw.  Der  Fabrikant  muß  dann  unter  Umständen  sehen,  wie  seine  technisch  vorzüglichen ­
  Erzeugnisse  unverkäuflich  bleiben,  oder  erfahren,  daß  die  Einkaufspreise  zu  hoch,  die
Einrichtungen  zu  kostspielig  oder  nicht  mehrleistungsfällig  sind,  daß  sich  mit  anderen  Worten
seine  Fabrik  nicht  mehr  rentiert.  Oder  aber:  der  gute  Techniker  muß  zugleich  ein  guter  Kaufmann ­
  sein,  eine  Vereinigung,  die  in  einer  Person  nur  schwer  zu  finden  ist.
Und  vollends  gar  auf  der  letzten  Stufe:  im  Großbetrieb.  Hier  wird  es  ganz  unmöglich,  daß
eine  Person  sowohl  die  technischen,  als  auch  die  kaufmännischen  Einzelheiten  beherrscht.  Die
Zahl  der  Einzelvorgänge  wächst,  weitestgehende  Arbeitsteilung  wird  nötig,  eine  Überwachung
der  Arbeitsleistung  der  beschäftigten  Personen  ist  erforderlich,  die  einzelnen  Betriebe  kommen
unter  selbständige  Verwaltung,  neben  dem  kaufmännischen  Leiter  steht  der  technische  Betriebsleiter ­
  •—  und  über  allem  steht  der  eigentliche  Unternehmer.  Ist  er  Kaufmann  oder
Techniker?  Antwort:  Beides;  aber  nicht  mehr  in  dem  bisherigen  Sinne,  daß  er  sich  um  die
letzten  Einzelheiten  des  Betriebs  kümmert.  Er  muß  jetzt  soviel  von  kaufmännischen  und
technischen  Dingen  verstehen,  daß  er  die  entscheidenden  Anregungen  geben  kann,  die  dann
von  den  ihm  unterstellten  Abteilungen  auszufiihren  sind.  Angabe  der  Produktionseinriohtun  g,
Auswahl  der  richtigen  Personen  für  die  einzelnen  Posten,  Abgrenzung  der  Machtbefugnisse,
stramme  Zusammenfassung  des  Ganzen,  Ineinandergreifen  der  einzelnen  Teile  durch  zweckmäßige ­
  Organisation  und  endlich  letzte  Entscheidung  in  der  obersten  Führung  des  Betriebes,
das  ist  die  Aufgabe  des  Großunternehmers  nach  innen.
Gleichzeitig  muß  er  seinen  Blick  nach  außen  richten  und  die  Entwicklungen  in  der  Volkswirtschaft ­
  verfolgen,  wenn  er  sein  Schifflein  richtig  durch  die  Fährnisse  des  Weltmarktes  mit
seinen  Konjunkturen,  seinen  Wettbewerbskämpfen  bringen  will.  In  einer  Zeit,  wo  man  durch
Kartellierungen  und  Zusammensohlußbewegungen  die  Preise  zu  beeinflussen  sucht,  wo  man
immer  erheblichere  Kapitalien  gebraucht,  um  sich  im  Wettbewerbskampfe  zu  behaupten,  wo
die  Finanzierung  der  Unternehmungen  eine  wichtige  Rolle  spielt,  da  tritt  das  eigentlich  Technische ­
  immer  mehr  in  der  Führung  zurück:  auf  die  kaufmännische  und  organisatorische  Führung ­
  kommt  es  hauptsächlich  an.  Wie  man  für  die  Erledigung  der  täglichen  kaufmännischen
Arbeiten  kaufmännische  Hilfskräfte  hat,  so  dient  der  technischen  Herstellung  ein  Stab  von
wissenschaftlich  vorgebildeten  Ingenieuren  und  Technikern,  welche  die  unsäglich  mühevolle,
notwendige  und  wichtige  Kleinarbeit  ausführen  und  die  technische  Entwicklungsarbeit
leisten,  aber  mit  der  eigentlichen  Führung  und  Leitung  des  Unternehmens  in  keinem  oder  nur
losem  Zusammenhang  stehen.  Bei  vielen  der  größeren  Unternehmungen  tritt  dies  sogar
äußerlich  dadurch  in  die  Erscheinung,  daß  der  technische  Betrieb,  die  Fabrik,  auch  örtlich
von  der  Generaldirektion  getrennt  ist.  Letztere  befindet  sich  dann  meist  dort,  wo  man  leicht
Fühlung  mit  den  großen  Abnehmern,  Lieferanten,  Behörden,  Interessenten,  mit  der  Finanzwelt, ­
  ja  schließlich  auch  mit  den  Wettbewerbern  gewinnen  kann,  wenn  es  gilt,  Kartellierungen
            
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