70 Die Menschen im Betrieb.
Leistung hat. Doch wird es in den meisten Fällen sehr schwierig sein, diesen Wert
festzustellen, da für gewöhnlich der Markt über den Absatz der Leistung und den
zu erzielenden Erlös entscheidet. Es kommt hinzu, daß nur in wenigen Fällen
sich der Anteil dieser oder jener Arbeit am Gesamterfolg genau feststellen läßt.
Immerhin ist der Unternehmer bestrebt, soweit dies eben möglich ist, das Entgelt
und die Leistung aufeinander abzustimmen. Die Unterscheidung der kaufmänni
schen Arbeit in Grund- und Nebenarbeit und die Übertragung der einzelnen
Teile auf die verschiedenen Typen der Angestellten lassen eine Verwirklichung
dieses Grundsatzes bis zu einem gewissen Grade zu.
Im Handelsbetrieb stehen am unmittelbaren Eingang zum Gewinn- und Ver
lustkonto, wie wir gesehen haben, der Einkäufer und der Verkäufer, sofern eben
der Unternehmer deren Tätigkeiten nicht selbst ausübt. Von dem geschickten
Einkäufer hängt nicht nur die Möglichkeit eines günstigen Verkaufes, sondern
dieser vielleicht überhaupt ab. Die Entgelte für einen tüchtigen Einkäufer machen
sich daher leicht bezahlt; wir sehen auch, daß in vielen Handelsbetrieben, ins
besondere wo der Einkauf die erwähnte Rolle für den Verkauf spielt, die Ein
käufer neben einem entsprechend hohen Gehalt vielfach noch am Gewinn (des
Gesamtbetriebes oder einzelner Abteilungen im Warenhaus) beteiligt sind. Sie
stehen in der Stufenleiter des Gehaltes der kaufmännischen Angestellten an erster
Stelle und sind gewöhnlich noch mit anderen Aufgaben (der Betriebsleitung) be
traut (vgl. C); sie sind zugleich diejenigen, die für den Betrieb die Gefahr be
deuten, daß sie sich eines Tages selbständig machen und zum Wettbewerber
ihres jetzigen Betriebes werden (Konkurrenzklausel; vgl. B II).
Im Industriebetrieb liegen die Verhältnisse insofern etwas anders, als der Wert der in das
Erzeugnis gehenden Rohstoffe einen nicht so hohen Anteil am Gesamtwert darstellt wie beim
Handel. Für den Industriebetrieb ist neben dem Rohstoff die Verarbeitung von wesentlicher
Bedeutung, so daß die Vorteile eines günstigen Einkaufs sich nicht so stark auswirken. Es
kommt hinzu, daß oft Meinungsverschiedenheiten über die Güte, den Preis oder die Lieferfrist
der benötigten Werkstoffe und Einrichtungen zwischen dem Ingenieur oder dem Betriebsleiter
und dem Kaufmann entstehen. Das beim Techniker vorherrschende Streben nach Höohst-
und Musterleistungen geht oft auf Kosten der Billigkeit oder Preiswürdigkeit. Güte und
schnelle Lieferzeiten erscheinen dabei vielfach wichtiger als die Kosten. Je nach dem Anteil
der Stoff- und Bearbeitungskosten ist allerdings auch die Einstellung der Leitung zu diesen
Fragen verschieden; bei hohem Materialwert wird man mehr Wert auf preiswürdigen Einkauf
legen als bei geringem. Im ganzen jedoch hat in Industriebetrieben der Einkäufer nicht die
überragende Stellung wie im Handel, so daß unter der Leitung eines oder weniger gutbezahlter
Einkaufschefs meist viele Personen in untergeordneter Stellung und mit geringerer Bezahlung
tätig sind.
Ähnlich liegen die Dinge beim Verkauf; insbesondere im offenen Ladenge
schäft kommt es wesentlich auf die Tüchtigkeit des Verkäufers an, dessen Tätig
keit daher unmittelbar gewinnbringend ist. Um die Verkaufsverhandlungen mit
den Kunden günstig für den Betrieb zu gestalten, ist nicht nur richtige Auswahl
der Verkäufer vonnöten, sondern auch eine bevorzugte Bezahlung der für den
Verkauf in erster Linie verantwortlichen Personen üblich. Auch hier bietet die
Gewinnbeteiligung die Möglichkeit, die Leistungen dieser Angestellten zu steigern
und dadurch den Umsatz für den Wirtschaftsbetrieb zu erhöhen. Besonders im
Großhandel ist diese Art der Entlohnung entwickelt, indem gewöhnlich der Ver
treter, der Reisende oder der Agent neben dem Ersatz ihrer Auslagen eine be
sondere Vergütung (Provision) vom Bruttoerlös ihrer Verkäufe beziehen. Als
leistungsfähig bekannte Reisende, die Erfolge bereits nachweisen können, lassen
sich allerdings nur selten auf eine reine Provisionsentlohnung ein; in den ver
schiedensten Formen wird ihnen ein festes Gehalt gewährt, das durch eine unter
schiedlich gestaltete Leistungsprämie auf Grund der wirklichen Verkaufserlöse
erhöht wird. Vorstehendes gilt ebenso, wenn die Fabrik dazu übergeht, durch
Vertreter oder Agenten den Absatz der eigenen Erzeugnisse zu besorgen.